Start - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021 Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Red Bull - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Siegerparade - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021 40 Bilder

Reaktion auf Sprint-Prermiere: Lob für Mini-GP

Viel Lob für Sprint-Premiere Pole sollte dem Freitag gehören

GP Großbritannien

Der erste Sprint der Formel-1-Geschichte bekam gute Noten. Weil es mehr Verschiebungen im Feld gab als erwartet. Weil 17 Runden voll gefahren wurde. Weil Risikospieler belohnt wurden. Einziger Makel: Die Pole Position sollte dem schnellsten Fahrer des Qualifyings am Freitag gehören.

Der Spuk dauerte nur 25 Minuten und 38 Sekunden. Aber das Experiment hat sich gelohnt. Der erste Sprint der Formel 1-Geschichte bekam gute Noten. Weil er nicht die befürchtete Prozession wurde. Das musste man auf einer Strecke befürchten, auf der das Überholen so schwierig ist wie in Silverstone. Trotzdem gab es nach der erwartet hektischen ersten Runde noch zehn Überholmanöver.

Der Mini-Grand-Prix über 17 Runden war nicht die Bestätigung des Freitagsergebnisses. Elf Fahrer (Verstappen, Norris, Ricciardo, Alonso, Vettel, Ocon, Stroll, Räikkönen, Latifi, Schumacher, Mazepin) haben ihre Positionen verbessert, fünf (Hamilton, Russell, Sainz, Giovinazzi, Perez) haben sich verschlechtert. Und nur vier behielten ihre Positionen (Bottas, Leclerc, Gasly, Tsunoda).

Die Könige des Sprints waren die Oldies Fernando Alonso und Kimi Räikkönen, die um vier Plätze nach oben kletterten. Der Verlierer war Sergio Perez, der nach seinem Dreher zuerst auf den drittletzten Platz abstürzte, bevor ihn Red Bull wegen ernsthafter Reifenvibrationen aus dem Rennen nahm.

Den Preis für den größten Kampfgeist geht an Carlos Sainz. Der Spanier fiel nach seiner Kollision mit George Russell auf Rang 18 zurück und überholte auf dem Weg zum elften Rang noch sechs Kontrahenten.

Fernando Alonso - Alpine - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
xpb
Fernando Alonso legte los wie die Feuerwehr. Am Ende wurde er aber noch von den beiden McLaren überholt.

Alpine belohnt sich für Risiko

Der Medium-Reifen war für 16 Fahrer die logische Wahl. Wenn überhaupt, dann traute man den Hinterbänklern einen Poker mit Pirellis weichster Reifenmischung zu. Umso überraschter stellte man fest, dass Valtteri Bottas mit Soft-Reifen an den Start rollte, dazu die beiden Alpine-Piloten und Kimi Räikkönen.

Mercedes setzte Bottas als Manndecker für Lewis Hamilton ein, was aber schiefging, weil Max Verstappen den besten Start erwischte. Immerhin musste Bottas für seine Dienste am Team nicht bezahlen. Er brachte seinen dritten Platz sicher über die Runden.

Für Alpine hat sich der Reifenpoker voll gelohnt. Fernando Alonso spurtete von Platz 11 auf Rang 7, Esteban Ocon von 13 auf 10. Es war ein kalkuliertes Risiko, für das beide Piloten in der Startrunde hohe Risiken eingehen mussten.

Kritisch waren dann noch die Runden drei bis zehn als der weiche Gummi bei der wilden Jagd überhitzte. Als der Reifen mehr und mehr Gummi verlor, wurde es wieder besser. Während die McLaren-Piloten noch relativ einfach an Alonso vorbeikamen, stand Sebastian Vettel an. Da hatten die Reifen am Alpine wieder Grip gewonnen.

Alonso hätte so viel Action gar nicht erwartet, und er glaubt auch nicht dass es mehr würde, bekämen noch mehr Fahrer Punkte als nur die ersten Drei. "Der Sprint heute hat gezeigt, dass du mehr verlieren als gewinnen kannst. Schaut euch Perez an. Der startet morgen von ganz hinten. Mit extra Risiko machst du vielleicht ein bis zwei Positionen gut. Das ändert sich auch nicht, wenn es Punkte gibt."

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
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Verstappen und Hamilton machten an der Spitze Attacke. Darunter litten die Reifen.

