Mercedes - GP Ungarn 2020 xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - 18. Juli 2020
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - 18. Juli 2020
Impressionen - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - 18. Juli 2020
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Racing Point ist zweite Kraft

Vierfach-Sieg für Mercedes?

In Budapest konnte nur die rosa Mercedes-Kopie von Racing Point das Tempo der originalen Silberpfeile mitgehen. Teamchef Otmar Szafnauer nutzte die Gelegenheit für einen Rundumschlag gegen die Konkurrenz.

In den letzten Wochen hatte Racing Point vor allem abseits der Strecke Schlagzeilen geschrieben. Das kleine Team aus Silverstone sah sich andauernden Verbalattacken der Konkurrenz ausgesetzt, die in einem offiziellen Protest von Renault endeten. Wäre das Auto in den ersten Rennen nur halb so schnell gewesen, wäre die Kritik wohl auch nur halb so laut ausgefallen.

Somit dürfte der Aufschrei nach dem Ungarn-Wochenende wohl noch heftiger werden. Racing Point hat sich nicht einfach nur an die Spitze des Mittelfelds gesetzt. Die Pink Panther konnten die Top-Teams Ferrari und Red Bull im Qualifying auf dem Hungaroring überraschend klar hinter sich lassen.

Racing Point fährt in einer eigenen Liga hinter Mercedes, aber auch deutlich vor dem Rest der Formel 1. Zur Pole Position von Lewis Hamilton fehlten Lance Stroll im schnelleren der beiden RP20 gut neun Zehntel. Der Vorsprung auf Sebastian Vettel, der das Mittelfeld anführt, betrug aber auch immerhin vier Zehntel.

Vielleicht hätte man den Rest der Formel-1-Welt noch weiter distanzieren können. Das Qualifying ist bekanntlich nicht gerade Strolls Spezialdisziplin. Doch Teamkollege Sergio Perez musste sich ausnahmsweise zurückhalten: "Ich hatte im Qualifying irgendwie ein Schwindelgefühl, das immer schlimmer geworden ist", berichtete der Mexikaner. "Ich muss das jetzt mit meinem Physio untersuchen und hoffentlich für morgen abstellen."

Racing Point - GP Ungarn 2020
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Kann Racing Point am Sonntag die Ferrari schlagen und aufs Podium fahren?

Stallregie bei Racing Point?

Das Wohlbefinden von Perez ist nicht die einzige Sorge im Racing-Point-Lager. Die starken Leistungen stellen die Teamführung vor ganz neue Probleme. Rennstall-Boss Otmar Szafnauer muss zusehen, dass seine Schützlinge im Kampf um das sicher scheinende Podium keinen Unsinn anstellen.

"Wir müssen schauen, dass beide Piloten in der ersten Runde die Regeln einhalten. Beide müssen sich genug Platz lassen", so die Ansage des Chefs. "Die Anfangsphase ist ganz wichtig. Da dürfen sie nicht aneinandergeraten. Wir werden vor dem Rennen noch einmal mit beiden reden und klarmachen, dass das Team an erster Stelle steht."

Ob es auch danach eine feste Stallregie gibt, ist noch nicht klar. Man will erst einmal sehen, wie sich das Rennen entwickelt. Nach den Eindrücken des freien Trainings sollte von hinten nicht viel Gefahr drohen. Auch in den Distanzläufen war Racing Point ein paar Zehntel vor der Konkurrenz. Doch Szafnauer traut dem Braten noch nicht ganz.

"Unsere Longrun-Pace war ganz ordentlich. Ich befürchte dennoch, dass wir mit den Autos um uns herum kämpfen müssen. Ferrari war hier immer gut unterwegs. Sie liegen genau hinter uns. Und man weiß nicht, wie gut ihre Starts sind. Normalerweise bin ich ja eher ein Optimist und kein Pessimist. Aber das Problem mit dieser Formel 1 ist, dass sie nur schwer vorhersehbar ist."

Racing Point - GP Ungarn 2020
Wilhelm
Im zweiten Quali-Abschnitt rückten die rosa Panther mit gelbmarkierten Reifen aus.

Medium-Poker im Q2

Das Team ist bereit auch Risiken einzugehen. Das wurde schon im Qualifying deutlich. Genau wie Mercedes probierte man es mit dem Medium-Reifen durch das Q2 zu schaffen, um die ganz weichen Gummis am Start zu vermeiden. Doch im Gegensatz zu den Werks-Silberpfeilen wurde es bei Racing Point deutlich knapper.

Am Ende zahlte sich der Poker aber aus. Sowohl Perez als auch Stroll schafften es gerade so ins Q3: "Wir hatten das Gefühl, dass unser Auto gut genug ist, um mit den Mediums durchzukommen. Das war natürlich nicht ohne Risiko. Am Ende hat es aber funktioniert. Das sollte uns bei der Strategie für das Rennen etwas mehr Optionen geben", so Szafnauer.

Sollte es am Ende wirklich dazu kommen, dass am Ende des Rennens zwei originale Mercedes vor den beiden kopierten Mercedes ins Ziel rollen, wird der Aufschrei bei der Konkurrenz wieder groß sein. Renault dürfte dann wieder einen Protest einlegen, um Racing Point im Falle einer Verurteilung die Punkte zu klauen.

Racing Point - GP Ungarn 2020
Wilhelm
Die Konkurrenz haut weiter auf Racing Point ein. Otmar Szafnauer ging nach dem Qualifying zum Gegenangriff über.

Szafnauer attackiert Kritiker

Für Szafnauer wird die ganze Diskussion langsam nervig. Der 55-Jährige geht zur Attacke über: "Wir kennen die Regeln ganz genau. Und wir halten uns an die Regeln. Es ist eine Zeitverschwendung, wenn wir uns immer wieder rechtfertigen müssen. Die FIA war im März bei uns in der Fabrik und versteht nun gut, wie wir dieses Auto entwickelt haben. Und sie sind 100 Prozent zufrieden, dass wir es auf legalem Weg gemacht haben. Nach den FIA-Technikexperten müssen wir es jetzt nur noch den Rennkommissaren erklären."

Laut Szafnauer habe man nichts anderes gemacht als in den vergangenen Jahren auch schon. Und außerdem kopiere ja auch die Konkurrenz: "Jedes Team macht Fotos von anderen Autos – sowohl die großen als auch die kleinen. Manche machen einfach einen besseren Job beim Kopieren bzw. beim Integrieren von dem, was man durch die Bilder lernen kann."

Der Aufschrei sei aktuell nur so groß, weil Racing Point erfolgreich ist. Und weil man das Konzept so radikal geändert hat. "Wenn man sein Auto kontinuierlich weiterentwickelt, dann fällt das gar nicht so auf. Aber wenn man von einem Konzept mit hoher Anstellung zu einem Auto mit einem niedrigen Schwerpunkt umschwenkt, dann kommt man eben zu einer solchen Lösung", so Szafnauer.

"Man darf nicht vergessen, dass Adrian Newey das Konzept mit der hohen Anstellung entwickelt hat. Und dann sind ihm alle gefolgt – auch wir. Wir haben damals schon Fotos von ihrem Unterboden gemacht, als wir das Anblasen des Diffusors noch nicht richtig verstanden haben und es nicht funktionierte. Dabei haben wir gelernt, wie groß die Spaltmaße sein müssen. Und die anderen Teams haben es ganz genauso gemacht. Weil es ja auch erlaubt ist."

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