Sergio Perez - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Vettel - Hamilton - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Sergio Perez - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
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Racing Point erobert mit Perez-Podest Platz 3

Racing Point erobert Platz 3 Intermediates wurden nie zu Slicks

Der Traum vom Sieg hielt nur 35 Runden. Trotzdem war der GP Türkei für Racing Point ein voller Erfolg. Der zweite Platz von Sergio Perez brachte den Rennstall zurück auf Platz 3 in der Konstrukteurs-WM. Da war Lance Strolls Reifendrama verschmerzbar.

Wenn ein Fahrer von der Pole Position startet und 32 der ersten 35 Runden führt, dann fragt man sich als Team hinterher immer, ob man etwas falsch gemacht hat. Weil Lance Stroll nach der großen Show in der ersten Rennhälfte in der Versenkung verschwand und am Ende nur zwei WM-Punkte mit nach Hause nahm. Racing Point konnte sich mit dem zweiten Platz von Sergio Perez trösten. Er brachte das Team zurück auf den dritten Platz in der Konstrukteurs-Wertung und baute sogar noch ein kleines Polster auf seine Verfolger auf. Fünf Punkte auf McLaren, 18 Punkte auf Renault und 24 Zähler auf Ferrari.

Das Rennen von Perez erzählt gleichzeitig auch das Rennen von Stroll. Was der eine mit all seiner Erfahrung richtig machte, wurde für den anderen zum Problem. Stroll fuhr zunächst, als wäre er auf einer Mission. Nach vier Runden hatte er seinen Vorsprung auf Perez auf 6,2 Sekunden ausgebaut. Doch dann begann die Lücke zu schrumpfen. Drei Runden später waren es nur noch 4,7 Sekunden. Stroll hatte seine Regenreifen zu hart rangenommen. Der Boxenstopp rettete ihn.

Lance Stroll - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
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Lance Stroll träumte vom Sieg und holte doch nur zwei WM-Punkte.

War ein Frontflügelschaden schuld?

Das gleiche Bild im zweiten Stint, diesmal auf Intermediates. Stroll legte los wie die Feuerwehr. In Runde 12 ließ er sich 10,7 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen gutschreiben. Sechs Umläufe lang schwankte der Abstand um diesen Wert herum. Dann meldete Stroll immer stärkeres Untersteuern. Der rechte Vorderreifen begann zu körnen. Perez holte auf. Vermutlich klingelten bei Stroll alle Alarmglocken, und er nahm deshalb Tempo aus seiner Fahrt, um die Reifen zu schonen. Das Gegenteil wäre richtig gewesen. Um die Gummischicht möglichst schnell abzuhobeln hätte, aggressiveres Fahrern geholfen. So wie es Perez in dieser Phase praktizierte.

In der 34. Runde hatte der Jäger den Gejagten eingeholt. Beiden Racing Point hing aber schon Lewis Hamilton formatfüllend im Rückspiegel. Damit war klar: Der Traum vom Sieg ist ausgeträumt. Für die Strategen von Racing Point das Zeichen, zu retten, was noch zu retten war und Stroll zu einem zweiten Reifenwechsel an die Box zu holen. Obwohl sich der Kanadier zunächst wehrte. Doch der Kommandostand blieb hart. Man wollte keine Zeit verlieren.

Ferrari, McLaren und Renault hatten bereits die Reißleine gezogen. Vermutlich erwartete Racing Point, dass früher oder später alle dem Beispiel folgen würden. Und so hätte man sich mit einem Undercut gegen Hamilton gewehrt. Doch der kam genauso wenig wie Perez an die Box. Weil Mercedes das Geheimnis der Intermediates längst durchschaut hatte.

Stroll war im Rückblick immer noch ratlos: "Es ist schwer zu verstehen, was heute passiert ist. Ich hatte eine Zehn-Sekunden-Führung, die mir eine gute Ausgangsbasis für den zweiten Stint gab. Auf den Intermediates wurde das Körnen so schlimm, dass ein Ende nicht absehbar war. Die Reifen sind einfach nie zu Slicks geworden. Deshalb war der zweite Stopp aus Sicht des Teams richtig. Nachdem mir mit dem zweiten Satz das gleiche passiert ist, wäre ich vielleicht besser draußen geblieben. Vielleicht hätte sich die Gummischicht ja doch irgendwann abgehobelt."

