Max Verstappen - Red Bull - GP Russland 2019 - Sotschi Motorsport Images
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen
Vettel - Leclerc - Ferrari - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen 54 Bilder

Neues Benzin für Red Bull in Suzuka

Nur Verstappen beherrscht den RB15

Red Bull steckte in Singapur und Russland Niederlagen ein. Die Rennen offenbarten: Der RB15 ist ein schwierig zu fahrendes Auto. Max Verstappen gleicht die Schwächen mit seinem Fahrtalent aus. Alexander Albon hat den Red Bull noch nicht entschlüsselt.

Es gab eine Phase in dieser Saison, da war Red Bull der größte Herausforderer von Mercedes. Zwischen den Grand Prix in Österreich und Budapest gewann Max Verstappen zwei Rennen und sicherte sich einmal den besten Startplatz. Der Holländer wurde in Ungarn erst kurz vor der Zielflagge von Lewis Hamilton eingeholt und hätte auch in Silverstone auf dem Podest landen könne. Wäre ihm nicht Sebastian Vettel ins Heck gedonnert. Kein Fahrer sammelte in diesem Zeitraum mehr Punkte als Verstappen.

Vier Gründe für nächsten Motortausch

Nach dem Ende der Sommerpause aber schwang sich Ferrari zum großen Gegner der Silberpfeile auf. Wobei Red Bull seither nicht ein einziges reibungsloses Rennwochenende erlebte. In Belgien raubte sich Verstappen mit einem Startunfall selbst aller Podestchancen. Teamkollege Alexander Albon kassierte eine Startplatzstrafe. In Monza war Verstappen an der Reihe. Ohne die Startplatzstrafe wäre der 22-Jährige eine Gefahr für Ferrari und Mercedes gewesen. Seine Geschwindigkeit im Rennen ließ aufhorchen.

In Singapur verzockte Red Bull bei der Abstimmung. Im Simulator war der Stadtkurs ebener als in der Realität. In Russland gab es für Verstappen und Albon wieder frische Motoren. Und wieder Startplatzstrafen. Der erneute Motorentausch hatte vier Gründe:

  • Motorenpartner Honda spendierte der Spezifikation 4 ein kleines Update.
  • Sotschi ist überholfreundlich. Noch gut in Erinnerung war Verstappens Husarenritt 2018 vom 19. auf den fünften Platz.
  • Red Bull dürfte jetzt genügend Triebwerke im Pool haben, um ohne weitere Strafe durch die Saison zu kommen.
  • Und das ist der wichtigste Grund: Beim Honda-Heimspiel in Suzuka kann Red Bull aus dem Vollen schöpfen, und muss sich keine Sorgen um den Motor machen.
Alexander Albon - Red Bull - GP Russland 2019 - Sochi Autodrom - Rennen
Wilhelm
Alexander Albon überholte in Sotschi acht Autos.

Albon mit höherem Top-Speed

Die Plätze vier und fünf waren in Sotschi Schadensbegrenzung. „Wir waren weder auf dem Soft- noch auf dem Medium-Reifen schnell genug, um es mit Ferrari und Mercedes aufzunehmen“, resümierte Verstappen. Dieses Mal pflügte Mad Max nicht so schnell durchs Feld wie 2018. Damals hatte er seinen Red Bull bereits nach acht Runden an allen Mittelfeldautos vorbeigelenkt.

In diesem Jahr lief die Aufholjagd schleppender. Am Start kassierte Verstappen den Renault von Nico Hülkenberg. In Runde acht Sergio Perez. In Runde 12 Lando Norris. In Runde 17 Carlos Sainz. „Wir hatten nicht den Top-Speed. Max musste es auf der Bremse lösen“, erklärte Teamchef Christian Horner.

Der Teamkollege hatte ihn. Albon saß mit 340,4 km/h im schnellsten Auto auf der Zielgerade. Verstappen erzielte nur 327,7 km/h. Was darauf hindeutet, dass Red Bull im Auto mit der Startnummer 23 vor dem Rennen nicht nur neue Antriebsbausteine verbaut hatte, sondern auch die Abstimmung änderte. Albon überholte acht Autos: Zwei Mal Sergio Perez, Daniil Kvyat, Pierre Gasly, Lance Stroll, Lando Norris, Kevin Magnussen und Carlos Sainz. Die restlichen Positionsgewinne schenkten ihm frühere Stopps der Gegner und die Neutralisation kurz nach Rennmitte.

