Lewis Hamilton - Mercedes - Max Verstappen - Red Bull - Formel 1- GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021 xpb
Esteban Ocon - Alpine - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Daniel Ricciardo - McLaren - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021 42 Bilder

Zuckerbrot und Peitsche im WM-Duell: Ruhe angesagt

Zuckerbrot und Peitsche im WM-Duell Die Ruhe vor dem Sturm

GP Abu Dhabi 2021

In Saudi-Arabien befanden sich die WM-Gegner noch auf Konfrontationskurs. Je näher das große Finale rückte, umso mehr waren die Fahrer und ihre Teams um Ausgleich bemüht. Gepoltert wurde nur im Hinterzimmer.

In Saudi-Arabien flogen nach dem Ende der bislang spannendsten Folge des WM-Krimis die Fetzen. Red Bull unterstellte den Sportkommissaren, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Mercedes forderte im Umgang mit dem wilden Max Verstappen eine klare Linie und harte Hand. Lewis Hamilton erklärte, dass für alle Fahrer im Feld das Rennfahren zwischen den weißen Linien stattfindet. Für alle bis auf einen. Klar, dass damit Verstappen gemeint war. Verstappen bellte zurück: "Warum darf mich Lewis neben die Strecke drängen und wird nicht bestraft?"

Hinter den Kulissen wurden zwischen dem vorletzten und letzten Rennen weitere Patronen verschossen. Red Bull forderte die FIA in Saudi-Arabien auf, den Unterboden des Mercedes zu untersuchen. Weil der sich angeblich um die Mitte herum nach unten biegt. Mit dem Ziel die Strömung für besseren Topspeed abreißen zu lassen. Der Verdacht wurde in einer Zoom-Konferenz zwischen Mercedes-Chefdesigner John Owen und einem FIA-Delegierten ausgeräumt.

Eine Kampagne gegen Verstappen

Als Rennleiter Michael Masi drei Tage vor dem letzten GP-Wochenende seine "Event notes" an alle Team verschickte, fand sich darin unter Punkt 29 ein Auszug des Internationalen Sportgesetzes. Darin wurde erinnert, welche Strafen die Sportkommissare aussprechen können, falls auf der Rennstrecke gegen Regeln verstoßen wird. Red Bull sah das als Affront gegen sich und Max Verstappen. "Das ist ganz klar eine Kampagne gegen uns. Warum wird dieser Punkt gerade jetzt erwähnt? Den gibt es doch schon immer", schimpfte Sportchef Helmut Marko.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Motorsport Images
Haben die Sportkommissare etwas gegen Max Verstappen?

Als der Formel 1-Tross in Abu Dhabi eintraf, ging es zunächst in dem Stil weiter. Verstappen sah sich unfair behandelt: "Es gelten offenbar nicht die gleichen Regeln für mich wie für meine Kollegen. Ich werde für Dinge bestraft, für die andere davonkommen." Der leitende Sportkommissar Garry Connelly widerspricht: "Wir behandeln jeden Vorfall individuell. Es gibt keine Hexenjagd gegen irgendeinen Fahrer."

Streitpunkt waren das Abdrängen und Überholen neben der Strecke beim GP Saudi-Arabien. Verstappen sah in seinen angeblichen Vergehen eine Kopie der Duelle der Ferrari-Piloten, von dem Zweikampf Lance Stroll gegen George Russell und dem dritten Versuch von Hamilton, ihn in der Zielkurve zu überholen. Die Vorfälle schafften es noch nicht einmal bis zu einer Untersuchung.

Lob statt Protest

Kaum hatten die offiziellen Pressekonferenzen begonnen und kaum saßen sich die Streitparteien gegenüber, schlugen sie einen Schmusekurs an. Mercedes-Teamchef Toto Wolff gab seinem Konterpart Christian Horner sogar die Hand und beschwor ihn: "Lasst uns das WM-Duell fair austragen." Horner erwiderte: "Wir haben immer gesagt, dass wir auf der Strecke gewinnen wollen. Keiner geht mit dem Vorsatz in ein Rennen, den anderen abzuschießen."

Auch von einem Protest gegen Mercedes ist nicht mehr die Rede. "Wir haben unsere Zweifel der FIA klar gemacht, und die hat die Testverfahren verschärft. Wir haben volles Vertrauen in den Verband", beschwichtigte Horner. Wolff betrachtet die Attacken des Gegners plötzlich als Teil des Spiels und nicht als Anschläge unter der Gürtellinie.

Stattdessen lobte der Österreicher den Gegner, den man oft genug verflucht hatte. "Red Bull hat uns mit einer großartigen Saison an unser Limit getrieben. Mit Ferrari war es phasenweise auch hart, nie aber über eine ganze Saison." Horner wiederum machte dem Mercedes ein Kompliment: "Er war nach der Sommerpause das beste Auto. Nur Max hat uns im Kampf um den Titel gehalten. Er hat Außergewöhnliches geleistet."

Toto Wolff - Christian Horner - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
xpb
In der Pressekonferenz gingen Toto Wolff und Christian Horner auf Kuschelkurs.

Jeder redet sich klein

Nach einer Saison voller Kontroversen traten beide Parteien vor der entscheidenden Schlacht auf die Bremse. Ganz anders als bei großen Boxkämpfen, wo der Gegner schon bei der Wiegeprozedur mit Imponiergehabe verunsichert werden soll. Stattdessen machten sich die WM-Gegner absichtlich klein. Mercedes warnte, dass nicht einmal ein 28-Punkte-Vorsprung in der Konstrukteurs-WM ein Ruhekissen ist, und Red Bull baute einer möglichen Niederlage schon einmal vor. "Wer hätte gedacht, dass wir gegen ein Team, das sieben Jahre lang alles gewonnen hat, punktgleich in das letzte Rennen gehen."

Auch der erste Trainingstag verlief unspektakulär. Keine Fouls auf der Strecke, keine bösen Funksprüche, keine Verdächtigungen. Jeder spulte das logische Programm ab, keiner ging Risiken ein. Lewis Hamilton und Max Verstappen wurden mit den ältesten Motoren im Bestand und mit den Standard-Setups auf die Strecke geschickt. Ihre Schattenmänner probierten Alternativen aus. Die WM-Rivalen und ihre Wasserträger waren immer mit identischen Reifenmischungen auf der Strecke. Die Strategen hatten keine Lust zu pokern. Jeder will ganz offensichtlich sein Reifenkontingent für das Rennen gleich zusammenstellen.

Unterschiedlich war nur das Ergebnis. Mercedes startete mit guten Longruns und Balanceproblemen auf eine Runde in den Tag. Am Abend drehte sich das Bild. Hamilton und Bottas führten die Zeitentabelle an, hinkten aber bei den Rennsimulationen hinterher. Red Bull machte es umgekehrt. So herrschte am Abend des ersten Tages wieder ungewohnte Einigkeit in beiden Lagern. Die Aussagen der Ingenieure glichen sich aufs Wort: "Es wird eine lange Nacht. Wir suchen den besten Kompromiss."

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