Mercedes - Hinterradaufhängung - F1-Test - Bahrain - 2021 xpb
Mercedes - Hinterradaufhängung - F1-Test - Bahrain - 2021
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Aston Martin - Hinterradaufhängung - F1-Test - Bahrain - 2021
Aston Martin - Hinterradaufhängung - F1-Test - Bahrain - 2021 12 Bilder

F1-Technik: Red Bull und Ferrari kopieren Mercedes

Red Bull und Ferrari kopieren Mercedes Was bringt der Hinterachs-Trick?

Mercedes hat letztes Jahr damit angefangen. Der hintere untere Querlenker der Hinterachse lenkt am Übergang zwischen Getriebegehäuse und Crashstruktur an. Red Bull und Ferrari zogen jetzt nach. Doch was bringt der Trick?

Dieses Problem trieb die Mercedes-Ingenieure seit der Regelreform 2017 um. Das Auto konnte alles bis auf langsame Kurven. Es dauerte drei Jahre, bis das Problem gelöst war. 2020 wagten die Mercedes-Ingenieure einen Schritt, bei dem Fahrwerkskinematiker Bauchweh bekommen. "Die empfehlen normalerweise, dass man die Architektur einer Aufhängung nur in kleinen Schritten ändern sollte", verrät Technikchef James Allison.

Der hintere untere Querlenker wurde nach hinten gespreizt und etwas höher gelegt. Damit lenkte er nicht mehr am Getriebegehäuse, sondern am Übergang zwischen Getriebe und hinterer Crashstruktur an. Der Anlenkpunkt der Spurstange wurde dafür von einem Ende der Felge ans andere verlegt.

Allison erklärt: "Wir haben damit die Mitlenkeigenschaft der Hinterachse unter Belastung geändert. Das alte Auto hatte einen Mitlenkeffekt, der das Heck unter Last leicht destabilisiert hat. Die neue Position der Spurstange hat diesen Effekt verringert."

Aston Martin - Hinterradaufhängung - F1-Test - Bahrain - 2021
Motorsport Images
Bei Aston Martin erkennt man besonders gut, wie weit der Querlenker nach hinten gezogen wurde.

Nachahmer nutzen Token im Heck

Das Problem ist, dass man einen solchen Eingriff nicht einfach so rückgängig machen kann, wenn er nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Deshalb müssen sich die Ingenieure auf ihre Berechnungen und Simulationen verlassen. Außerdem verlangt dieses Konzept einen zusätzlichen Crashtest, weil man von der hinteren Knautschzone etwas Karbonstruktur zur Energie-Absorbierung wegnimmt.

Schnell war klar: Wer Mercedes 2021 kopieren wollte, musste seine beiden Token in diesem Bereich investieren. Aston Martin hat bereits letztes Jahr die Voraussetzung dafür geschafft. Beim GP Russland wurde eine Hinterachse eingeführt, die man diese Saison mit dem 2020er Getriebe von Mercedes verheiraten konnte.

Aber jetzt haben sich auch Red Bull und Ferrari auf diese Lösung eingelassen. Bei Alpine sind wir uns noch nicht ganz sicher. Fotos lassen vermuten, dass der hintere untere Querlenker im Übergang zwischen Getriebe und Crashstruktur anlenkt. Allerdings verläuft er etwas tiefer als bei den anderen Autos. Die Nachahmer hatten leichteres Spiel, weil Pionier Mercedes gezeigt hat, dass es funktioniert. Sie alle nahmen ihre Token im Heck.

Um das Konzept voll aufgehen zu lassen, muss das Getriebegehäuse adaptiert werden. Fotos beweisen jetzt, dass alle drei Teams die Querlenker-Position entsprechend verändert haben. Die einen mehr, die anderen weniger extrem.

Red Bull - Hinterradaufhängung - F1-Test - Bahrain - 2021
Motorsport Images
Red Bull baute die Aufhängung über den Winter komplett um. Der Querlenker ist aber nicht ganz so weit nach hinten gezogen wie bei Mercedes und Aston Martin.

McLaren waren die Hände gebunden

McLaren wäre auch gerne auf diesen Weg eingeschwenkt, doch da machte ihnen der Motorwechsel einen Strich durch die Rechnung. "Wir haben uns das auch angeschaut und hätten sogar die Zeit gehabt, weil die Aufhängungen erst im ersten Rennen homologiert werden. Uns waren aber die Hände gebunden, da wir das Getriebe hätten anfassen müssen, was aber wegen der Token-Regel nicht möglich war. Wir durften das Getriebe nur ändern, um es an den Mercedes-Motor anzupassen, nicht aber um es für diesen Typ Hinterachse umzubauen", gibt Technikchef James Key zu.

Die McLaren-Ingenieure haben dann geprüft, ob sie eine vergleichbare Lösung mit anderen Anlenkpunkten am bestehenden Getriebe realisieren können, aber es hätte nicht den Nutzen gebracht, der einen solchen Aufwand gerechtfertigt hätte. Die Mercedes-Idee bringt vor allem aerodynamische Vorteile, weil der Querlenker besser mit dem Diffusor harmoniert. Der Vorteil muss signifikant sein. Sonst wären nicht so viele Teams diesem Beispiel gefolgt.Key erklärt: "Mit der Anordnung kann man die Strömung lokal besser zum Diffusordach steuern. Und der Gurney-Flap auf dem Diffusor ist mittlerweile ein mächtiges Werkzeug um Abtrieb zu generieren."

Wie bereits erwähnt hatte Mercedes neben der verbesserten Aerodynamik auch noch einen mechanischen Vorteil durch die Verlegung der Spurstange. Und damit auch das Kundenteam Aston Martin. Red Bull ließ sich bei der Position der Spurstange ebenfalls von Mercedes inspirieren. Im Unterschied zu Mercedes hat das Technikbüro in Milton Keynes dafür die Zugstrebe der Hinterachse vor alle Aufhängungselemente gelegt und sie somit fast völlig aus dem Luftstrom auf das Diffusordach gednommen. Ferrari dagegen versteckt den Pullrod voll unter der Verkleidung, Alpine so halb.

In der Galerie zeigen wir Ihnen die Bilder der genannten Autos.

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