Himmel und Hölle für Red Bull

Ricciardo-Pole, Verstappen-Crash

Max Verstappen - Red Bull - GP Monaco - Formel 1 - Samstag - 26.5.2018 Foto: sutton-images.com 48 Bilder

Daniel Ricciardo ist der Mann der Stunde. Dagegen stolpert Max Verstappen von einem Unfall in den nächsten. Red Bull beziffert den Unfallschaden im dritten Training auf mehrere hunderttausend Euro. Von der Teamführung gab es reichlich Kritik für Verstappen.

Es war der Tag der Gegensätze bei Red Bull. Daniel Ricciardo stellte seinen RB14 souverän auf den ersten Startplatz. Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko applaudierte. „Bis auf einen kleinen Mauerkuss im zweiten Training ist Daniel absolut makellos unterwegs an diesem Wochenende. Im Qualifying war er in jedem Streckenabschnitt schnell. Besonders im letzten Teil hat er die Gegner dominiert.“ Nur den ersten Sektor musste der Pole-Mann an Lewis Hamilton abtreten. Der Mercedes-Pilot entschied die ersten vier Kurven mit 18,594 zu 18,638 Sekunden für sich.

Red Bull rechnete mit Vorsprung

Im zweiten Abschnitt war Ricciardo mit einer Gesamtzeit von 33,392 Sekunden um 51 Tausendstel schneller als sein schärfster Verfolger Sebastian Vettel. In den letzten sieben Kurven knöpfte Ricciardo dem Ferrari-Fahrer 0,143 Sekunden ab. In Summe waren es 0,229 Sekunden. Hamilton als Dritter büßte über vier Zehntelsekunden ein. „Wir hatten damit gerechnet, dass unser Vorsprung so groß ausfällt. In Monaco wirkt der Party-Modus von Mercedes und Ferrari nicht so sehr wie auf anderen Strecken“, konstatierte Marko.

Nicht nur der Grazer Doktor lobte. In einem Telefonat kurz nach dem Qualifying holte sich der Mann aus Perth die Glückwünsche von ganz oben ab. „Didi war sehr zufrieden“, berichtete der Strahlemann. Gemeint ist Red Bulls Chef Dietrich Mateschitz. Auf der anderen Seite der Garage gab es dagegen Schelte. Max Verstappen verbaute sich die Chance auf die bestmögliche Ausgangsposition für den GP Monaco 2018 schon im dritten Training. In 60 Minuten, in denen es um nichts weiter geht, als das Setup zu verfeinern und das Selbstvertrauen weiter zu stärken.

Max Verstappen - Red Bull - GP Monaco 2018 - Samstag Foto: xpb
Das Unfallauto von Max Verstappen: Red Bull konnte den RB14 nicht rechtzeitig reparieren.

Helmut Marko sprach von einem unverzeihlichen Fehler. „Sainz hat ihn ein bisschen irritiert. Dann stand er quer und die Runde war beim Teufel. Danach darf er einfach nicht mehr versuchen, die Kurve irgendwie zu erwischen. Das hat ihn heute mindestens die erste Startreihe gekostet.“ Stattdessen beginnt der 20-Jährige aus den Niederlanden den sechsten Grand Prix des Jahres von ganz hinten. Oder aus der Boxengasse. „Das ist die wahrscheinlichere Variante. Damit halten wir uns aus dem Startgetümmel heraus, umgehen die Parc Fermé-Regeln und können das Ersatzteillager auffüllen.“ Gemeint sind die Motorkomponenten. Verstappen sah seinen Fehler ein, hielt gleichzeitig aber fest. „Das langsame Auto hat mich ein bisschen auf dem falschen Fuß erwischt. Das soll aber keine Ausrede sein. Ich war trotz der Situation noch zwei Zehntel unter meiner persönlichen Bestzeit. Deshalb zog ich durch. Die Entscheidung triffst du innerhalb kürzester Zeit. Ich habe die Schikane einfach zu sehr abgekürzt und traf die Mauer.“

Verstappens Pannenserie setzt sich fort

Für den WM-Sechsten ist es die Fortsetzung der bisherigen Pannensaison. An sechs Grand-Prix-Wochenenden war er in sechs Zwischenfälle verwickelt. Seien es Unfälle mit oder ohne Fremdeinwirkung. Verstappen trotzig. „Einen echten Fehler habe ich nur hier und in China gemacht.“ Seine Kritiker sehen es anders, und halten ihm die Dreher im Auftaktrennen, in der Qualifikation zum GP Bahrain, die Kollision mit Daniel Ricciardo in Aserbaidschan und den Zusammenprall mit Lance Stroll in Spanien vor. „Ich würde ihn mal fragen, wie lange er das noch machen will“, äußerte sich Niki Lauda.

