Max Verstappen - GP Ungarn 2021 Red Bull
Start - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP England 2021 - Silverstone
Charles Leclerc - Ferrari - GP England 2021 - Silverstone
Valtteri Bottas - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021 21 Bilder

Angriff auf Mercedes: Red Bull schießt Eigentor

Frontalangriff gegen Mercedes Das dritte Red-Bull-Eigentor

Mit dem Einspruch gegen die Strafe für Lewis Hamilton hat sich Red Bull schon keine Freunde gemacht. Doch der WM-Spitzenreiter hat sich noch ein weiteres Eigentor geschossen. Einen Frontalangriff gegen Mercedes, Toto Wolff und Lewis Hamilton.

Dieser Einspruch kann für Red Bull noch ein Nachspiel haben. Weil es um mehr geht als die Strafe für Lewis Hamilton in Silverstone, die Red Bull als zu niedrig empfand und deshalb von seinem Einspruchsrecht Gebrauch machte.

In seinem Brief an die Sportkommissare begründet Red Bull nicht nur die Wiederaufnahme der Untersuchung gegen Lewis Hamilton in der Kollision mit Max Verstappen. Ganz am Ende des Dokuments soll es mehr oder weniger eindeutige Unterstellungen geben, die Lewis Hamilton der Absicht bezichtigen und den Einfluss von Mercedes auf die FIA und die Sportkommissare kritisieren.

Red Bull-Teamchef Christian Horner wiederholte die Anschuldigungen offenbar auch noch einmal in der Anhörung vor den fünf Sportkommissaren von Silverstone. Die gaben am Ende der Urteilsbegründung ihrer Sorge über Red Bulls Rundumschlag Ausdruck. Wäre dem Antrag stattgegeben worden, hätten die Schiedsrichter diese Vorwürfe in ihre Entscheidung mit einfließen lassen. Sicher nicht zum Vorteil von Red Bull. Da das Verfahren abgewiesen wurde, enthielten sich die Sportkommissare jeden Kommentars.

Toto Wolff - GP Ungarn 2021
xpb
Mercedes hatte sich offiziell beklagt, dass der Red-Bull-Angriff unter die Gürtellinie ging.

Kein Angriff auf Hamilton

Mercedes beschwerte sich nach der Zurückweisung der Red Bull-Einlassung in einem öffentlichen Statement, dass man den Namen und die Redlichkeit von Hamilton auf eine inakzeptable Weise beschädigt habe. Man hoffe nun, dass die konzertierte Aktion des Red Bull-Managements gegen ihren Fahrer damit beendet sei. Teamchef Toto Wolff wollte einen Tag nach der Anhörung im Detail nicht weiter nachkarten: "Das würde nur weiteres Öl ins Feuer gießen."

Horner bestreitet öffentlich, dass man Hamilton irgendeine Absicht unterstellt habe. "Das war kein persönlicher Angriff auf Lewis. Wir alle wissen und schätzen, was er als Rennfahrer erreicht hat. Aber auch ein siebenfacher Weltmeister kann sich irren. Wir hätten bei jedem anderen Fahrer genauso gehandelt."

Den angeblichen Einfluss von Mercedes auf Vertreter des Weltverbandes reduzierte Horner ausschließlich auf den Versuch des Gegners, Rennleiter Michael Masi und die Sportkommissare noch vor dem Urteil zu beeinflussen. "Die FIA hat uns versichert, dass dies nicht der Fall gewesen ist. Das akzeptieren wir, genauso wie die Entscheidung der Sportkommissare, unsere Beweismittel zurückzuweisen. Wir ziehen die Objektivität des Verbandes nicht in Zweifel", ruderte Horner zurück.

Christian Horner - GP Ungarn 2021
Red Bull
In der FIA-Anhörung erhob Christian Horner schwere Vorwürfe. In der Öffentlichkeit ruderte der Teamchef zurück.

Kollege Wolff erwiderte: "Wir verstehen, dass die Emotionen hochkochen können, aber hier wurde eine Linie überschritten. Egal wie hitzig die Diskussionen sind, der gegenseitige Respekt muss gewahrt werden."

