Red Bull fordert Motorenangleichung

„Jetzt wacht auch Ferrari auf“

Max Verstappen - Helmut Marko - Red Bull - GP Australien 2018 - Melbourne Foto: sutton-images.com 41 Bilder

Die klare Trainingsbestzeit von Lewis Hamilton in Melbourne und der weiter gewachsene Abstand des Mittelfeldes zur Spitze versetzt die Formel 1-Gemeinde in Alarmstimmung. Red Bull fordert eine Reform des Reglements ab 2021 und eine Motorenangleichung bis dort hin.

Die Trainingsbestzeit von Lewis Hamilton für den GP Australien war eine Demonstration der Stärke. Der Vorsprung von Mercedes auf Ferrari belief sich auf 0,664 Sekunden, der auf Red Bull auf 0,715 Sekunden. Der Schnellste des Mittelfeldes lag 2,023 Sekunden hinter der Spitze. Die Abstände wurden im Vergleich zu 2017 größer statt kleiner. Wasser auf die Mühlen der Teams, die sich eine Reform des Reglements wünschen mit einfacherer Technik, einer Kostenobergrenze und einer gerechten Verteilung der Einnahmen.

Red Bull hat sich zum Sprachrohr derer aufgeschwungen, die der Fortsetzung der Mercedes-Siegesserie ein Ende setzen wollen. Bislang ruderte Ferrari noch eisern im Boot von Mercedes, die verständlicherweise am Motorenreglement so wenig wie möglich ändern wollen. Ferrari geht es dabei weniger um die Motoren als um den Erhalt ihrer finanziellen Privilegien. Red Bull-Berater Helmut Marko sieht ein Ende dieser Allianz: „Jetzt wacht auch Ferrari auf. Sie beginnen zu kapieren, dass sie Mercedes mit diesen Motoren nie einholen werden.“ Bei Renault hat offenbar bereits ein Umdenken stattgefunden. „Mit dieser Formel 1 stimmt etwas nicht mehr. Sie ist zu teuer und zu kompliziert“, stellt Markenbotschafter Alain Prost fest.

Ferrari verliert in den Kurven, Red Bull auf den Geraden

Red Bull-Technikchef Adrian Newey spricht frustriert von einer „Motorenformel“ aus deren Klauen sich die Formel 1 nicht befreien kann. „Du kannst das beste Auto der Welt bauen, aber wenn du auf jeder Geraden in jeder Runde 8 km/h verlierst, bist du machtlos.“ GPS-Messungen verraten, dass Red Bull in langsamen und mittelschnellen Kurven auf dem Niveau von Mercedes fährt. In schnellen Ecken liegen sie vorn. Bei Ferrari ist es umgekehrt. Die roten Autos sind den Silberpfeilen auf den Geraden ebenbürtig. Auch dann, wenn die Mercedes-Fahrer in den viel zitierten „Party-Modus“ schalten. Ein Ferrari-Mann räumt ein: „Am Motor liegt es nicht. Wir lassen unsere Zeit in den Kurven liegen.“

Max Verstappen - Red Bull - GP Australien 2018 - Melbourne - Qualifying Red Bull verzweifelt an Mercedes Verstappen-Fehler kostet erste Reihe

Mercedes hat eben auch ein sehr gutes Auto gebaut. Diesmal ganz ohne Allüren. Und das lässt befürchten, dass diese Saison wieder zum Alleingang des Titelverteidigers wird. Aus den Worten der Konkurrenz schwingt Verzweiflung mit: „Wir fahren in der normalen Formel 1. Mercedes ist in einer anderen Welt. Nur im Regen hätten wir eine Chance“, sagt Marko. Der Grazer unterstellt den Abonnement-Weltmeistern mit der Konkurrenz zu spielen: „Die können mit ihrem Power-Modus bestimmen, wie weit sie vorne liegen. Diesmal hat Mercedes offenbar vergessen, sich zu verstecken.“

Red Bull-Teamchef Christian Horner fordert von Liberty Media deshalb eine Abrüstung: „Wir brauchen einfachere Motoren und eine einfachere Aerodynamik.“ Nicht ganz uneigennützig, wenn man weiß, wie Red Bulls Schlachtplan für die Zukunft aussieht. Der Fahrerlagerfunk meldet, dass der Softdrink-Konzern bis 2021 Toro Rosso an Honda abtreten will und Red Bull an Aston Martin. Das geht aber nur mit einer abgespeckten Formel 1.

„FIA muss jetzt handeln“

Die Klingen sind geschärft. Das Formel 1-Management wird bis zum GP Bahrain die Blaupause seines Formel 1-Konzepts ab 2021 auf den Tisch legen. Und man wird dabei wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Teams legen, die an dem aktuellen Format festhalten wollen. Auch wenn man damit Ferrari und Mercedes opfert. Aus den Reihen der neuen Hausherren der Formel 1 hören wir: „Wir haben keine andere Wahl. Wenn wir nichts ändern, verlieren wir bis 2021 mindestens fünf Teams.“

Das ändert nichts an dieser Saison. Und auch nichts an 2019 und 2020. Die finanziellen, technischen und sportlichen Regeln sind für die nächsten drei Jahre festgeschrieben. Doch kann die Königsklasse drei weitere Jahre eine Mercedes-Show und ein immer größeres Wettbewerbsgefälle zwischen den kleinen und großen Teams überleben? „Wir brauchen die Motorenangleichung, die uns immer versprochen wurde. Die Motoren liegen viel weiter als drei Prozent auseinander. Also muss die FIA jetzt handeln“, fordert Marko.

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