Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2020 - Qualifikation xpb
Bottas - Verstappen - Hamilton - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020
Fernando Alonso - Renault R25 - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020
Fernando Alonso - Renault R25 - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020 38 Bilder

Red Bull besiegt Mercedes: Verstappen jubelt über Pole

Red Bull besiegt Mercedes Verstappen jubelt über Pole

Red Bull brauchte 17 Versuche, um Mercedes vom Thron zu stoßen. In Abu Dhabi war Max Verstappen erstmals in dieser Saison in einer Qualifikation schneller als die Silberpfeile. Im Rennen hofft Red Bull auf den zweiten Saisonsieg.

Diese Pole Position umgibt ein Hauch Ironie. Red Bull brauchte bis zum Saisonfinale, indem es eigentlich um Nichts mehr geht für die großen Zwei der Formel 1, um den Klassenprimus zu stürzen. Just an dem Wochenende, an dem sich Max Verstappen seinen angestammten Stuhl in der Pressekonferenz am Donnerstag mitgenommen hatte, raubte der Niederländer den Mercedes in einem Kraftakt die Pole Position.

Diesmal nahm der vielleicht schnellste Fahrer der Formel 1 nicht auf dem Sessel für den Drittplatzierten, sondern für den schnellsten Fahrer der Qualifikation Platz. "Das ganze Jahr über waren wir hinter ihnen. Wir sind Mercedes zwar immer näher gekommen. Aber immer Dritter zu werden, frustriert dich manchmal schon. Jetzt haben wir es endlich geschafft", diktierte der Pole-Setter in die Mikrofone.

Tausendstel-Sieg für Verstappen

Eine Woche zuvor war Verstappen noch knapp an der ersten Saison-Pole vorbeigeschrammt. Auf der Mickey Mouse-Strecke von Sakhir hatte er 56 Tausendstel auf Valtteri Bottas verloren und 30 Tausendstel auf George Russell im zweiten Mercedes. Diesmal trennten die Top 3 der Startaufstellung für das Saisonfinale in Abu Dhabi 86 Tausendstel.

Diesmal drehte Verstappen die Reihenfolge um. Er entschied den Tausendstelkampf für sich, obwohl bei Mercedes wieder Chefpilot Lewis Hamilton im Auto sitzt. Verstappen war 25 Tausendstel schneller als Bottas und 86 Tausendstel schneller als Hamilton. Die knappen Abstände ließen die Pole Position noch besser schmecken. Man entnahm es den Funksprüchen zwischen Verstappen und Teamchef Christian Horner auf der Auslaufrunde. "Du bist der erste Mercedes auf Pole Position in diesem Jahr", sagte Horner da erleichtert.

Das war ein kleiner Seitenhieb an den großen Rivalen und Racing Point. Red Bull rechnet die Pole von Racing Point-Pilot Lance Stroll in der Türkei Mercedes zu. Weil im pinken Rennwagen ein Mercedes-V6-Turbo arbeitet. Und weil der Racing Point aufgrund seines Aussehens und der Technik-Verwandtschaft als ein verkappter 2019er Mercedes angesehen werden kann.

Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2020 - Qualifikation
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Max Verstappen holte sich in Abu Dhabi die dritte Pole Position der Karriere.

Pole auf Mercedes-Strecke

Eigentlich ist Abu Dhabi eine Mercedes-Strecke. Seit 2014 waren die Seriensieger der Formel 1 hier ungeschlagen in der Qualifikation und im Rennen. Teil eins der Aufgabe hat Verstappen erfüllt. Teil zwei soll im Rennen folgen. Der Grand Prix über 55 Runden wird für alle eine Reise ins Ungewisse, weil keiner im zweiten Training wirklich lange Dauerläufe auf verschiedenen Reifenmischungen zurücklegte. "Wir konnten wegen der roten Flagge nicht viel fahren. Sicher werden die Mercedes wie gewohnt stark sein. Ich hoffe aber, sie hinter mir halten zu können. Wir haben auf den Geraden einen vernünftigen Topspeed. Das sollte helfen", berichtet Verstappen.

Richtig schnell war der Red Bull in der Qualifikation bei der Topspeed-Messung vor Kurve acht allerdings nicht. Da raste Verstappen mit 319,5 km/h durch die Lichtschranke. Nur zwei Autos waren an dieser Stelle langsamer. Sportchef Helmut Marko sieht den Start als Schlüssel. "Wenn wir dort vorne bleiben, können wir das Rennen gewinnen. Mercedes ist zwar stark, aber es wird langsam mal wieder Zeit für einen Sieg." Es wäre erst der zweite nach Silverstone.

In Abu Dhabi ist Überholen naturgemäß schwierig. Erinnern Sie sich nur an die verzweifelten Versuche von Fernando Alonso 2010, am Renault von Vitaly Petrov vorbeizukommen. Das Scheitern kostete den Spanier den WM-Titel. Und selbst mit DRS ist es bei etwa gleichwertigen Autos kompliziert. Weil man in den Kurven davor kaum am Vordermann dranbleiben kann.

