Red Bull mit 20 Punkten in Australien

Zu Mercedes fehlen 30 bis 55 PS

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Australien 2018 Foto: sutton-images.com 66 Bilder

Red Bull verlässt Melbourne zufrieden. Weil sich das Team aus Milton Keynes in der Rennpace auf Augenhöhe mit Mercedes sieht. Es hakt nur im Qualifying. Red Bull verweist weiter auf den Quali-Modus der Silberpfeile.

Red Bull peilte in Australien das Podest an. Es wurden die Positionen vier für Daniel Ricciardo und sechs für Max Verstappen. Trotzdem war Red Bull zufrieden. „Australien war noch nie unsere beste Strecke“, urteilt Helmut Marko. „Deshalb können wir mit 20 WM-Punkten leben.“

Ricciardos Rennen wurde schon am Freitag massiv beeinflusst. Die Stewards stuften ihn wegen eines Vergehens unter roten Flaggen um 3 Positionen zurück. Das warf ihn am Start ins Mittelfeld. Überholen ist bekanntlich schwer in Melbourne. Es braucht ein Speed-Delta von mindestens 1,8 Sekunden. Das limitiert die Chancen auf den Start und die Boxenstopps. Ricciardo machte keine Positionen gut, obwohl er sauber vom Fleck kam. Das betonierte ihn erst einmal auf den achten Rang.

Red Bull schützt Verstappen vor Kritik

Verstappen hingegen verlor sogar eine Position an Kevin Magnussen. „Sein Start war eigentlich gut“, berichtet Red Bull-Teamchef Christian Horner. „Max ging nach rechts, wurde aber von den Ferraris abgeklemmt. Magnussen hatte auf der linken Seite dagegen Platz. Das hat den Unterschied ausgemacht.“ Ab diesem Moment war der Kampf gegen Ferrari um das Podest eigentlich schon verloren.

Max Verstappen - GP Australien 2018 Foto: sutton-images.com
Verstappen ging mit beschädigtem Auto etwas viel Risiko und drehte sich.

Zumal Verstappen im zehnten Umlauf patzte. Beim Einlenken in die erste Kurve brach dem 20-jährigen Niederländer das Heck aus. Es folgte ein Highspeed-Dreher über Randstein und Gras. Wieder einmal rettete sich Verstappen vor einem Einschlag. Es war sicher aber auch eine Portion Glück dabei.

Red Bull sprach seinen Wunderknaben von aller Schuld frei. „In Runde sechs beschädigte er sich auf dem Kerb von Kurve zwölf den Diffusor. Das verursachte massiven Abtriebsverlust im Heck“, sagt Horner. „Ein Wunder, dass er überhaupt ins Ziel gekommen ist“, findet Marko. Nach der Pirouette fand sich Verstappen auf dem achten Platz wieder. Der Doppelausfall von HaasF1 schenkte ihm zwei Positionen. Nico Hülkenberg knackte Red Bull über die Taktik. Dafür büßte Verstappen eine Position gegenüber Fernando Alonso in der VSC-Phase ein.

Ricciardo nutzt eine freie Runde

Teamkollege Ricciardo profitierte von der Neutralisation, die ihm in der 26. Runde zehn Sekunden schenkte und auf dem vierten Rang hielt. Die Plätze hatte er zuvor gegen Hülkenberg auf der Strecke und gegen die beiden HaasF1 durch deren Ausfall gewonnen. Gegen den Renault-Fahrer setzte Ricciardo eines der wenigen Überholmanöver des Rennens. In der zusätzlichen DRS-Zone saugte sich das Auto mit der Startnummer 3 heran und bremste sich in der 13. Kurve neben Hülkenberg. Den Konter vor der nächsten Passage wehrte Ricciardo ab.

Beide Red Bull hingen fast das gesamte Rennen im Verkehr. „Unsere Jungs haben Heckflügel studiert“, meint Horner. Im zweiten Rennabschnitt nach dem Restart klebte Verstappen im Heck von Alonso. Ricciardo roch die Auspuffgase von Räikkönens Ferrari. Beide fanden keinen Weg vorbei. Was Horner zu folgender Aussage bewegt: „Vielleicht sollten sie den Radius von Kurve eins ändern. Damit eine harte Bremszone entsteht. Andernfalls ist Überholen auf dieser Strecke praktisch unmöglich.“

Kimi Räikkönen - GP Australien 2018 Foto: xpb
An Kimi Räikkönen biss sich Daniel Ricciardo die Zähne aus.

20 Punkte nimmt Red Bull aus Melbourne mit. Und die Erkenntnis, dass der RB14 im Rennen besser geht als auf eine Runde. Red Bull macht das an der schnellsten Runde des Rennens fest. Die stellte Ricciardo im 54. Umlauf in 1:25.945 Minuten auf. Damit war er 0,428 Sekunden schneller als Räikkönen. Und 0,499 Sekunden schneller als Hamilton.

„Daniel hatte sich ein Stück zurückfallen lassen. Es war im Prinzip unsere einzig freie Runde. Wir haben die Zeit nicht auf frischen Reifen ergaunert. Das zeigt, dass wir eine starke Rennpace haben“, befindet Horner. Marko sagt sogar: „Im Renntrimm sind wir auf Mercedes-Niveau.“

Wortduell mit Mercedes

Es fehle nur der Speed in der Qualifikation. Die Differenz zu Mercedes schiebt Red Bull vor allem auf den Motor. „In jedem Beschleunigungsstück knöpfen sie uns massiv Zeit ab. Alle Renault-Autos sind auf den Geraden die langsamsten. Das kommt ja nicht von ungefähr“ Mercedes kontert. „Red Bull fährt eine starke Anstellung. Im Heck ist ihr Auto 30 Millimeter höher als unseres. Das kostet sie vier oder fünf Punkte mehr Luftwiderstand.“

Die Pfeile fliegen hin und her. „Mercedes fährt mit Riesenflügeln, weil sie so viel Leistung haben.“ Der Konter: „Ihre sind genauso groß.“ Marko erwidert: „Fragt mal beim Hülkenberg nach, wie der sich fühlt. Die sind zwei Sekunden langsamer als wir, haben weniger Downforce und sind auf den Geraden trotzdem langsam.“

Bei Red Bull gibt man inzwischen zu, dass Mercedes in den Kurven gleichauf liege. Die Silberpfeile sehen sich sogar etwas im Vorteil. Jedenfalls differenzieren sich die Kurvengeschwindigkeiten minimal. In der Qualifikation zum Beispiel gewann Mercedes in Kurve eins 41 Tausendstel auf Red Bull. In Kurve 3 hingegen waren die dunkelblauen Autos um 31 Tausendstel besser.

Von Red Bull heißt es, der Mercedes-Motor habe zwischen 30 und 55 PS mehr als der Renault-V6. „Weniger im Normalbetrieb, deutlich mehr im vollen Power-Modus im Qualifying.“

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