Toto Wolff und Christian Horner - GP Bahrain 2021 xpb
Red Bull vs. Mercedes - Formel 1 - GP Portugal 2021
Mercedes - Formel 1 - GP Portugal 2021
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Mercedes vs. Red Bull: Krieg um Motoren

Mercedes vs. Red Bull Krieg um Motoren und B-Teams

Die Zweikämpfe zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen auf der Rennstrecke sind hart, aber fair. Dafür kommt es zwischen den beiden Spitzenteams vermehrt zu Spannungen. Mercedes und Red Bull haben Nebenkriegsschauplätze eröffnet.

Drei Rennen, drei Mal ein Duell Rad an Rad. Lewis Hamilton und Max Verstappen sind sich zwar regelmäßig in die Quere gekommen und manchmal auch hart am Kontakt, doch bis jetzt blieb alles fair. Die beiden Hauptdarsteller bekunden gegenseitigen Respekt, und dass man sich blind auf den anderen verlassen könne. Mal abwarten, ob das so bleibt. Die Weltmeisterschaft befindet sich noch in einem Frühstadium. Ein verlorenes Rennen ist noch kein verlorener Titelkampf.

Ganz anders das Aufeinandertreffen neben der Rennstrecke. Da werden schon die Ellbogen ausgefahren und Psychotricks ausgepackt. Die Spannung nehmen zu. Es ist nicht immer ganz leicht auszumachen, wie viel davon psychologische Kriegsführung ist und wie viel ein ehrlicher Konflikt. Es geht dabei um alle möglichen Themen: Motoren, Budgetdeckelung, Partnerteams, Streckenlimits.

Streit um die Streckenlimits

Red Bull fühlt sich von den Streckenlimits regelrecht verfolgt. "Wir haben einen Sieg, eine Pole Position und eine schnellste Runde dadurch verloren", schimpft Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko. Er fordert Randsteine oder Kiesbetten, damit nicht mehr ein Schiedsrichter über Gut und Böse entscheidet, sondern die Rennstrecke selbst.

Dann wäre nach Meinung des Doktors auch damit Schluss, dass die Sportkommissare ein unterschiedliches Maß anlegen. Wie in Bahrain, als die Mercedes-Fahrer in Kurve 4 ständig ungestraft die weite Linie nehmen durften, Verstappen aber bestraft wurde. Wie in Portimao, als Lando Norris bei seinem Angriff auf Sergio Perez straffrei ausging, obwohl er in Kurve 4 jenseits der Strecke fuhr.

Helmut Marko - Formel 1 - 2021
Red Bull
Helmut Marko äußerte in Portimao deftige Kritik an den Track-Limit-Regeln.

Überhaupt, diese B-Teams. Da lässt sich aus Sicht von Red Bull schon eine kleine Verschwörung zurechtzimmern. Es gibt acht Mercedes-Fahrer im Feld, aber nur vier von Red Bull. Wenn dann Norris in der Qualifikation aufgefordert wird, dem von hinten anfliegenden Verstappen auf keinen Fall zu helfen, dann wittert man im Lager von Red Bull sofort eine konzertierte Aktion gegen die eigenen Piloten. McLaren-Teamchef Andreas Seidl klärte auf, dass man Norris nur daran erinnern wollte, Verstappen keinen Windschatten zu geben.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff wehrt sich gegen den Vorwurf, es gäbe einen Pakt mit den Kundenteams. "Wir schreiben keinem Fahrer aus unseren Kundenteams vor, wie er fahren soll. Und wir sagen keinem der Kunden, wie er in der Formel-1-Kommission abstimmen soll. Solange es nicht isoliert um den Motor geht, kann jeder seine eigenen Interessen vertreten."

Streit um ferngelenkte Stimmen

Das Streitthema B-Teams bekam in Portimao eine neue Dimension, als McLaren-Chef Zak Brown in einer Art offenen Brief dazu aufgerufen hatte, das Stimmrecht der Teams neu zu überdenken. McLaren sieht sich als Team ohne Allianzen bei Abstimmungen von Interessensgemeinschaften an die Wand gedrückt.

Brown beschwerte sich, dass viele Kundenteams in vorauseilendem Gehorsam für ihren Technikpartner stimmten, auch wenn es gegen ihre eigenen Interessen gehe. Deshalb forderte er geheime Wahlen und in Fragen des Sportlichen Reglements sogar den Verlust des Mitspracherechts der Teams. Red Bull unterstützt diesen Vorstoß. "Es gibt Dinge, da müssen die Teams nicht mitreden", meint Marko.

Sergio Perez - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
Motorsport Images
Red Bull glaubt, dass die Mercedes-Kundenteams strategisch eingesetzt werden.

Ohne es offen auszusprechen ärgerte sich Brown darüber, dass die Kundenteams von Mercedes und Ferrari bei der Diskussion um die Reduzierung des Kostendeckels im Mai vergangenen Jahres aus Sympathie zum A-Team gegen eine Absenkung gestimmt hatten, obwohl sie eigentlich von einem möglichst niedrigen Limit profitiert hätten. Das ist natürlich in der Red Bull-Familie nicht anders. Alpha Tauri wird einen Teufel tun, sich gegen den großen Bruder aufzulehnen. Die Entscheidung, wer wie abstimmt, fällt zentral in Salzburg.

