Red Bull-Krach

"Seb nahm die Dinge selbst in die Hand"

Webber Vettel GP Malaysia 2013 Foto: xpb 66 Bilder

Bei Red Bull hängt der Haussegen mal wieder schief. Die Teamleitung kritisierte Sebastian Vettel für die Missachtung der Stallregie scharf. Die ganze Affäre könnte nachhaltig am Image des Weltmeisters kratzen.

Sebastian Vettel ist der Sieger von Malaysia. Aber eigentlich ist er der große Verlierer. Nach dem Rennen gab es Kritik von allen Seiten. "Er hat sich damit sicher keinen Gefallen getan. Das wird im ganzen Fahrerlager nicht gut ankommen", erklärte zum Beispiel Sauber-Teammanager Beat Zehnder, der seit alten BMW-Zeiten ein freundschaftliches Verhältnis zum Weltmeister pflegt.

Aber auch bei seinem eigenen Team machte er sich keine Freunde. Von Teamkollege Mark Webber über Teamberater Helmut Marko bis zu Teamchef Christian Horner - keiner konnte die Entscheidung des Piloten nachvollziehen. "Er hat die Dinge selbst in die Hand genommen. Und er muss wissen, dass was er getan hat, nicht richtig war", schimpfte Horner anschließend.

Horner verteidigt Stallregie

Der Brite erklärte, dass der entscheidende Funkspruch an Vettel schon in Runde 42 kam. Als er die Box nach seinem vierten Stopp verließ, wurde der Heppenheimer klar und deutlich angewiesen, seine Position zu halten und nicht mehr anzugreifen. Gleichzeitig wurde auch Webber informiert, dass er die Drehzahl des Motors drosseln kann, um das Material zu schonen.

Horner verteidigte die Entscheidung, die beiden Piloten in der Schlussphase voneinander fernzuhalten. "Wenn zwei Autos direkt hintereinander fahren, dann zerstört das die Reifen. Wir hatten hier schon das ganze Wochenende Probleme. Da wollten wir kein unnötiges Risiko eingehen. Zu diesem Zeitpunkt der Saison ist es wichtig, die 43 Punkte zu sichern."

WM-Punkte für Vettel entscheidend

Doch Vettel hielt sich bekanntlich nicht an die Anweisung. Eine Wiederherstellung der ursprünglichen Reihenfolge war vom Kommandostand offenbar nicht möglich: "Glaubt Ihr wirklich, er hätte die Position zurückgegeben, wenn wir Ihn darum gebeten hätten?", fragte Horner die Journalisten nach dem Rennen. "Mit seinem Manöver hat Seb klar gemacht, was seine Absicht war. Er wusste, was die Ansage war. Und er hat sich dafür entschieden, sie zu ignorieren. Er hat sich einfach nur auf diese sieben Punkte Unterschied zwischen Platz eins und Platz zwei konzentriert."

Nach dem Rennen versuchte Red Bull den Schaden zu minimieren. Auf dem Podium gab Vettel noch den glücklichen Sieger. Erst nach kurzer Rücksprache mit dem Team kam der Heppenheimer zu der Erkenntnis, dass sein Handeln nicht ganz glücklich war.

Vettel entschuldigt sich

"Er hat akzeptiert, dass es falsch war", so Horner. "Er hat sich dafür beim Team entschuldigt. Und er hat sich bei Mark entschuldigt. Er hat gesagt, wenn er die Uhr zurückdrehen könnte, würde er es nicht wieder machen. Wir werden die ganze Sache sicher noch einmal diskutieren, wenn sich alle etwas beruhigt haben."

Nach dem Rennen sah man Webber die Wut und die Enttäuschung an. Sogar seine Zukunft im Team stellte er in Frage. "In den letzten 15 Runden habe ich über viele Dinge nachgedacht", so der Australier mit versteinerter Miene. Horner versuchte die Gemüter zu kühlen. "Es wird sicher einige Zeit dauern, bis sich alles beruhigt hat. Das Team hat aber nichts gegen Mark gemacht. Es gibt also keine Verschwörung."

Zwischen den Fahrern ist aber wohl auch das letzte bisschen Respekt verloren gegangen. "Es gab niemals großes Vertrauen zwischen den beiden, schon seit dem Zwischenfall in Istanbul 2010", versuchte Horner das Verhältnis zu beschreiben. "In Brasilien letztes Jahr haben wir zum Beispiel auch Mark gesagt, er soll seine Position halten. Und dann hat er angegriffen. Sie sind eben Rennfahrer. Sie geben bis zum Ende Gas. Das haben sie in ihrer DNA. Deshalb haben wir sie ja auch unter Vertrag."

Bekommt Webber den Sieg zurück?

"In der Hitze des Moments kochen die Emotionen hoch. Aber bei der Nachbesprechung haben beide konstruktiv darüber geredet, wie man das Auto besser machen kann. Formel 1 ist ein Teamsport. Aber es gibt auch eine Fahrer-WM. Da gibt es immer Konflikte. Das gibt es überall im Feld. Es ist wichtig, dass wir davon lernen. Für die Zuschauer war es doch toll. Beide haben Rad an Rad gekämpft und einen guten Kampf geliefert."

Wie man die Situation wieder retten kann, ist fraglich. Vielleicht bekommt Webber irgendwann einen Sieg von Vettel zurück. "Die Saison ist noch lang", grinste Horner. Doch damit werden sich die Fans sicher auch nicht anfreunden können.

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