Als Verstappen endlich frei fahren konnte, war Spitzenreiter Sebastian Vettel schon auf 35,1 Sekunden enteilt. Verstappen startete wie die Ferrari auf den weichen Reifen. Weil man mit dem Extra-Grip leichter überholt als auf dem Medium-Reifen, der außerdem länger braucht, bis er sich erhitzt. Verstappen kämpfte also auf denselben Reifen wie die Ferrari-Piloten. Kleine Einschränkung: Seine Reifen litten im Verkehr. Trotzdem verlor der WM-Vierte überproportional viel Zeit auf die Spitze. Allein zwischen Runde 18 und 25 fünf Sekunden. Hier die Übersicht:

  • Runde 18: +36,253 Sekunden
  • Runde 19: +37,191 Sek.
  • Runde 20: +38,135 Sek.
  • Runde 21: +38,861 Sek.
  • Runde 22: +39,129 Sek.
  • Runde 23: +39,891 Sek.
  • Runde 24: +40,470 Sek.
  • Runde 25: +41,154 Sek.

Wind schadet Red Bull mehr

Das virtuelle Safety-Car und das anschließende richtige Safety-Car stellten den Kontakt mit der Spitze her. Hamilton, Bottas und Leclerc fuhren auf gebrauchten Softreifen, Verstappen auf frischen Mediums bis ins Ziel. Wieder verlor Red Bull überproportional viel Zeit. Was die Aussagen des Piloten stützt, dass Red Bull an diesem Tag kein Gegner für Mercedes und Ferrari war. Ab Runde 33 bis ins Ziel (Runde 53) wuchs Verstappens Rückstand von 3,697 auf 14,210 Sekunden. Also im Schnitt um eine halbe Sekunde pro Umlauf.

Die Zeit auf Ferrari verliert Red Bull vor allem auf den Geraden. „Ferrari ist dort der Maßstab. Wir verlieren acht Zehntel“, rechnet Teamchef Christian Horner vor. „Der Power-Vorteil spielt Ferrari noch andere Trümpfe zu. Sie können ihr Auto mehr für die Kurven abstimmen, zum Beispiel mehr Flügel fahren.“

In den Kurven ist Mercedes besser. Ein guter Vergleich bot in Sotschi der letzte Sektor mit seinen sechs Kurven – fünf davon mit einem Winkel von 90 Grad. Am Freitagstraining hatte Red Bull dort die Oberhand. Aber nur, weil Mercedes zu wenig Temperatur in die Vorderreifen bekam. Ab Samstag lagen die silbernen Autos vorn. Der Wind stutzte Red Bull die Flügel. „Der schmerzt uns mehr. Das Auto wurde ins Übersteuern getrieben“, klagte Verstappen.

Alexander Albon - GP Russland 2019
xpb
In der Sotschi-Qualifikation kreiselte Albon von der Strecke.

Verstappen „überfährt“ Probleme

Der aufkommende Wind legte Red Bulls Schwachstelle offen. Der RB15 ist ein sauschnelles Rennauto, wenn alle Parameter stimmen. Verrutscht ein Puzzlestück, klebt das Auto nicht mehr auf dem Boden, sondern wird nervös. Die Unruhe im Auto treibt die Fahrer aus ihrer Komfortzone. Da gibt es nur einen, der die Probleme überfahren kann. Der heißt Max Verstappen.

Pierre Gasly brachte der RB15 in der ersten Saisonhälfte zur Verzweiflung. Der Franzose hatte im Prinzip nur ein brauchbares Wochenende. In Silverstone hielt Gasly halbwegs mit dem pfeilschnellen Holländer mit. Gasly schaffte es nicht, sich auf den Red Bull einzustellen, seinen Fahrstil dahingehend zu verändern, auch mit einem nervösen Fahrverhalten leben zu können. Red Bull zog in der Sommerpause die Notbremse, stellte Gasly ins zweite Glied zurück, und zog Albon von Toro Rosso nach oben.