In Erinnerung blieb auch, dass Force India bei dem Votum um die Frontflügel-Modifikation für 2019 seinem Motorenpartner Mercedes zuliebe die Regel durchwinkte. Dabei war der kastrierte Frontflügel für das damalige Fahrzeugkonzept des Force India eher abträglich.

Das gleiche Team sucht jetzt Unterstützung von Mercedes, weil man sich durch die 2021er Aerodynamik-Regeln benachteiligt fühlt. "Jetzt macht Mercedes beim Verband Politik, weil Aston Martin mit seiner Kampagne nicht weiter kommt", giftet Marko. Red Bull hat kein Interesse daran, dass der Fall neu aufgerollt wird.

Zak Brown - McLaren - F1
xpb
Zak Brown fordert, dass die Kundenteams anonym abstimmen dürfen, um den politischen Druck der Motorenhersteller zu reduzieren.

Streit um Strafen für Budgetverletzungen

Zak Brown beteuerte zwar, dass es keinen speziellen Anlass für seinen Warnschuss gebe, doch so ganz zufällig ist das Timing nicht. Es sind noch viele wichtige Punkte offen. Das neue Motoren-Reglement, die Regelung der Strafen bei der Budgetdeckelung, die anstehenden Kostendeckel für Fahrergehälter und Motorenentwicklung. Mercedes und Red Bull sind da selten einer Meinung, und das beginnt man sich jetzt verbal um die Ohren zu hauen.

Mercedes würde für Verstöße gegen die Budgetdeckelung neben finanziellen Bußen als Abschreckungsmaßnahme gerne auch Sportstrafen sehen. Das Ausmaß und das Procedere wird mit der FIA und dem F1-Management gerade diskutiert. Laut Wolff hätten Red Bull, Alpha Tauri und Ferrari sich gegen Sportstrafen ausgesprochen.

Marko erwidert: "Wir wollen erst Details sehen, bevor wir abstimmen." Ferrari-Teamchef Mattia traf ein Streifschuss in der aufgeheizten Debatte. Er erwiderte auf die Kritik von Mercedes: "Über die Prinzipien sind wir uns einig. Über die genauen Regularien gibt es noch Klärungsbedarf."

Motorenmarkt als neues Schlachtfeld

Red Bull scherte bei Abstimmungen zur Budgetdeckelung schon vor einem Jahr aus der Liga der Top-Teams aus. Aus dem einstigen Verhinderer wurde ein Hardliner. Der WM-Zweite fordert nun auch vehement Deckelungen bei den Fahrergehältern und in der Motorenentwicklung und macht sich damit bei Mercedes keine Freunde. Mercedes will zwar auch sparen, aber nicht so radikal wie sein WM-Gegner.

Mercedes Fabrik - Brixworth - 2019
Mercedes
Red Bull wildert ordentlich in der Motoren-Fabrik in Brixworth.

Wie immer geht es um eigene Interessen. Lewis Hamilton ist noch teurer als Max Verstappen. Würde das Gehalt ab einem bestimmten Punkt in das Budget des Teams gerechnet, wäre Mercedes schlechter gestellt als Red Bull. Beim Motor würde Red Bull von der schlankeren Organisation profitieren. Sie wird gerade erst aufgebaut. Marko rechnet mit 200 bis 300 Mitarbeitern.

Der Grazer fordert vehement eine Kostenbremse für Motoren. "Die muss deutlich unter 100 Millionen Dollar liegen." Mercedes hätte da mit seiner Motorenfabrik in Brixworth mit 500 bis 600 Angestellten mehr Schwierigkeiten, sich auf eine zweistellige Millionensumme runterzusparen.

Vor allem, weil Red Bull gerade dafür sorgt, dass die Gehälter für Motoreningenieure steigen. Zur Rekrutierung von Personal geht man auch bei Mercedes shoppen. Entwicklungschef Ben Hodgkinson war der erste spektakuläre Transfer. Am Freitag (6.5.) verkündete Red Bull, dass man mit Steve Blewett, Omid Mostaghimi, Pip Clode, Anton Mayo und Steve Brodie noch fünf weitere Top-Ingenieure verpflichtet habe, die früher bei Mercedes auf der Gehaltsliste standen.

Nach außen geben sich beide Parteien noch gelassen. "Red Bull braucht für sein Projekt Leute. Es gibt in England nicht so viele Firmen, wo sie sich bedienen können. Deshalb war es erwartbar, dass sie von uns Leute abwerben. Das ist ein neues Schlachtfeld und ein neuer Teil des Wettbewerbs", bewertet Wolff Red Bulls Abwerbeaktion. Wenn die Mikrophone ausgeschaltet sind, streiten sich beide Parteien darum, wer der attraktivere Arbeitgeber ist.

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