Lance Stroll - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying xpb
Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020
Nicholas Latifi - Williams - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020
Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020
Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020 50 Bilder

Racing Point schockt die F1: Stroll trickst alle aus

Racing Point schockt die Formel 1 Stroll trickst sie alle aus

In 13 Rennen dieser Saison ging die Pole Position an einen Mercedes-Fahrer. Und als die Silberpfeile mal neben der Spur sind, schlägt nicht Max Verstappen zu, sondern ausgerechnet der zuletzt formschwache Lance Stroll. Der Kanadier kopierte die Reifenwahl seines Teamkollegen und erwischte ein perfektes Timing.

Das ist eine der beiden Sensationen des Jahres nach dem Sieg von Piere Gasly in Monza: Pole Position für Lance Stroll. Ausgerechnet der Kanadier, der seit seinem Horrorcrash von Mugello kein Bein mehr auf den Boden brachte. Ausgerechnet der Fahrer, der sich zuletzt von seinen Kollegen derbe Beschimpfungen anhören musste. Max Verstappen und Lando Norris fluchten in Portimao nach Kollisionen über ihren Unfallgegner. Nach dem Rennen in Imola hagelte es Kritik, weil der Racing Point-Pilot trotz gelber Flagge und trotz Streckenposten am Streckenrand nicht den Fuß vom Gas genommen hatte.

Stroll musste noch zweieinhalb Stunden warten, bis seine Heldentat in Stein gemeißelt war. Die Sportkommissare untersuchten einen Vorfall im Q2, als der Racing Point-Pilot unter gelben Flagge angeblich zu schnell unterwegs war. Die Telemetrie zeigte aber, dass Stroll sehr wohl in Kurve 7 so lange gelupft hatte, bis die grüne Flagge wieder freie Fahrt anzeigte. Die Sektorzeit war nur deshalb schneller als vorher, weil die Strecke ständig auftrocknete. Kanada musste 23 Jahre auf eine Pole Position warten. Die letzte datierte von Jacques Villeneuve beim WM-Finale 1997 in Jerez.

Lance Stroll - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying
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Kanada musste seit 1997 auf eine Pole Position in der Formel 1 warten.

Schon in Monza in erster Reihe

Dass Stroll im Regen gut ist, weiß man spätestens seit Monza 2017, als er seinen Williams neben Lewis Hamilton in der ersten Startreihe platzierte. Damals auch auf einer vom Regen eingeweichten und tückisch rutschigen Fahrbahn. Doch so schlimm wie in Istanbul war es noch nie. Der erst zehn Tage frische Asphalt bot schon bei trockenen Bedingungen keinen Grip. Und dann erst bei Regen. Auf Eis hätte man mehr Haftung vorgefunden, scherzte Daniil Kvyat. "Der Asphalt ist viel schlechter als alles, was ich bislang gesehen habe", urteilte Stroll. Max Verstappen und Sergio Perez nickten dazu.

Das unterschrieb auch Daniel Ricciardo. Der Australier hätte sich und seinen Renault nicht auf dem 5. Startplatz erwartet. "Bei diesen Bedingungen kannst du eigentlich gar nichts erwarten. Ich bin noch nie bei so wenig Grip gefahren. Der Freitag war ja schon eine spezielle Erfahrung, aber der Regen hat das alles noch einmal übertroffen. Das Auto gab dir null Feedback darüber, was geht und was nicht. Die üblichen Tricks, die du im Regen anwendest, funktionierten alle nicht. Normalerweise meidest du bei Nässe die Ideallinie auf der Gummi liegt. Aber auch das hat nicht geholfen."

Racing Point splittet Taktik

Überraschungen in der Startaufstellung sind so selten wie auf dem Siegerpodest. In den letzten zehn Jahren gab es exakt drei unerwartete Trainingsergebnisse. Alle drei produzierte Williams. 2010 mit Nico Hülkenberg beim GP Brasilien, 2012 mit Pastor Maldonado in Barcelona, 2014 mit Felipe Massa am Red Bull-Ring. Die Bestzeit von Stroll war kein Zufallsprodukt. Sie deutete sich schon an, als Teamkollege Sergio Perez bei Halbzeit im Q3 den bis dahin schnellsten Verstappen vom Thron stieß. Perez war neben Esteban Ocon der einzige, der sich traute, mit Intermediates in die letzte K.O.-Runde der Qualifikation zu starten.

Das war mit einem gewissen Risiko verbunden. Die McLaren-Piloten probierten es schon im Q2 und tricksten sich dabei selbst aus. Doch im letzten Abschnitt der Zeitenjagd war die Zeit reif dafür. Nach der schlechten Erfahrung von McLaren, splitteten Racing Point und Renault die Taktik. Jeweils ein Fahrer wurde zur Sicherheit mit Regenreifen in die Schlacht geschickt.

Es war Strolls Wunsch mit den Regenreifen zu beginnen. "Mitten im Training hat er uns dann angefunkt, dass es Zeit für Intermediates ist", verrät Teamchef Otmar Szafnauer. Die vorübergehende Bestzeit von Perez war für die Crew von Stroll der Anstoß, das gleiche zu tun. "Ich war informiert, was Sergio auf den anderen Reifen macht. Meine Regenreifen begannen im Vergleich zum Q2 bereits Grip zu verlieren. Das war für uns der Moment, auf Intermediates zu tauschen."

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Auch Sergio Perez hatte das Potenzial für die erste Startreihe. Es wurde der dritte Platz hinter Stroll und Verstappen für den Mexikaner.

Fast eine erste Reihe in Pink

Renault verfuhr genau umgekehrt. Nachdem Ricciardo auf den Regenreifen schnellere Zeiten als Ocon produzierte, wechselte der Franzose mittendrin auf Pirellis grobstolligste Sohlen. Ein Fehler. Ocon brauchte zu lange, die Regengummis wieder in ihr Arbeitsfenster zu bekommen. Ricciardo wurde auf der alten Garnitur immer schneller. Stroll dagegen spürte schon nach den ersten paar Kurven, dass er das richtige Pferd gesattelt hatte. "Da war sofort mehr Grip da. Es ging nur noch darum, die Reifen für den richtigen Moment anzuzünden."

Wie immer im Regen hängt alles davon ab, wer die Reifen im entscheidenden Moment auf der Idealtemperatur hat. Und wer dann noch eine freie Bahn vorfindet. Für Stroll passte das Timing perfekt. "Ich hatte noch zwei fliegende Runden. Die erste konnte ich abschreiben, weil sich Bottas vor mir gedreht hat. Aber in der zweiten habe ich jede Kurve perfekt getroffen."

Trotzdem hätte der Regenspezialist nie und nimmer mit der Bestzeit gerechnet. "Im dritten Training hatte ich kein gutes Gefühl im Auto. Deshalb ist die Pole Position fast wie ein Schock für mich." Perez dagegen war zur falschen Zeit am falschen Platz. Der Mexikaner setzte in der letzten Runde noch einmal alles auf eine Karte. "Dann stand mir Giovinazzi im Weg und wollte nicht Platz machen. Ich bin in Kurve 6 mit Gewalt vorbei und habe dabei das Heck verloren." Szafnauer ist überzeugt: "Ohne den Sauber im Weg, wären wir mit beiden Autos in die erste Startreihe gefahren."

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