Max Verstappen - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 30. Juni 2019 Motorsport Images

Doppelter Sieg für Red Bull

Meilenstein im Kampf um Verstappen

Der Sieg von Max Verstappen beim Heimspiel in Österreich war eine faustdicke Überraschung. Die Sternstunde bedeutet aber nicht, dass Red Bull gleich überall ein Siegkandidat ist. Es war erst der Anfang einer Trendwende. Das Team feierte doppelt. Es wird schwieriger für Verstappen zu flüchten.

Vier Jahre lang war der Red Bull-Ring für Red Bull eine Angststrecke. Nun entwickelt sich der GP-Kurs mit der kürzesten Rundenzeit zu einem guten Pflaster für die Hausherren. Max Verstappens zweiter Österreich-Sieg in Folge war wie im letzten Jahr eine faustdicke Überraschung. Die gleichen Faktoren wie im Vorjahr führten dazu. Ein Verstappen in Hochform, ein Auto, das die Reifen besser schont als die Konkurrenz, das richtige Boxenstopp-Timing, Mercedes gehandikapt, Ferrari mit zu vielen kleinen Pannen.

Vom Layout her ist der Red Bull-Ring mit 78 Prozent Volllast eher eine Ferrari-Strecke. Was Charlers Leclerc mit einer überlegenen Trainingsbestzeit eindrücklich unter Beweis stellte. Honda fehlen im Qualifikationstrim rund 30 PS. Im Rennen sind es weniger, weil Ferrari und vor allem Mercedes in der Hitze die Leistung stark zurücknehmen mussten. Hondas 2019er Turbolader funktionieren jetzt besser in dünnerer Luft. Auch die Kurven mit zumeist kurzen Radien spielen Red Bull nicht gerade in die Karten. Doch genau da waren die Autos von Adrian Newey diesmal besonders stark. In den drei lang gezogenen Kurven am Ende der Runde sowieso.

Kleine Änderung, großer Ertrag

Das Red Bull-Chassis hat in Spielberg mit einer minimalen Änderung am Frontflügel einen großen Sprung gemacht. Man muss schon sehr genau hinschauen, um die Unterschiede im Profil und am Ansatzpunkt des oberen Flaps zur Endpatte zu erkennen. Zusammen mit dem großen Upgrade von Paul Ricard und der Rückkehr der Nase mit geöffnetem Loch vorne scheint der RB15 jetzt berechenbarer in den Kurven zu sein. Mehr Abtrieb, weniger Balanceverschiebungen bedeuten eine bessere Nutzung der Reifen. Endlich konnte Red Bull mal wieder seine Stärke ausspielen. Keiner schonte die Reifen so gut wie Verstappen.

Kluges Reifenmanagement und der perfekte Zeitpunkt zum Reifenwechsel waren die Basis einer Aufholjagd, die erst 12 Runden nach dem Boxenstopp so richtig begann. Bis dahin hatte Verstappen seine Gummisohlen gestreichelt. Dann zündete er den Turbo. Seine Gegner hatten zudem Reifen an Bord, die mindestens neun Runden älter waren. Verstappen lobte: „Auf den harten Reifen erwachte unser Auto so richtig zum Leben.“

Man darf jetzt aber nicht davon ausgehen, dass Red Bull gleich überall ein Siegkandidat ist. Dazu müssten alle Strecken mindestens 600 Meter über dem Meer liegen und jedes Mal die Temperaturen auf 34 Grad und drüber steigen. Mercedes fuhr in Österreich mit einem Handikap. Die stark geöffnete Verkleidung kostete massiv Abtrieb. Die Kühlprobleme zwangen die Fahrer, Motorleistung zurückzunehmen. So extrem wird es zum nächsten Mal erst in Mexiko wieder werden. Eine normale Hitzeschlacht in tieferen Regionen bringt Mercedes nicht aus dem Tritt. Das hat der überlegene Sieg in Paul Ricard gezeigt.

Max Verstappen - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 30. Juni 2019
Red Bull
Max Verstappen ist nach seinem Sieg neuer WM-Dritter.

Red Bull gegen Ferrari

Red Bulls Gegner ist vorerst einmal Ferrari. Die roten Autos sind auf den Geraden nicht zu schlagen. Auf Strecken mit hohem Anteil an Vollgaspassagen wird es schwer für Red Bull, es sei denn große Hitze zwingt auch Ferrari im Rennen zu moderateren Power-Einstellungen. Erst in Spa legt Honda nach. Mindestens genauso lange wird Ferrari brauchen, um Abtrieb draufzupacken. Den Italienern sind konzeptbedingt die Hände gebunden. Mit der Frontflügel-Philosophie ist irgendwann Ende der Fahnenstange.

Der fehlende Anpressdruck vorne führt häufig zu Balanceverschiebungen. Das Auto fällt vom Untersteuern ins Übersteuern. Das kann sogar mitten in einer Qualifikationsrunde passieren. Im Rennen wird es auf langen Stints zum Problem. Bei Leclerc gingen am Ende des Rennens die Hinterreifen in die Knie. Im Vergleich zu Ferrari hat Red Bull in der Reifenabnutzung neuerdings wieder eine Trumpfkarte in der Hand. Das Verständnis der Reifen, das im Endeffekt eine Funktion des Abtriebs ist, bestimmt heute über Sieg und Niederlage. Hätte Red Bull vorher vom Erfolg seiner Aero-Eingriffe gewusst, hätte man vielleicht weniger bei Pirelli interveniert, um zu den alten Reifen zurückzukehren.

Für Red Bull war der erste Saisonsieg mehr als nur ein Befreiungsschlag. Die Teamleitung konnte gleich doppelt feiern. Wenn man den Gerüchten glauben darf, ist damit die erste Forderung erfüllt, Max Verstappen auch nächstes Jahr im Team zu halten. Ein Sieg vor der Sommerpause soll Pflicht gewesen sein. Und angeblich auch der dritte Platz in der WM. Auf dem liegt der Holländer gerade. Drei Punkte vor Sebastian Vettel, 21 Zähler vor Charles Leclerc. Das Restprogramm spricht für Red Bull. Silverstone und Budapest favorisieren den WM-Dritten. Nur Hockenheim ist Ferrari-Land.

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Start - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 30. Juni 2019
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