Red Bull ausgeglichen über Runde

Kommen wir zurück auf die Qualifikation. Dass Verstappen nicht problemlos durch Q1 und Q2 kam, hielt ihn nicht davon ab, später den ersten Startplatz herauszufahren. In Q1 lenkte Nicholas Latifi in der Box seinen Williams vor die gelöcherte Nase des Red Bull. Verstappen bremste und ramponierte sich den weichen Reifensatz.

Im zweiten Durchgang brauchte der 23-Jährige zwei Garnituren der Medium-Mischung – eine mehr als die Mercedes. Doch weil das Saisonfinale wahrscheinlich ein Einstopprennen wird, sollte das belanglos sein. Die Top 3 der Startaufstellung werden nach dem ersten Stint auf den gelbmarkierten Pirellis den Grand Prix auf den harten Reifen zu Ende fahren.

Red Bulls Sportchef führte die erste Pole Position der Saison auf die Ausgeglichenheit des RB16 in allen Streckenabschnitten zurück. "Das Auto ist in allen Abschnitten bei der Musik. Am Ende hat Max eine gute Runde zusammenbekommen. Da waren die Reifen in einem guten Fenster."

Mercedes-Schwäche auf Softreifen

Verstappen packte seine drei schnellsten Sektorzeiten in die letzte Runde. Das Ergebnis war eine Zeit von 1:35.246 Minuten. Im ersten Abschnitt war er in der Qualifikation in Summe der zweitschnellste Fahrer hinter Hamilton. Im zweiten Sektor nur marginal langsamer als die beiden Mercedes. Und im kurvenreichen Schlussabschnitt gelang ihm in der Quali die zweitschnellste Durchgangszeit.

Das war noch der große Schwachpunkt im Vorjahr. Da bezog Red Bull in den letzten elf Kurven Prügel von Mercedes. Weil die Silberpfeile die Hinterreifen über die 5,554 Kilometer besser konservierten, sie nicht überhitzten und der Mercedes zudem in den schnellen Richtungswechseln wie der Schikane von Kurve elf bis 13 massiv Zeit auf den Red Bull gewann.

Dieses Mal brachte Red Bull das Setup besser zusammen. Konkurrenzfähig auf den langen Geraden im Mittelteil und auch schnell in den entscheidenden Schlusspassagen. "Hier ist es so leicht, einen Fehler zu machen. Es gibt so viele Kurven, dass das Auto eigentlich wie in Singapur ständig in Bewegung ist", erklärt Verstappen. Teamkollege Alexander Albon bestätigt: "Du fährt ständig am Grip-Limit der Hinterreifen."

Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2020 - Qualifikation
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Alexander Albon hielt den Abstand auf eine Runde gegenüber dem Teamkollegen in Grenzen.

Beste Qualifikation von Albon

Die starke Vorstellung hat einen Haken. Verstappen wiederholte fast seine Rundenzeit des Vorjahres. Damals hatte er den Kurs in 1:35.139 Minuten umrundet – also sogar eine Zehntelsekunde schneller. Im Vergleich dazu verlor Mercedes überproportional. Die Weltmeister waren eine halbe Sekunde langsamer. Die Pole ist deshalb eher der Schwäche von Mercedes als der Stärke von Red Bull gutzuschreiben. "Normalerweise ist Mercedes eine Sekunde schneller als McLaren", stimmte Alexander Albon zu. Am Samstag waren es nur zwei Zehntel.

Die Weltmeister fanden auf den weichen Reifen verglichen mit dem Medium nicht den richtigen Grip. Es gelang im Fall von Bottas nur ein kleiner Zeitgewinn von nicht einmal zwei Zehntelsekunden. Verstappen hingegen verbesserte sich von Medium auf Soft um 0,4 Sekunden. Sportchef Marko will nicht alles auf die Reifen schieben. "Die Pole ist ein gutes Zeichen, dass unsere harte Arbeit fruchtet. Das ist vor allem im Hinblick auf 2021 wichtig."

Noch ein Wort zu Albon, der zwar dem McLaren von Lando Norris den Vortritt lassen musste, trotzdem seine beste Qualifikation der Saison ablegte. Weil der Abstand auf Verstappen nur drei Zehntelsekunden betrug. "Nie habe ich mich so wohl gefühlt im Auto. In Q3 hat es klick gemacht. Das Auto hat sich gut angefühlt. Und die Bestätigung gab es auf dem Zeitenmonitor."

Ob er im Rennen Verstappen eine Hilfe sein wird? Vermutlich nicht, weil Albon im Gegensatz zur Spitzengruppe auf dem weichen Reifen ins Rennen startet. Seinen Versuch auf den Mediumreifen verhagelte er mit einem Ausrutscher in der 20. der 21 Kurven. Das Team steckte für den zweiten Versuch zur Sicherheit auf die Softreifen um. "Die sind am Start sicher ein Nachteil für den ersten Stint. Sie bauen stark ab auf dieser Strecke." Der Teamkollege und die Mercedes dürften enteilen. Der Thailänder wird sich eher mit den McLaren rumschlagen. "Sie sind die besten Starter im Feld."

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