Kimi Räikkönen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021 xpb
Valtteri Bottas - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Mick Schumacher - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Kimi Räikkönen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Carlos Sainz - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021 68 Bilder

Regeländerung nach Räikkönen-Chaos in Imola

Regeländerung nach Re-Start Chaos Räikkönen in der Zwickmühle

In Imola wurde eine der seltsamsten Strafen in der Formel-1-Geschichte ausgesprochen. Kimi Räikkönen flog für ein Vergehen aus den Punkterängen, bei dem sich mehrere Regeln widersprechen. Das soll schon bis zum nächsten Rennen geändert werden.

Selbst die Sportkommissare taten sich schwer diese Strafe zu begründen. Sie sprachen von mehreren Widersprüchen in den Regeln und beriefen sich am Ende auf den Passus im Reglement, der am längsten angewendet wird. Kimi Räikkönen wurde mit einer Zehnsekunden Stop-and-Go Strafe gebüßt. Da sie erst nach dem Rennen ausgesprochen wurde, bekam der Finne 30 Sekunden auf seine Rennzeit addiert. Das warf ihn von Platz neun auf Rang 13 aus den Punkten.

Was war passiert? Als die 17 verbliebenen Autos in die Formationsrunde für den Neustart in Imola geschickt wurden, wusste noch keiner im Feld, ob das Rennen nun stehend oder fliegend gestartet wird. Nicht einmal FIA-Rennleiter Michael Masi.

Als er sich aus Sicherheitsgründen für den rollenden Start entschied, bog Bernd Mayländer im Safety-Car gerade in Kurve 7 ein. Die Strecke war neben der Ideallinie noch zu nass, als dass Masi einen stehenden Start riskieren wollte. Valtteri Bottas und George Russell hatten 30 Minuten zuvor eindrucksvoll demonstriert, was bei derartigen Mischverhältnissen passieren kann.

Safety-Car - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
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Nach dem Restart ging es hinter dem Safety-Car hoch her.

Räikkönen saß in der Falle

Kimi Räikkönen machte unfreiwillig deutlich, wie glatt es noch war. Er segelte zu Beginn der Formationsrunde in der Tamburello-Kurve durch das Kiesbett und verlor dabei Plätze. Der Finne war nun nicht mehr Achter, sondern Zehnter.

Damit greift zunächst Artikel 42.6. Räikkönen hätte bis zur Safety-Car-1-Linie an der Boxeneinfahrt seine ursprüngliche Position wieder einnehmen müssen. Ansonsten drohte ihm der Start aus der Boxengasse. Das ist das normale Procedere für einen stehenden Start.

Doch die Rennleitung hatte sich mitten in der Formationsrunde auf einen rollenden Start festgelegt. Die Teams erfuhren es, als Mayländer in Kurve 10 die Lichter am Safety-Car ausschaltete und auf dem Informations-Bildschirm der FIA das Kürzel "RS" erschien. Ab diesem Moment kommt Artikel 42.12 ins Spiel. Der besagt, dass ab dem Verlöschen der Lichter auf dem Safety-Car kein Fahrer mehr vor der Kontrolllinie bei Start und Ziel überholen darf.

Somit saß Räikkönen in der Falle. Er konnte seine alte Position vor der Safety-Car-1-Linie nicht mehr einnehmen. Hätte er überholt, hätte er Regel 42.12. verletzt – Überholen hinter dem Safety-Car bei ausgeschalteten Lichtern. Da er die Position gehalten hat, stand er in Konflikt mit Paragraf 42.6, weil er die ursprüngliche Reihenfolge des Feldes nicht hergestellt hatte.

Kimi Räikkönen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
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Nach seinem Dreher wies das Alfa-Romeo-Team Räikkönen an, die Plätze nicht zurückzuholen.

Das Team riet dem Fahrer davon ab zu überholen. Es wäre auf der immer noch feuchten Bahn zu gefährlich gewesen. Als man sich bei der Rennleitung rückversichern wollte, blieb die Leitung stumm.

Teammanager Beat Zehnder verweist darauf, dass es bei schwierigen Bedingungen wie in Imola oder in Sao Paulo 2016 im Sinne der Sicherheit unsinnig sei, von den Fahrern zu verlangen, ihren alten Platz einzunehmen, sie andernfalls aber dafür zu bestrafen, dass sie eben nicht überholt haben. Ein Konkurrenzteam informierte Alfa Romeo, dass es Protest eingereicht hätte, wenn Räikkönen seinen alten Platz wieder eingenommen hätte.

Der hypothetische Fall Verstappen

So sahen es auch die Sportkommissare. Sie wiesen auf diesen Widerspruch hin und machten noch auf eine weitere Plausibilitätslücke in den Regeln aufmerksam. Warum dürfen Fahrer während einer normalen Safety-Car-Phase verlorene Plätze nicht wieder gutmachen, in einer Formationsrunde für einen Re-Start aber doch, selbst wenn die Streckenbedingungen so kritisch sind, dass sie einen fliegenden Start erfordern?

In ihrer Not brachten die Schiedsrichter Artikel 42.6. zur Anwendung, der Räikkönen vorschrieb aus der Boxengasse zu starten, weil er es nicht mehr rechtzeitig auf seinen achten Platz zurückgeschafft hatte. Es war die ältere der beiden Regeln, die obendrein regelmäßig und in vielen anderen Serien seit Jahren angewendet wurde.

Max Verstappen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
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Hätte Leclerc das Auto von Verstappen nach dem Ausrutscher überholt, hätte der Holländer nach der Räikkönen-Regel eigentlich an die Box abbgiegen müssen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Beinahe-Dreher von Max Verstappen in der Rivazza-Kurve zusätzliche Brisanz. Der Holländer war für eine Sekunde mit allen vier Rädern neben die Strecke gerutscht. Hätte ihn Charles Leclerc geistesgegenwärtig überholt, hätte Verstappen nach der Lex Räikkönen in die Boxengasse abbiegen und von dort hinter dem Feld starten müssen. Ihm wäre es verboten gewesen vor der Safety-Car-1-Linie wieder seine Spitzenposition einzunehmen. Auch für den späteren Sieger herrschte zu dem Zeitpunkt Überholverbot.

Darauf angesprochen bestreitet Rennleiter Michael Masi das in dem hypothetischen Fall Verstappen und stellt sich damit gegen das Urteil der Sportkommissare: "Die erste Runde nach einer Unterbrechung ist eine offizielle Rennrunde, für die aber die Regeln einer Formationsrunde gelten. Wenn also ein Fahrer seine Position verliert, darf er diese wieder einnehmen, solange er das vor der Safety-Car-1-Linie schafft."

Das hätte dann auch für Räikkönen gelten müssen. Oder Verstappen wäre im Falle eines Platzverlustes das gleiche passiert wie Räikkönen. Das Regel-Chaos von Imola bleibt nicht ohne Folgen. Noch am Mittwoch trafen sich die Sportdirektoren zu einer virtuellen Sitzung mit dem Ziel, im Wiederholungsfall für Klarheit zu sorgen.

Artikel 42.6. soll schon demnach ab dem nächsten Rennen nur noch für eine Formationsrunde vor einem stehenden Start gelten. Wenn sich der Fall Imola wiederholt, dann soll der Fahrer ungestraft auf dem Platz weiterfahren dürfen, auf dem er sich beim Erlöschen der Safety-Car-Lichter befindet. Auch wenn es der falsche ist.

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