Reaktion auf F1-Pläne für 2021

„Gut zu wissen, wo Liberty hin will“

Toto Wolff & Maurizio Arrivabene - Formel 1 - GP Bahrain - Training - 6. April 2018 Foto: xpb 33 Bilder

Drei Stunden lang hielt der Frieden nach dem Formel 1-Gipfel von Bahrain. Dann ließen sich die Teamchefs zu ersten Kommentaren hinreißen. Während die kleinen Teams jubeln, sieht Mercedes Verhandlungsbedarf.

Die Pläne des Formel 1-Management und der FIA sind zu Papier gebracht. Drei Stunden lang herrschte Ruhe im Fahrerlager. Die Teamchefs scheuten sich vor offiziellen Aussagen zu dem Zukunftspapier. Keiner wollte einen Krieg anzetteln. Keiner seine Position preisgeben. Bei der offiziellen FIA-Pressekonferenz konnten Zak Brown von McLaren, Guenther Steiner von Haas und Claire Williams nicht mehr ausweichen. Ihre Kommentare fielen durchweg positiv aus. Kein Wunder. Sie wären die Profiteure des Konzepts.

Zak Brown lobte, dass Liberty die Fans im Auge hat:Und dafür brauche es eine bessere Show als im Augenblick. „Wenn die Fans gewinnen, gewinnen wir alle. Die Sponsoren, die Medien, die Zuschauerzahlen vor den Fernsehschirmen. Es sollte unser kollektives Interesse sein, den Sport zu verbessern, auch wenn wir dafür den ein oder anderen Kompromiss eingehen müssen.“

Claire Williams sprach von „einem guten Tag für Williams“. Sie habe immer für die Abrüstung gekämpft und hoffe, dass die präsentierten Vorschläge auch so umgesetzt werden. Guenther Steiner stimmte prinzipiell zu. „Neue Besitzer machen Dinge anders. Darüber waren wir uns alle bewusst, als Liberty den Laden gekauft hat. Wir sehen die Vorschläge durchweg positiv.“ Und Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko lobte: „Eine vernünftige Basis, auf der man aufbauen kann.“

Keine Exklusivität auf gute Ideen

Toto Wolff & Chase Carey - GP Bahrain 2018 F1-Bosse präsentieren Plan ab 2021 Budget-Deckel und billigere Motoren

Mercedes will sich nicht mit der Blaupause von Liberty zufriedengeben. Nach Meinung von Teamchef Toto Wolff und Niki Lauda ist das Papier lediglich eine Basis für Diskussionen über die Einzelheiten. Wolff gab sich zunächst einmal versöhnlich: „Es ist gut, dass wir jetzt wissen, wie sich Liberty und die FIA die Zukunft der Formel 1 vorstellen. Einige der Ideen sind notwendig, einige gut und einige sehr herausfordernd. Wir müssen sie erst im Detail verstehen.“

Der Österreicher betrachtet Libertys Vorschläge nicht als etwas, das schon in Stein gemeißelt ist: „Bis 2021 ist noch ein langer Weg. Wir werden mit Liberty darüber reden. Dann können wir immer noch entscheiden, ob wir es mögen oder nicht. Es war ein Start für Verhandlungen. Ich fand es gut, als Chase Carey gesagt hat: Wir haben nicht den exklusiven Anspruch auf gute Ideen.“

Im TV-Interview mit dem britischen Sender Sky F1 wurde der Österreicher dann später etwas konkreter. Auf die Frage, was der Budgetdeckel in Höhe von 150 Millionen Dollar für Konsequenzen für Mercedes habe, erklärte Wolff: „Diese Zahl ist nicht darstellbar. Aber vielleicht können wir durch Verhandlungen auf eine vernünftige Zahl kommen. Da gilt es einen Kompromiss zu finden.“

Wie viel genau fehlt, damit Mercedes in der Formel 1 bleibt, wollte der 46-Jährige nicht verraten. Nur so viel: „Wenn man sich mal die ganzen Ausnahmen anschaut, dann erscheint die genannte Zahl auch schon nicht mehr ganz so verrückt.“

Budgetdeckelung für Top-Teams die größte Hürde

Da wurde sein Außenminister Niki Lauda deutlicher. Der Ex-Rennfahrer sieht in der Budgetdeckelung auf 150 Millionen Dollar die größte Hürde. „Das würde bedeuten, dass wir viele Stellen abbauen müssten. Wir können aber nicht in so kurzer Zeit so viele Leute entlassen.“

Lauda sieht die Liberty-Akte als den Startschuss zu weiteren Gesprächen: „Sie wollen sich jetzt mit jedem Team treffen und die Vorschläge im Detail diskutieren. Es ist gut, dass wir jetzt wissen, über was wir reden.“ Die nächste Runde hat auch schon ein Datum. Am 17. April trifft sich die Strategiegruppe der Formel 1. Dann bricht vielleicht der Krieg aus, der jetzt noch mühsam unter der Decke gehalten wird.

Bei der Sitzung werden auch Ferrari-Chef Sergio Marchionne und FIA-Präsident Jean Todt anwesend sein. Marchionne hielt sich mit Bedacht bedeckt. Er hatte dem F1-Management versprochen, die Diskussion diesmal hinter verschlossenen Türen zu führen.

Lauda jedenfalls sieht in allen Punkten noch Spielraum für Verhandlungen. Bei der Budgetdeckelung wie beim Motor. Lauda warnte erneut, dass ein neuer Motor die Hersteller 100 Millionen Euro extra Entwicklungskosten kosten würde.

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