Sergio Perez - Racing Point - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020 Stefan Baldauf
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Neue Fabrik erst 2022

Racing Points Lehren aus Corona

Eigentlich wollte Racing Point im Sommer 2021 in eine neue Fabrik umziehen. Das Vorhaben verzögert sich durch Corona um mindestens ein Jahr. Doch den Verantwortlichen kommt die Verschiebung gar nicht ungelegen. Wir erklären, warum.

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Die Corona-Pandemie zwingt die Unternehmen zum Umdenken. Home Office ist mit einem Schlag salonfähig geworden – auch in der Formel 1. Social Distancing zwingt die Teams derzeit noch, rund 50 Prozent ihrer Belegschaft zuhause zu halten. Und wie es aussieht, wird es auch nach Corona eine Zukunft für Home Office im schnellsten Wanderzirkus der Welt geben.

Racing Point zum Beispiel hat die Vorteile der Heimarbeit für sich entdeckt. Zur Überraschung der Teamführung leidet der Output darunter nicht. Im Gegenteil. Die Mannschaft aus Silverstone sei durch das mobile Arbeiten noch effektiver geworden, heißt es aus der Teamzentrale.

Racing Point-Technikchef Andy Green hält fest: "Auf die Mitarbeiter, die im Home Office arbeiten, hat es keinerlei negative Auswirkungen. Sie können die Arbeit in ihren Alltag integrieren. Und das macht sie glücklicher. Wir stellen fest, dass sich keiner abseilt, sondern die Bereitschaft da ist, sogar mehr zu arbeiten. Ihnen macht das nichts aus. Sie machen das gerne, weil sie persönlich mehr Freiheiten haben."

Kein Problem mit alter Fabrik

Und genau deshalb will Racing Point in Zukunft daran festhalten. Die erzwungenen Maßnahmen durch die Corona-Pandemie haben dem Team vor Augen geführt, dass die alten Arbeitsverhältnisse nicht optimal waren. Es lassen sich mit Umstrukturierungen, mit mehr Home Office und Freiheiten für die Mitarbeiter, noch bessere Ergebnisse erzielen. "Wir müssen nicht mehr 300 Leute gleichzeitig jeden Tag im Konstruktionsbüro sitzen haben. Das scheint nicht der effektivste Weg zu sein", urteilt Green.

Die Lehren aus der Corona-Krise will Racing Point in den Bau der neuen Fabrik in Silverstone einfließen lassen. Derzeit bezieht der Rennstall noch eine alte Anlage, die seit den 1990er Jahren besteht und auf den Vorgänger Jordan zurückzuführen ist.

Eigentlich wollte Racing Point im Sommer 2021 umziehen. Der Umzug verzögert sich nun aber um mindestens ein Jahr. Der Technikchef sieht es locker. "Wir können noch mindestens zwei Jahre in unserer aktuellen Fabrik bleiben." Weil man die Vorteile des mobilen Arbeitens für sich entdeckt hat. Und weil sich die Formel 1 ändert.

Andy Green - Racing Point - 2019
xpb
Andy Green ist der Kopf im Technikbüro von Racing Point.

Entspannter im Home Office

Die Entwicklungskapazitäten werden eingeschränkt: weniger Windkanalzeit, weniger CFD. Dazu werden große Teile des 2020er Autos auf das 2021er Modell übertragen. Stichwort: Homologation. Deshalb muss man nicht unbedingt schnell umziehen. Es reichen die Werkzeuge der alten Fabrik.

Ab 2021 greift zudem ein Budgetdeckel von 145 Millionen Dollar, unter dem Racing Point ohnehin schwimmt. Das Team wird weniger ausgeben als erlaubt. "Unser Ziel ist es, noch effektiver zu werden, um uns selbst mehr Freiraum zum Budget-Cap zu schaffen", sagt Green. Soll heißen: Diesen Puffer kann Racing Point in Zukunft sinnvoll ausschöpfen. Bis 2023 sinkt die Budgetobergrenze auf 135 Millionen Dollar. "Wir können unsere Pläne zum Ausbau des Teams entsprechend anpassen."

Ein Schritt zu noch mehr Effektivität ist die Anpassung auf die neue Arbeitswelt. Racing Point will die Erkenntnisse aus der Corona-Krise in den Bau der neuen Fabrik einfließen lassen. Der Rennstall hat festgestellt, dass selbst geringer Lärm zu Einschränkungen bei der Effizienz führt.

"Mitarbeiter werden dadurch in ihrer Konzentration gestört. Ihre Gedankengänge werden ungewollt unterbrochen. Da reicht ein Gespräch nebenan oder wenn einfach nur jemand das Büro betritt", erläutert Green. Im Home Office gibt es diese Flurgespräche weniger. Vorausgesetzt, man hat die Räumlichkeiten, um im eigenen Zuhause tatsächlich ungestört zu arbeiten. Und beim Bau der neuen Fabrik kann die Lärm-Problematik zum Beispiel bei der Gestaltung der Büros berücksichtigt werden.

Aus der ungewohnten Situation wegen Corona hat Racing Point noch weitere Lehren gezogen. Green erklärt: "Zu unserer Verwunderung fällt es den Mitarbeitern einfacher, das Eins-zu-Eins-Gespräch zu suchen. Das mag komisch klingen, weil sie normalerweise nur wenige Meter voneinander entfernt sitzen. Doch Gespräche scheinen ihnen leichter zu fallen, wenn sie sich nicht direkt gegenübersitzen. Sie sind dann einfach entspannter."

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