Der Thailänder tastet sich langsam an die Aufgabe heran. Ein direkter Vergleich mit Verstappen ist schwer zu ziehen. Obwohl beide im selben Auto sitzen. In Belgien stieg Albon nach Q2 aus. In Italien kletterte Verstappen nach der Motorenstrafe erst gar nicht in den Red Bull. Singapur ist eine Strecke, die Albon vorher nicht kannte. Da schlug sich der Neuzugang wacker. In der Qualifikation fehlten sechs Zehntel auf den Teamkapitän.

„Kein Druck, sondern eine Chance“

In den Trainings gewinnt man den Eindruck, dass Verstappen zwischen einer halben Sekunde und einer Sekunde schneller ist als Albon. Der Thailänder will sich nicht nervös machen lassen. „Red Bull ist für mich kein Druck. Ich begreife es als Chance.“ Sein Ausrutscher in der Sotschi-Qualifikation zeigte, wie spitz der Red Bull manchmal zu fahren ist. Eine Windböe destabilisierte das Heck. Albon landete in der Tecpro-Schutzmauer. Der Rookie will nicht sagen, dass der Red Bull ein schwierig zu fahrendes Rennauto sei. Nur anders eben als der Toro Rosso. „Es braucht eine gewisse Zeit, bis man dieses Auto entschlüsselt. Diese Zeit nehme ich mir, um meinen Fahrstil anzupassen.“

Albon braucht dafür jeden Kilometer. Ausrutscher wie im zweiten Training in Singapur oder in der Qualifikation von Russland schaden ihm doppelt. Im zweiten Training in Sotschi zerstörte sich Albon auf einem Randstein den Unterboden. Selbst Verstappen geht nicht über Wasser. Im dritten Training drehte auch er sich und touchierte leicht die Streckenbegrenzung mit dem Heck.

Benzin - Toro Rosso - Honda - GP Russland 2019
ams
In Sotschi gab es für Red Bull und Toro Rosso noch kein neues Benzin. In Japan soll es kommen.

Neuer Sprit für das Honda-Heimspiel

Die Rennwochenenden in Singapur und Russland zeigen, dass der Red Bull ein zu kleines Abstimmungsfenster hat. Das Aerodynamik-Konzept geht nur auf, wenn der Frontflügel ganz nah am Asphalt kauert. In Singapur musste Red Bull für die Bodenwellen und Randsteine die Bodenfreiheit vorn erhöhen. Schon fehlte der Anpressdruck. Änderungen der Verhältnisse werfen Red Bull schneller aus der Wohlfühlzone als zum Beispiel Mercedes Stichwort Wind.

Die Upgrades seit der Sommerpause scheinen den RB15 nicht unbedingt breitbeiniger aufgestellt zu haben. Ferrari hat da besser entwickelt. Selbst die Ingenieure geben zu: „Wir müssen analysieren, ob wir einen Schritt ins Hintertreffen gekommen sind.“ Auch in den letzten fünf Saisonrennen will Red Bull noch neue Teile bringen. „Hier mal was Kleines, da mal was Kleines“, sagt Horner. „Was wir 2019 beim Verständnis des Autos lernen, können wir auf 2020 übertragen.“

Der GP Japan wird auch für Red Bull zur Prüfung. In Suzuka muss Verstappen die Konkurrenz wenigstens wieder herausfordern können. Insgeheim träumen Red Bull und Honda sogar vom Sieg. „Ich erwarte Mercedes im ersten Sektor mit den S-Kurven stark. Ferrari sollte im letzten Teil mit den Geraden fliegen“, sagt Verstappen.

Die größte Entwicklung kommt auf der Motorenseite. Der Honda-Motor wird mit einem neuen Benzin laufen. Erst dann ist Hondas Spec-4 komplett. Der Motor soll durch den neuen Sprit ein paar PS aufsatteln. Um auf Ferrari-Niveau zu kommen, geht es dem Team wie Mercedes: Man muss das Geheimnis des roten Antriebsstrangs entschlüsseln. Honda gibt dafür 200 Prozent. Es heißt, kein Motorenhersteller investiere mehr Geld als die Japaner.

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