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Red Bull - F1 - 2017
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Red Bull kopiert bei Konkurrenz

Leitbleche von Ferrari, Boden von Mercedes

Red Bull hat massiv aufgerüstet. Nach drei größeren Upgrades in den letzten drei Rennen hat Red Bull die Lücke zur Spitze fast geschlossen. Die Truppe um Stardesigner Adrian Newey scheut sich auch nicht mehr, bei der Konkurrenz zu kopieren.

Die gute Red Bull-Form in Singapur hatte nur zum Teil mit dem Streckenlayout zu tun. Der RB13 wurde in den letzten drei Rennen massiv aufgerüstet. In Spa, Monza und Singapur kamen jeweils größere Aero-Upgrades ans Auto. Monza ist sicher nicht Red Bulls Paradestrecke. Doch bereits da waren die Rennwagen aus Milton Keynes zweite Kraft hinter Mercedes.

Red Bull startete mit einer bösen Überraschung in diese Saison. Das Auto war 1,5 Sekunden zu langsam. Je 50 Prozent gingen auf Chassis und Motor. Die Ingenieure gaben irreführenden Windkanaldaten die Schuld. Bis zum GP Australien waren die Schwachpunkte erkannt. Zum Europastart in Barcelona begannen die Reparaturarbeiten.

Anfangs gestaltete sich die Aufholjagd zäh. Weil auch Mercedes und Ferrari ständig Verbesserungen an ihre Autos brachten. „Wir gingen mit zwei Monaten Rückstand in die Saison“, gab Teamchef Christian Horner zu bedenken. Erst in Baku gab es einen spürbaren Ruck nach vorne. Vor der Sommerpause wurde die Lücke in kleinen Schritten geschlossen, danach in großen. Red Bull scheute sich auf dem Weg dorthin nicht, bei der Konkurrenz abzukupfern.

Das ist eine neue Qualität. Früher hätte sich Stardesigner Adrian Newey lieber entleibt, als bei fremden Autos hausieren zu gehen. Er steht zwar in der Startaufstellung gerne mit dem Notizblock vor den Autos der Gegner, aber höchstens um sich Anregung für etwas noch Besseres zu holen. Als Red Bull in Singapur mit Ferrari-ähnlichen Leitblechen auftauchte, juxte Sebastian Vettel: „Die sind von uns, nur blau lackiert. Zuerst hat Red Bull bei uns geklaut, dann bei Mercedes und jetzt wieder bei uns.“

Red Bull klaut beim Gegner

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Die Bargeboards tragen unten ähnliche Finnen wie beim Mercedes.

Gehen wir die Upgrades seit dem GP Spanien einmal Schritt für Schritt durch. Die für Barcelona angekündigte B-Version des RB13 kam nie. Jedenfalls weigerte sich Newey, das Aero-Paket so zu nennen. Es enthielt andere Kühlkanäle für eine bessere innere Durchströmung, Modifikationen am Frontflügel und Leitbleche mit Fransen an der Bodenplatte. Experten erkannten darin eine Mercedes-Kopie. Das Prinzip wurde später noch verfeinert. Bei Red Bull sind die Zungen am vorderen Ende sichtbar höher als am Ansatz zum Leitblech. Hier wird offensichtlich Luft unter das Auto gezwungen.

In Monte Carlo wurde im Rahmen der Aero-Spezifikation für viel Abtrieb ein T-Flügel ausgepackt, den Ferrari und Mercedes uraufgeführt hatten. Beim GP Kanada wurde der große Einschnitt im vorderen Bereich des Bodens gegen einen Schlitz getauscht, der Bügelflügel oberhalb des Kühleinlasses verbreitert und die Bodenplatte rund um die Hinterräder modifiziert. Der Bügelflügel war eine Abwandlung des rechteckigen Kastens, den Ferrari vor den Seitenkästen montiert hat, um diese trickreich zu verkürzen. Die Fußplatte um die Hinterräder erinnerte Mercedes-Ingenieure so stark an die eigene Konstruktion, dass sie scherzhaft fragten: „Wurde die bei uns in Brackley gebaut?“

Zwei Mal kam Red Bull mit den Regeln in Konflikt

Beim GP Aserbaidschan lieferte Renault ungefähr 15 PS. Ein neuer Heckflügel erlaubte gute Top-Speeds und lieferte trotzdem in den kurvenreichen Passagen noch ausreichend Abtrieb. Zwei Rennen später renovierte Red Bull mit einem neuen Frontflügel und aufwendig geschlitzten Leitblechen unter der Nase den vorderen Bereich des Autos. In Ungarn kamen neue Rückspiegel-Halterungen und Seitenkasten-Einlässe dazu. Der Frontflügel musste nachgebessert werden. Er verbog sich an den Endplatten zu stark nach unten.

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Den Trick mit den dünnen Aufhängungsteilen kannten nur Insider.

Es war nicht das einzige Mal, dass die FIA Red Bull auf die Finger klopfte. Auch in Monza soll es Handlungsbedarf gegeben haben. Ein zu Renault übergelaufener Ingenieur hatte offenbar seinem neuen Arbeitgeber berichtet, dass Red Bull den Querschnitt der vorderen Querlenker ändert, sobald sie unter den Bremsverkleidungen verschwinden und dass eine Luftzuführung in den Bremsschächten nicht in jeder Position des Rades an seinem vorgesehen Platz bleibt. Auf Anfrage von Renault bestätigte die FIA, dass es für die relevanten Regeln 10.3.1 und 11.4 sowie 3.8 keine Ausnahme gebe.

Nach der Sommerpause gibt Red Bull richtig Gas

Nach der Sommerpause legte Red Bull noch einmal richtig nach. In Spa erhielt der neue Diffusor die Rennfreigabe, der zuvor bei dem Test in Budapest erfolgreich getestet worden war. Die sich überlappenden dreilagigen horizontalen Abrisskanten am Diffusordach sind eindeutig die Handschrift von Red Bull. Hier haben sich mittlerweile bereits andere bedient. Force India folgte diesem Prinzip.

In Monza feierte der Highspeed-Flügel Premiere, der laut Teamberater Helmut Marko kein Flügel, sondern ein größerer Flap war. Dazu kamen Änderungen an den Aufhängungen, die zum Teil erzwungen waren, um dem Reglement zu genügen. Der RB13 bekam außerdem eine enger anliegende Verkleidung verpasst. Man sollte es kaum glauben: Der Minimalismus kennt doch noch eine Steigerung. Kein Auto ist im Heckbereich so zierlich wie der Red Bull.

Singapur war der bislang letzte Akt der technischen Aufholjagd. FloViz verriet die Stellen der größten Modifikationen. Man hätte sie aber auch ohne die gelbe Farbe zur Darstellung der Strömung erkannt. Der T-Flügel ist jetzt zweistufig. Und die vertikale Platte der seitlichen Leitbleche hätte vom Ferrari SG70H sein können.

Helmut Marko will von plumpen Abkupfern nichts wissen. „Man schaut natürlich immer, was die anderen haben. Dann versucht man zunächst zu verstehen, wie die Teile funktionieren. Und dann bringt man eine eigene Weiterentwicklung.“ Für Red Bull scheint es zu funktionieren. Vielleicht wird aus dem Duell zwischen Mercedes und Ferrari doch noch ein Dreikampf.

In der Galerie zeigen wir Ihnen die Red Bull-Kopien und die Vorlagen von Ferrari und Mercedes.

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