Red Bull - Formel 1 - GP Mexiko - 29. Oktober 2016 Red Bull
Force India - Bayer Leverkusen - GP Mexiko 2016
Girls - Formel 1 - GP Mexiko - 29. Oktober 2016
Impressionen - Formel 1 - GP Mexiko - 29. Oktober 2016
Nico Hülkenberg - Force India - Formel 1 - GP Mexiko - 29. Oktober 2016 65 Bilder

Red Bull pokert mit Risiko-Taktik

"Entweder richtig oder total daneben"

Red Bull verwirrt die Konkurrenz in Mexiko mit einer alternativen Strategie. Als einzige Fahrer aus dem Spitzenpulk fahren Max Verstappen und Daniel Ricciardo mit den Supersoft-Reifen los. Das kann der goldene Schuss oder ein Holzweg sein. Wir erklären die Idee hinter der Taktik.

Max Verstappen und Daniel Ricciardo starten auf Supersoft-Reifen. Rundherum stehen fast nur Piloten, die mit Soft-Reifen losfahren. Lewis Hamilton, Nico Rosberg, Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel. Teamberater Helmut Marko kommentierte die alternative Strategie süffisant: „Entweder wir liegen richtig oder total daneben.“ Daniel Ricciardo kehrte sein breitestes Grinsen hervor: „Entweder gewinne ich morgen oder lande auf Platz 15. Ich verspreche euch, dass es ein unterhaltsamer Nachmittag wird.“

Geht Red Bull-Strategie auf?

Mercedes und Ferrari planen mit einem Einstopp-Rennen. Auf Soft losfahren, auf Medium aufhören. Das war im letzten Jahr möglich, also sollte es auch in diesem Jahr gehen. Bei ähnlichen Temperaturen. Red Bull setzt ganz klar auf 2 Stopps. Das ist nach Berechnungen von Mercedes über die Renndistanz auf dem Papier um 4 Sekunden langsamer.

Red Bull hat darauf gesetzt, wenigstens ein Auto in die erste Startreihe zu bringen. Um dann mit dem Vorteil des weicheren Reifen in Führung zu gehen und Mercedes den Zeitpunkt des ersten Boxenstopps zu diktieren. „Wenn jeder einen perfekten Start hat, holen wir einen Startplatz auf. Ab 200 Metern hört der Gripvorteil des Supersoft beim Beschleunigen auf. Dann suche ich mir auf der Geraden einen guten Freund, der mich im Windschatten bis zur ersten Kurve zieht“, hofft Ricciardo.

Am Bremspunkt haben er und Verstappen dann wieder den Reifenvorteil. Und natürlich auch in den ersten Runden. Nach Kalkulationen von Mercedes liefert der Supersoft-Reifen knapp 10 Runden die schnelleren Zeiten als der Soft-Gummi. Bei idealen Bedingungen ohne Verkehr. Schaffen es die Red Bull nicht an den Silberpfeilen vorbei, werden ihre Sohlen in den Turbulenzen noch stärker leiden als auf freier Strecke. Verstappen meint unbeeindruckt: „Es liegt an mir und am Setup des Autos, wie lange der Supersoft-Reifen hält.“

Red Bull-Piloten verwirrt von Grip-Mangel

Der Holländer schlug Ricciardo im internen Duell um 79 Tausendstel. Ricciardo wunderte sich: „Meine letzte Runde war die kurioseste, die ich je gefahren bin. In Kurve 6 lag ich 4 Zehntel hinter meiner Marschroute. Ich wollte schon abbrechen, weil ich nur herumgerutscht bin. Plötzlich kriegt mein Auto Grip, so als hätte einer einen Schalter umgelegt. Der Rest der Runde war dann unglaublich. Dass mir trotz des ersten Teils der Runde nur 4 Zehntel auf Hamilton fehlen, ist ein Wunder.“

Auch Verstappen war verwirrt. Der Dritte des Trainings hatte bereits im Q2 die 1.19er Marke durchbrochen, war im Q3 dann aber 82 Tausendstel langsamer. „Ich hatte plötzlich in meinem starken ersten Sektor nicht mehr den Grip wie im Q2. Innerhalb von Minuten war er verschwunden.“

Teamchef Christian Horner lieferte die Aufklärung für Red Bulls alternativen Ansatz bei der Taktik und beim Aufwärmen der Reifen: Während der Großteil der anderen Teams zwei Runden Anlauf nahm, beließen es Verstappen und Ricciardo bei einer. Ricciardo ging zwischendurch mal fremd, kehrte aber zur Verstappen-Taktik zurück. „Ich weiß bis jetzt nicht, ob eine oder zwei Runden besser gewesen wären. Im Q2 habe ich es mit zwei probiert, war aber nicht 100-prozentig happy damit. Bei Max hat es geklappt. Deshalb bin ich wieder zu einer Runde zurück.“

Laut Horner stand hinter einer Aufwärmrunde folgende Überlegung: „Wir wussten, dass wir damit etwas im ersten Sektor verlieren würden, weil der Reifen, da noch nicht ganz da war. Das konnten wir wegen der langen Geraden verschmerzen. Wir haben da sowieso zweieinhalb Zehntel auf die Mercedes verloren. Für uns war es wichtig, dass wir in den Sektoren 2 und 3 die Reifen optimal im Fenster haben. Da gibt es Kurven, da wollten wir unsere Stärken ausspielen.“

Red Bull will Mercedes Zweistopp-Strategie aufzwingen

Red Bull hofft, beim Start wenigstens einen der beiden Mercedes zu überrumpeln. Und ihnen dann über Undercuts die eigene Zweistopp-Strategie aufzuzwingen. Oder auf ein Safety-Car zur rechten Zeit zu warten. Aber warum hat man nicht die Taktik gesplittet und wie in Austin wenigstens einen Fahrer auf Softs gesetzt? Horner: „In Austin waren die Chancen 50:50. Hier 65:35.“

Die Mercedes-Strategen bezweifeln jedoch, dass der Plan aufgeht. „Red Bull kann nicht beliebig früh reinkommen. Sie müssen warten, bis die Lücke zum Verfolgerfeld genügend groß ist, um nicht in den Verkehr zu fallen. Und dann ist der Soft-Reifen schon besser.“

Marko sieht aber auch beim Gegner Fragezeichen. „Wie lange wird es dauern, bis bei Mercedes die Soft-Reifen auf Temperatur kommen, um uns zu kontern? Und halten die Reifen so lange, dass sie sich ein Einstopp-Rennen leisten können?“ Ricciardo sieht die Risiko-Strategie pragmatisch: „Wir können nur mit Risiko gegen Mercedes gewinnen. Und uns tut Risiko nicht weh.“ Bei 53 Punkten Vorsprung auf Ferrari hat Red Bull nach hinten Luft.

Motorsport Aktuell Sergio Perez - Force India - Formel 1 - GP Mexiko - 29. Oktober 2016 Fotos GP Mexiko 2016 (Samstag) Qualmend heiße Salsa-Party

Im Qualifying zum GP Mexiko ging es ordentlich zur Sache.

Mehr zum Thema Red Bull Racing
Alex Albon - GP Belgien 2019
Aktuell
Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
Aktuell
Vettel - Leclerc - Hamilton - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps - Qualifying
Aktuell