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Red Bull 2004
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Red Bull Zukunft: Eigener Motor Selbstmord?

Red Bull will Entwicklungsstopp Chancenlos mit eigenem Motor ?

Red Bull will den Honda-Motor ab 2022 in Eigenregie weiterbetreuen. Das könnte sich als großer Fehler erweisen, auch wenn sich die Formel 1 auf einen Entwicklungsstopp einließe. Allein schon die Produktion und Betreuung dieser hochkomplexen Antriebe ist eine Herkules-Aufgabe.

Red Bull liebt die Unabhängigkeit. Seit 2019 kann sie der österreichische Rennstall endlich genießen. Bei Honda ist Red Bull Werksteam. Die Japaner bauen den Motor genauso wie ihn Red Bull haben will. Und er kostet nichts. Doch damit ist Ende 2021 schon wieder Schluss. Nach dem Ausstieg von Honda muss sich Red Bull einen neuen Motorenpartner suchen.

Doch eine Rückkehr zu Renault oder Ferrari erscheint dem WM-Zweiten wenig attraktiv. Da ist man nur zahlender Kunde ohne Mitspracherecht. Das Antriebspaket kommt so wie es der Werksrennstall für sein Auto maßschneidert. Das heißt, dass sich Adrian Newey mit dem Chassis der Architektur des eingekauften Motors und dessen Kühlung anpassen muss. Für einen Perfektionisten wie Newey ein unerträglicher Vorgang.

Red Bull saß von 2005 bis 2018 in dieser Falle. Jetzt, wo man plötzlich alle Freiheiten hat, will man sich das nicht wieder wegnehmen lassen. Deshalb reifte bei der Analyse aller Optionen für den Honda-Ersatz der Gedanke, dass man den Honda V6-Turbo auf dem Stand von 2021 am besten selbst einsetzt. Das geht natürlich nur mit einem Entwicklungsstopp.

Selbst wenn die Regeln nur ein Upgrade pro Jahr erlauben, wäre Red Bull überfordert. Auch mit Partnern wie der AVL oder Ilmor. Die Technik ist einfach zu komplex, als dass man sich alles Wissen in einem Winter aneignen kann. Honda ist im sechsten Jahr noch nicht sattelfest. Und hat es bis heute nicht geschafft, auf den Stand von Mercedes zu kommen. Und in Japan arbeiten 500 Leute an diesem Projekt.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Portugal - Portimao - 24. Oktober 2020
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Red Bull will den Honda-Motor ab 2022 in Eigenregie einsetzen. Das könnte diverse Probleme verursachen.

Kosten höher als bei Kundenlösung

Für einen Entwicklungsstopp müssten alle Hersteller und die FIA zustimmen. Bei den Herstellern weigert sich Ferrari. Und die FIA wird nicht zulassen, dass die für 2023 geplante Einführung der synthetischen Kraftstoffe verschoben wird. "Es ist für uns extrem wichtig, den emissionsfreien Sprit einzuführen. Lieber früher als später", erteilt FIA-Präsident Jean Todt denen eine Absage, die dieses Projekt verschieben wollen. Daran hängt die Zukunft der Formel 1. Sie ist die Voraussetzung dafür, in Zukunft von der aktuellen Hybridtechnologie abzurücken und wieder einfachere Motoren zu bauen. Der Sprit gibt der Formel 1 und den Herstellern dann den grünen Anstrich.

Red Bull begibt sich mit seiner Eigenlösung auf ein gefährliches Glatteis. Viele sprechen von Selbstmord, selbst wenn die Motoren bis Ende 2021 angeglichen und dann eingefroren werden. Schon der Betrieb dieser Technikmonster ist eine Herkulesaufgabe. Produktion, Qualitätskontrolle und Fehlerbehebung werden ein Vielfaches der 15 Millionen Euro kosten, die man bei Renault oder Ferrari abliefern müsste.

Gerade die Qualitätskontrolle ist ein Hexenwerk. Honda und Renault haben sie bis heute nicht zu hundert Prozent im Griff, was die zahlreichen Schäden in diesem Jahr zeigen. Eine neu aufgebaute Abteilung wird Jahre brauchen, bis sie die gleiche Präzision darstellen kann, und die liegt dann immer noch unter Mercedes-Standard. Es reicht nicht, dass Red Bull auf die Infrastruktur im Honda-Werk in Milton Keynes zurückgreifen kann.

Und was macht man, wenn kurzfristig technische Probleme auftauchen? Die sind ja mit der letzten Ausbaustufe des Honda V6-Turbo für 2021 nicht alle automatisch verschwunden. In Monza und Mugello entdeckte Honda Probleme mit einer Zündkerze und einem elektrischen Bauteil in der MGU-K. Um das bis zum nächsten Rennen zu beheben, braucht man eine Heerschar von Technikern, die tief in dem Thema drin ist.

Yamamoto - Honda - Horner - Marko - Red Bull - Formel 1
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Hondas Ausstieg Ende 2021 bringt Red Bull in die Bredouille.

Wer ändert die Motorarchitektur?

Die Chassis-Ingenieure würden sich gerne den Antriebsstrang, seine Kühler und Steuergeräte maßschneidern, um sie möglichst platzsparend im Auto unterzubringen. Die Anordnung des 2021er Honda-Pakets ist vielleicht für das letzte Jahr der aktuellen Fahrzeuggeneration perfekt, aber wer baut Red Bull die gewünschte Architektur für das 2022er Auto? Und was, wenn Newey einfällt, dass er für 2023 die Ölpumpe von links unten nach rechts oben haben will? Auch hier sind Spezialisten gefragt. Das ist kein V8, wo auch ein Ilmor schnell mal Hand anlegen kann.

Die Probleme eines Alleingangs könnten Red Bull schnell über den Kopf wachsen. Das sieht offenbar auch Mercedes so. Ausgerechnet der Erzfeind sprang Red Bull bei seiner Forderung, die Motorenentwicklung einzufrieren, sofort zur Seite. Das allein sollte die Teamleitung in Salzburg und Milton Keynes misstrauisch machen. Mercedes rechnet offenbar damit, sich so einen Gegner vom Hals zu schaffen.

Ein Rennstall wie Red Bull ist auch in der Lage, als Kunde Rennen zu gewinnen und Weltmeister zu werden. Sie haben es zwischen 2010 und 2013 mit vier WM-Titel in Folge selbst unter Beweis gestellt. Seit 2009 war Red Bull immer besser als der jeweilige Werksrennstall. McLaren zeigt in dieser Saison, dass der Kunde weiterhin alle Chancen hat, gegen das Werk zu bestehen.

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