Der Einschlag in den Leitplanken beschädigte den RB14 folgenschwer auf der rechten Fahrzeugseite. Den Schaden beziffert Red Bull auf mehrere hunderttausend Euro. Für die Mechaniker begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Am kompliziertesten erwies sich die Reparatur der rechten Vorderradaufhängung. Weil hier viele filigrane Carbon-Elemente auf wenig Raum verbaut werden. Beinahe hätte Red Bull das Auto mit der Startnummer 33 rechtzeitig für die Qualifikation startklar bekommen. Wenn nicht das eigentlich unbeschädigt geglaubte Getriebe im letzten Moment zum Stolperstein geworden wäre.

Kleiner Riss im Getriebe

Eine Viertelstunde vor Beginn der Qualifikation zerstörte sich der Traum von der Wunder-Reparatur. „Beim Anlassen des Motors spritzte Getriebeöl durch einen Riss im Gehäuse“, berichtete Marko. „Wir hatten den Riss nicht entdeckt, weil er unter einer Abdeckung versteckt war. Der restliche Teil war völlig unbeschädigt.“

Im Gegensatz zu Verstappen münzte Ricciardo das schnellste Auto in die Pole um. Drei Trainingsbestzeiten und die Bestmarken in Q1, Q2 und Q3 sprechen für die Kaltschnäuzigkeit und Ruhe des Australiers. Die Rekordrunde von 1:10.810 Minuten kommentierte der sechsfache GP-Sieger so. „Es war eine saubere Runde. Und ich fühlte, dass sie gut genug sein würde für den ersten Startplatz.“ Während Verstappen verbissen und verkrampft wirkt, ist Ricciardo entspannt. „Ich kämpfe hier nur mit mir selbst. Ich will meine persönlichen Ziele erreichen. Die sind es, dass mein Name ganz oben steht. Klar hast du so was im Hinterkopf, wenn dein Teamkollege verunfallt. Aber man muss es einfach ausblenden.“

Ricciardo ist mit seinem Auto hochzufrieden. „Ich hatte schon am Donnerstag schnell meinen Rhythmus. Wir haben seither nur Kleinigkeiten am Auto geändert.“ Für das Rennen prophezeit ihm die Konkurrenz leichtes Spiel, sofern er den Start für sich entscheidet. „Dann kann er das Rennen kontrollieren, die Reifen managen und immer dann Gas geben, wann er es braucht. Zum Beispiel vor dem Boxenstopp. Red Bull ist hier unschlagbar“, sagt Niki Lauda.

Neuester Kommentar

Was Max Verstappen da dieses Jahr veranstaltet geht auf keine Kuhhaut. So spektakulär seine Überholmanöver auch sein mögen, die hohe Zahl an Unfällen ist nicht entschuldbar. Ich hatte fast schon erwartet, dass er im Rennen ins Hafenbecken von Monte Carlo rast. Der Blick auf die Punktezahl in der Fahrer-WM sagt ja schon alles. Ich bin gespannt, ob man Verstappen einbremsen kann, ohne dass er seine spektakuläre Fahrweise aufgeben muss. Da haben Doktor Marko und Christian Horner einige Arbeit vor sich. Eigentlich kann sich Red Bull nicht leisten, Daniel Ricciardo zu verlieren. Er hat schon doppelt so viele Punkte - trotz Defekt in Bahrain und der unverschuldeten Kollision in Aserbaidschan. Da haben sich einige sogenannte F1-Experten wohl geirrt, die Ricciardo im Duell mit Verstappen vor der Saison schon aufs Abstellgleis gestellt haben.

Marco Berenz 28. Mai 2018, 13:14 Uhr
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