Nach dem Rennen ergab eine Routine-Untersuchung, dass sich unter dem Frontflügel an Strolls Auto ein vertikales Leitblech gelöst hatte. Das sorgte für Abtriebsverlust und als Konsequenz ab Runde 17 auch für das hartnäckige Körnen. Man habe das Problem während des Rennens nicht erkannt, heißt es in einem Team-Statement, weil die Ingenieure ihren Daten wegen der schlechten Bedingungen nicht hundertprozentig trauten. Wenn der Frontflügel wirklich einen so großen Einfluss hatte, dann muss sich Stroll den Schaden kurz vor dem Auftreten des Problems zugezogen haben.Komischerweise vergrößerte Stroll in den Runden 17 und 18 seinen Vorsprung auf die Verfolger noch. Erst dann verringerte sich der Abstand.

Wiedergutmachung für Perez

Perez war durch diese Phase bereits durch. Der Reifenstreichler aus Guadalajara hatte längst auf eine Überlebenstaktik umgeschaltet. "Der Schlüssel war, auf die Reifen zu Beginn und am Ende des Stints gut aufzupassen. Und die Entscheidung des Teams, mich draußen zu lassen. Das ist die Wiedergutmachung für Strategiefehler, die uns im zweiten Österreich-Rennen und in Imola jeweils ein Podium gekostet haben."

Perez war sich zunächst selbst nicht ganz sicher, ob draußen bleiben der richtige Weg sein würde. "Mein Team hat mir erzählt, dass der zweite Satz Intermediates von Lance gleich wieder gekörnt hat und dass es besser sei abzuwarten. Weil der Speed weiter gut war, haben wir entschieden, es bis zum Ende zu versuchen."

Es wurde noch eine Zitterpartie für den Mann auf dem zweiten Platz. In den letzten Runden wurden die Vibrationen von den Reifen immer schlimmer und kündigten das baldige Ende der Reifen an. Gleichzeitig rückten die beiden Ferrari immer weiter auf. Die letzte Runde war ein Krimi. Charles Leclerc nutzte einen kleinen Fehler von Perez in Kurve 9, um vorbeizugehen. Doch dann profitierte der Racing Point-Pilot von der Power seines Mercedes-Motors und schaffte es auf der Gegengerade sich neben den Ferrari zu setzen. "Sergio hat mir nur die nasse Innenspur gelassen, und auf der war weniger Grip als außen. Ich habe schon auf der letzten Rille für Kurve 12 gebremst und hätte wissen müssen, dass die Nummer nicht gut gehen kann", ärgerte sich Leclerc über seinen Verbremser.

Perez wunderte sich über den Angriff. "Ich war überrascht, wie nah die Ferrari schon dran waren." Nach Leclercs missglücktem Angriff bekam es Perez plötzlich mit Vettel zu tun. Er rettete sich mit 0,327 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie und war danach überzeugt: "Eine Runde mehr auf diesen Reifen, und sie wären explodiert. Die Vibrationen wurden immer schlimmer. Im Rückblick muss ich sagen wäre es vielleicht doch besser gewesen, einen zweiten Satz zu holen. Dann hätte ich in den letzten Runden nicht so gelitten."

Sergio Perez - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
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Sergio Perez rettete sich auf stark vibrierenden Reifen ins Ziel. Der Lohn war der zweite Platz.

Perez bleibt nur Warten und Beten

Während Stroll einer verpassten Chancen nachtrauerte, die so vielleicht nie wieder kommt, hakte Teamchef Otmar Szafnauer das Rennen als vollen Erfolg ab. Nicht nur, weil man wieder die Führung im Verfolgerfeld übernommen hat. "Wir können stolz auf die Pole Position und die vielen Führungsrunden sein. 32 Runden lang haben wir eine Doppelführung gehalten. Daran wird sich unser Team immer erinnern. Jetzt müssen wir analysieren, was mit den Reifen bei Lance schiefgelaufen ist, warum aus den Intermediates nie Slicks wurden." Der Überraschungsmann auf der Pole Position meinte bitter: " Es hat Spaß gemacht, so viele Runden zu führen, aber es waren leider nicht genug Runden."

Für Sergio Perez war das neunte Podium seiner Karriere auch ein persönlicher Triumph. Der 30-jährige Mexikaner hat noch einmal gezeigt, dass er in den GP-Zirkus gehört. Red Bull wird an Perez nicht vorbeigehen können, wenn man sich entscheiden sollte, Alexander Albon in die Wüste zu schicken. Der momentan heißeste Kandidat auf das zweite Red Bull-Cockpit unterließ es mit Worten, Eigenwerbung zu betreiben: "Ich muss nur sicherstellen, dass ich die Saison mit guten Ergebnissen beende. Der Rest liegt nicht in meiner Hand." Er wollte noch nicht einmal behaupten, dass er die beste Saison seiner Karriere fährt: "Ich hatte schon früher gute Jahre, aber nie so ein gutes Auto."

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