Sorgen um die Reifen

Die Fahrer bekamen endlich das, was sie immer wollten. Attacke von der ersten bis zur letzten Runde. Sie merkten dabei aber auch, dass dem Pirelli-Reifen Grenzen gesetzt sind. Das um 60 Kilogramm niedrigere Startgewicht entlastet den Reifen weniger als die höheren Kräfte durch schnelle Runden.

Wegen den absurd hohen Luftdrücken von 25 PSI vorne und 23 PSI hinten bildeten sich auf den Vorderreifen schnell Blasen. "Am Ende mussten wir doch wieder die Reifen managen", meinte Sprint-Sieger Verstappen.

Ein positiver Aspekt des Sprints liegt darin, dass er mehr Lust auf das Hauptrennen macht als das übliche Trainingsprocedere. Die Zuschauer bekommen schon einen ersten Eindruck, was sie am Sonntag erwarten könnte.

Gleichzeitig tun sich aufgrund der Erfahrungen des 17-Runden-Spektakels Fragen auf, die man sich nach der klassischen Qualifikation, bei der es nur um die schnellste Runde geht, nicht stellen würde, weil die nötigen Informationen fehlen. Der Sprint verrät auch nicht zu viel, da das Hauptrennen eine ganze andere Aufgabe ist mit längeren Distanzen, anderen Reifen, Boxenstopps und langsameren Rundenzeiten.

Impressionen - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Motorsport Images
Das zweite Training am Vormittag riss die Fans nicht von den Sitzen.

Kritik am zweiten freien Training

Wir wissen jetzt, dass die Red Bull ihr Heil in den Kurven suchen müssen, weil ihnen die Mercedes auf den Geraden davonfahren. Mercedes muss also irgendwie an Verstappen vorbeikommen, wenn man das Rennen gewinnen will. Entweder gleich beim Start oder beim Boxenstopp. Wir wissen auch, dass die Reifen am Sonntag ein noch größeres Problem werden können, weil die Temperaturen noch steigen sollen und die einzelnen Stint-Längen länger als 17 Runden sein werden.

Wir dürfen einen großen Kampf zwischen den Ferrari und McLaren erwarten, die sich nach den Erkenntnissen vom Freitag und Samstag in Silverstone auf Augenhöhe begegnen werden. Und wir können uns darauf freuen, wie Fernando Alonso seinen siebten Platz mit einem Auto verteidigen wird, das eigentlich nicht den Speed dafür hat. Umgekehrt erwartet Carlos Sainz und Sergio Perez am Sonntag eine Aufholjagd.

Es gab aber auch Kritik. Zum Beispiel das zweite Freie Training, das den Zuschauern kaum neue Erkenntnisse lieferte. Jeder spulte sein eigenes Programm ab. Um daraus Schlüsse zu ziehen, hätte man die Spritmengen kennen müssen. "Das ist aber auch bei einem normalen zweiten Training so", relativiert Alonso. "Es war nie besonders aufregend für die Zuschauer, aber es ist wichtig für die Ingenieure." Perez widersprach: "Wir dürfen aber nichts mehr am Auto ändern. Deshalb haben viele die Motoren geschont und Kilometer gespart. Das war also relativ nutzlos."

Impressionen - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Red Bull
Am Samstag gab es keine Pokale sondern nur einen Lorbeerkranz.

Hamilton schlägt Zweitages-Show vor

Max Verstappen fühlte sich nicht wirklich als der Mann, der den Titel der Pole Position verdient. "Es ist schön, dass ich von vorne starte, aber es fühlt sich aber irgendwie komisch an, wenn du nach der Zieldurchfahrt eines Rennens hörst, dass du gerade die Pole Position geholt hast. Die sollte eigentlich die Belohnung für denjenigen sein, der die schnellste Runde am Wochenende dreht."

Auch Lewis Hamilton hat einen Verbesserungsvorschlag. "Ich mag die Idee mit Action an allen Tagen. Aber wir können das alles in zwei Tage packen. Dann hängen wir nicht so lange tatenlos an der Strecke herum. Training und Qualifikation am Samstag, Sprint und Rennen am Sonntag. Das wäre die perfekte Show für die Zuschauer."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff glaubt, dass der Sprint bei ausgesuchten Rennen eine Berechtigung hat. "Es liefert am Freitag und Samstag zur Prime Time eine extra Show. Wenn wir das bei vier Rennen im Jahr als eine Art Grand Slam so machen, dann bin ich dafür. Vielleicht sollten wir uns für den Samstagmorgen noch eine Lösung einfallen lassen, damit die Zuschauer besser verstehen, was wir da tun."