Start - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 30. Juni 2019 Motorsport Images

Viele Rätsel im Formel 1-Mittelfeld

Alfa-Sauber derzeit stark, Renault schwach

Der GP Österreich brachte viele Überraschungen. Red Bull gewann, Mercedes schwächelte. Doch auch das Mittelfeld warf viele Fragen auf. Warum war Sauber so stark und Renault so schwach? Und was bremste die HaasF1 im Rennen?

Der GP Österreich war ein Rennen der Überraschungen. Red Bull war besser als sonst, Mercedes schlechter. Alfa-Sauber brachte zum ersten Mal zwei Autos in die Top Ten. Renault ging leer aus. Haas war schnell im Training und erschreckend langsam im Rennen. Bei Racing Point war es umgekehrt. In den meisten Fällen erklärt die große Hitze die vielen Rätsel. Nicht alle Autos kamen mit den hohen Temperaturen gleich gut zurecht. Mercedes verlor Abtrieb und Power. Red Bull musste vergleichsweise weniger Kompromisse eingehen, um die Antriebseinheit zu kühlen.

Im Mittelfeld präsentierte sich ein ähnliches Bild. Renault verstand die Welt nicht mehr. Das große Aero-Paket, das in Frankreich gezündet wurde, brachte in Spielberg noch weniger das gewünschte Ergebnis als in Paul Ricard. Wenn man sich die französischen Nationalrennwagen in der Startaufstellung mal genau angeschaut hat, musste man sich nicht wundern warum. Der Renault R.S.19 war im Heck offen wie ein Scheunentor. Man konnte von hinten fast den Motor sehen. Die Motorverkleidung war im Heck sogar seitlich auf einer Länge von 20 Zentimetern aufgeschnitten.

Bei den beiden Hitzerennen in Frankreich und Österreich ging der Versuch, das Heck noch schlanker zu machen, nach hinten los. Die vielen Öffnungen in der Verkleidung haben der Aerodynamik geschadet. Typisch dafür sind die Balanceverschiebungen in den langgezogenen Kurven, die von den Fahrern moniert wurden. Daniel Ricciardo meinte sogar, das Auto fühle sich ähnlich instabil an wie zu Saisonbeginn. Es hat wohl weniger am jüngsten Upgrade gelegen als an den Zugeständnissen für die Kühlung. Renault wird den Fortschritt seiner Entwicklungsstufe erst in Silverstone beurteilen können.

Kevin Magnussen - Haas - Formel 1 - GP Östereich - Spielberg - 28. Juni 2019
Jerry André
Bei Haas geht es im Rennen zumeist rückwärts.

HaasF1 Opfer des Verkehrs

Alfa-Sauber war exakt das Gegenteil von Renault. Die Eidgenossen hatten ihr Auto in Paul Ricard nur moderat modifiziert. In Spielberg kam nichts dazu. Das nächste größere Upgrade ist erst für Silverstone geplant. Trotzdem waren die beiden C38 bei den letzten beiden Rennen so gut unterwegs, als hätte ihnen neue Teile plötzlich Beine gemacht. Der Hauptgrund für die Rückkehr der Sauber in die Top Ten war jedoch, dass sie mit der Hitze besser klar kommen als die meisten ihrer Konkurrenten.

Sauber führt durch eine intelligente Durchströmung unterhalb der Verkleidung die heiße Luft so effizient ab, dass man im Ernstfall nicht extra Löcher in die Außenhaut schneiden muss. Teamchef Frédéric Vasseur verriet: „Wir sind in Österreich noch nicht einmal maximal offen gefahren. Eine Stufe mehr wäre noch möglich gewesen. Das hätte uns aber ein Zehntel in der Rundenzeit gekostet. Sie können sich bei dem engen Trainingsergebnis im Mittelfeld ausrechnen, wie viele Startplätze wir da verloren hätten.“

Bei HaasF1 liegt die Geschichte offensichtlich anders. Die schwarzen Autos hatten den Speed, wie der 5. Startplatz von Kevin Magnussen zeigt, aus dem später wegen eines Getriebewechsels Rang 10 wurde. Vielleicht war das schon der Todesstoß. Magnussen konnte den 10. Platz im Rennen nur drei Runden lang halten. Dann ging die Reise rückwärts. Teamchef Guenther Steiner gab nach dem Rennen zu: „Wir haben keine Ahnung, warum wir im Training so schnell und im Rennen so langsam waren.“

Offenbar fielen die Reifentemperaturen mal wieder aus ihrem Arbeitsfenster. Vielleicht liegt die Erklärung darin, dass die HaasF1-Piloten im Rennen ihre Reifen nur anzünden können, wenn sie von Anfang an freie Fahrt haben. So wie in Melbourne und wie in Barcelona. Magnussen hing in Spielberg hinter Antonio Giovinazzi fest. Das Tempo wurde ihm aufdiktiert. Möglicherweise war die Fahrt für die US-Renner zu langsam. Wäre Magnussen von Platz 5 gestartet, hätte er die Probleme vermutlich nie gehabt. Weil sich die Topautos schnell abgesetzt hätten.

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