Red Bull war sichtlich bemüht, den Fall abzuschließen. Der Schaden war schon groß genug. Nicht nur, dass die Revision gescheitert ist, sondern auch, dass sie Zeit, Geld und Nerven gekostet hat. Noch schlimmer aber ist die versteckte Kritik der Sportkommissare an Red Bulls Vorgehensweise. Ein Disput mit dem Weltverband hinterlässt immer Spuren. McLaren hat einmal schwer dafür bezahlt, dass man der Sporthoheit ständig Parteinahme unterstellt hat.

Albon-Versuch eine schwache Basis

Der Kernpunkt der neuen Beweise war offenbar innerhalb von vier Minuten vom Tisch. Auch die Sportkommissare sahen ein, dass es unmöglich ist, mit einem anderen Fahrer (Alexander Albon), einem anderen Fahrzeug (Red Bull RB15) und anderen Reifen (Demo-Reifen) die Linie von Lewis Hamilton nachzufahren und daraus ein Rechenmodell zu erstellen, dass einen Mercedes simuliert. "Wir würden uns nicht zutrauen, ein virtuelles Modell eines Konkurrenzfahrzeugs zu erstellen. Noch dazu auf so einer schwachen Basis von Daten", hieß es bei Mercedes.

Sergio Perez - GP Ungarn 2021
Red Bull
Beide Parteien wollen den Silverstone-Crash hinter sich lassen. Die Frage lautet, wann es auf der Strecke wieder kracht?

Horner pochte trotzdem auf sein Recht auf Revision einer Entscheidung. "Wir waren in einen Unfall mit 51 g Verzögerung verwickelt, in dem unser Fahrer ins Krankenhaus musste und unser Auto ein Totalschaden war. Es ist unsere Pflicht jeden Stein umzudrehen und unsere Meinung zu vertreten. Wenn die Sportkommissare unsere Beweise zugelassen hätten, wäre dabei vielleicht herausgekommen, dass Lewis des gefährlichen Fahrens überführt worden wäre."

Wer war in Copse zu schnell?

Seinen größten Trumpf musste Mercedes gar nicht auspacken. Nämlich den, dass Max Verstappen die Kurve mit der Einlenkgeschwindigkeit von 297 km/h nie geschafft hätte. Der Holländer war dabei um 1,5 km/h schneller als in seiner Q3-Runde im Freitagsqualifying, hatte 100 Kilogramm mehr Benzin an Bord und um eine Stufe härtere Reifen. Dazu befand er sich bei der Anfahrt auf Copse Corner ein gutes Stück weiter innen, weil er vorher ja Hamilton Richtung alte Boxenmauer abgedrängt hatte.

Verstappen schaffte es vor dem Einlenkpunkt nicht mehr nach ganz links auf die Straße, also seine Q3-Linie zurück. Ohne die Kollision wäre der Red Bull-Pilot wie später Charles Leclerc bis in die Auslaufzone abgetrieben worden. Bestenfalls.

Max Verstappen - GP Ungarn 2021
Red Bull
Im Verstappen-Lager ist der Ärger über Mercedes nach wie vor groß.

Horner zweifelt diese Zahlen der Konkurrenz an, besteht dagegen darauf, dass Hamilton auf seiner Linie viel zu schnell unterwegs war. "Um die Kurve noch zu kriegen, hätte er nach unseren Berechnungen 23 Meter früher bremsen müssen. Leclerc ist später die gleiche Linie gefahren wie Max. Lewis war zu dem Zeitpunkt aber langsamer und weiter innen."

Außerdem hatte Mercedes offenbar Videomaterial, auf dem zu sehen ist, dass Verstappen in dem Moment, in dem er Hamilton zum ersten Mal rechts sieht, die Lenkung nicht aufgemacht, sondern noch eine Spur weiter eingelenkt. Auch das wird von Horner bestritten. "Es war genau andersherum. Max hat die Lenkung leicht aufgemacht."

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