Red Bull gegen FIA

Unentschieden zur Halbzeitpause

Red Bull Trophäe - GP Australien 2014 Foto: Red Bull 11 Bilder

Red Bull und die FIA gingen am Montagvormittag (14.4.2014) vor dem Berufungsgericht des Weltverbandes über drei Stunden in den Clinch. Die Beweisaufnahme begann mit dem allgemein verständlichen Teil und driftete dann in komplizierte technische Details ab. Bis zur Mittagspause steht es Remis. Alles hängt von den Plädoyers ab.

Die erste Runde hat drei Stunden und 18 Minuten gedauert. Alle Zeugen im Berufungsprozess von Red Bull gegen das Urteil der Sportkommissare beim GP Australien wurden gehört. Noch muss Daniel Ricciardo um seinen zweiten Platz in Melbourne zittern. Keine der beiden Parteien konnte bis jetzt ein entscheidendes Argument vorbringen. Die FIA zeigte anhand von Diagrammen, dass der Australier in 53 der 58 Runden beständig über der erlaubten Durchflussmenge von 100 Kilogramm pro Stunde lag.

Weiterhin wurde festgestellt, dass der von Red Bull angezweifelte Sensor im Rahmen des Korrekturfaktors akkurate Messungen lieferte, was zwei Wochen später anhand eines zweiten Sensors aus einem anderen Produktions-Los in Ricciardos Auto mit der exakt gleichen Abweichung bestätigt wurde. So jedenfalls sieht es FIA-Motorenexperte Fabrice Lom.

Der Weltverband machte außerdem deutlich, dass Red Bull den Aufforderungen des Motorenexperten Fabrice Lom während des GP Australien die Durchflussmenge zurückzusetzen, nicht nachgekommen sei. Eigene Messungen sind nur erlaubt, wenn das die FIA ausdrücklich erlaubt. Dies ist nicht geschehen.

Mercedes der bessere Kläger

Die FIA fand in Mercedes einen eifrigen Mitstreiter. Insbesondere Mercedes-Anwalt Paul Harris erwies sich als schärferer Ankläger als sein Kollege Sebastien Bernard von der FIA. Harris versuchte die Beweisführung von Red Bull in sieben Punkten zu entkräften. Kernpunkt: Red Bull hat nach Gutsherrenart entschieden, welche Messmethode die relevante sei. "Sie haben sich dadurch absichtlich einen sportlichen Vorteil verschafft - in  Rundenzeit ausgedrückt 0,4 Sekunden."

Red Bull stand zu Prozessbeginn nicht gut da, weil weder Technikchef Adrian Newey noch Chefingenieur Paul Monaghan entlastende Argumente auf die Vorwürfe der FIA und von Mercedes fanden.

FIA-Experte Lom in der Defensive

Das änderte sich, als Red Bull-Anwalt Michael Lazarus die Messmethoden der FIA und die Qualität der Sensoren anzweifelte und Fabrice Lom mehrfach aufs Glatteis führte. Lom konnte nicht ganz schlüssig erklären, warum es bei dem fraglichen Sensor im Auto mit der Startnummer 3 während des Melbourne-Wochenendes zu zwei Sprüngen in den Messwerten der Durchflussmenge kam.

Lom musste sich außerdem vorhalten lassen, dass seine Einlassung, der GP Malaysia hätte die korrekten Messungen des Sensors in Melbourne bestätigt, wegen der deutlichen Temperaturunterschiede bei den beiden Rennen nicht ganz schlüssig ist.

Auch in einer anderen Frage machte er keine glückliche Figur. Aus Sicht von Red Bull lieferte der Sensor schon allein deshalb falsche Werte, weil er trotz gleicher Motordaten unterschiedliche Durchflussmengen ausgab. Argument: Wenn mehr Benzin eingespritzt wird, müsse sich das auch bei der Auspufftemperatur und den Werten der Lambda-Sonde niederschlagen. Lom bestritt dies.

Die Plädoyers von Kläger und Angeklagten werden über das Urteil entscheiden. Das wird wegen der technischen Komplexität des Falles erst für Dienstag erwartet. Verfolgen Sie den zweiten Teil der Berufungsverhandlung im auto motor und sport >>> Live-Ticker aus Paris.

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