Streit um Red Bull-Motoren-Mappings

Red Bull muss wohl zurückrüsten

Red Bull Motor GP Deutschland 2012 Foto: xpb 15 Bilder

Update ++ Red Bull war in Hockenheim mit strittiger Motorsoftware unterwegs. Die FIA will in Ungarn für Klarheit sorgen, was erlaubt ist und was nicht. Für das Vettel-Team sieht es nicht gut aus. Red Bull muss wohl zurückrüsten.

Das Thema ist kompliziert. So kompliziert, dass selbst die FIA-Techniker Nachhilfestunden von ihren Motorenexperten brauchen. Vier Stunden vor dem GP Deutschland wurden Techniker von Red Bull und Renault in die Rennleitung zitiert. "Irgendetwas mit der Motorensoftware ist faul", flüsterte man sich im Fahrerlager zu.

Am Abend zuvor hatte die FIA im Rahmen einer Routineuntersuchung die Motorensoftware aller Teams überprüft und mit den hinterlegten Programmen verglichen. Das ist kein Einzelfall. Schon in Silverstone zapfte FIA-Technikkommissar Jo Bauer die Motorensoftware der Teams ab. Damals bewegte sich alles im Rahmen. Diesmal wurde er stutzig. Im Fall von Red Bull wich das präsentierte Motorkennfeld stark von dem ab, was er in Silverstone gesehen hatte. Und zwar im Vollgasbereich.

Keine genaue Regeln zum Vollgasbereich

Dazu kurz eine Erklärung. Über den Winter waren neben der Auspuffposition auch die Regularien für die Motorkennfelder verändert worden. Man wollte extreme Spätzündung und Einspritzen von Kraftstoff im Schleppbetrieb des Motors zur künstlichen Erzeugung von Auspuffgasen unterbinden, weil dabei nicht nur sinnlos Benzin verbrannt wird, sondern das Wettrüsten in diesem Bereich extrem teuer ist. Zwischen null und 99 Prozent Gaspedalstellung sind die Regeln klar und sehr restriktiv. Nicht aber, wenn der Fahrer das Gaspedal zu 100 Prozent durchdrückt.

Prinzipiell gilt ab diesem Jahr, dass der Drehmomentverlauf abgesehen von kleinen Abweichungen linear mit dem Drehzahlanstieg verlaufen sollte. Die in Melbourne verwendeten Programme wurden bei der FIA hinterlegt. Seitdem haben Mercedes, Renault, Ferrari und Cosworth im Vollastbereich ihre Software verfeinert, sind aber von der ursprünglich hinterlegten Drehmomentkurve um maximal einen Newtonmeter abgewichen. Im Fall von Red Bull in Hockenheim soll die Abweichung das 15-fache betragen haben. Das machte die Inspektoren stutzig.

Größere Abweichungen ab Ungarn verboten?

Wie das englische Magazin "autosport" am Dienstag (24.7.) berichtet, will die FIA noch vor dem Freien Training von Budapest eine neue Direktive herausgeben, um die Auswüchse zu verhindern. Danach sollen künftig nur noch höchstens zwei Prozent Abweichungen in der Drehmomentkurve erlaubt sein. Red Bull muss seine Motorsoftware also wieder auf einen alten Stand zurückrüsten - vom Aufwand her kein großes Problem.

Damit will die FIA verhindern, dass im Bereich der Motorsteuerung ein kostspieliger Entwicklungswettlauf beginnt. Zuvor waren die Regeln nicht ganz präzise geschrieben, was Renault zu einem Trick nutzte, den die FIA nicht bestrafen konnte. Wenn der Fahrer Vollgas gibt, waren in Bezug auf die Drehmomentkurve nur der Anfangswert und der Endwert bei 18.000/min festgelegt, nicht aber was auf dem Weg dorthin passiert.

Bei Red Bull zeigte der Drehmomentverlauf bei Vollgas im mittleren Drehzahlbereich ein beträchtliches Loch auf. Man raunt sich zu, dass kurzfristig über 30 Prozent Leistung abgeknapst werden. Wie Renault das trotz stark eingeschränkter Spätzündung gemacht hat, ist ein Geheimnis. Offenbar ist man da Mercedes, Ferrari und Cosworth wieder einmal weit voraus.

Künstliche Traktionskontrolle und Abtriebspender

Der Trick hat zwei erfreuliche Konsequenzen. Der Motor verliert irgendwo auf dem Weg zur Höchstdrehzahl Leistung. Der Fahrer kann damit früher Vollgas geben, weil er nicht Angst haben muss, dass ihm die Hinterräder durchdrehen. Und das schont die Hinterräder. Die Konkurrenz spricht von einer Art Traktionskontrolle.

Der zweite Effekt ist, dass die überschüssige Energie, die beim Verbrennungsvorgang erzeugt wird, irgendwo hin muss, wenn sie schon nicht an der Kurbelwelle ankommen darf. Sie wird in den Auspuff gesteckt, der in dieser Phase Gase von höherer Intensität erzeugt als das im Normalfall möglich wäre. Das hilft der Aerodynamik und bringt mehr Anpressdruck beim Beschleunigen.

Muss Red Bull zum dritten Mal zurückrüsten?

Nach zwei Stunden Diskussionen kamen die Sportkommissare in Hockenheim darauf, dass sie sich auf dünnem Eis bewegen würden, wenn Red Bull dazu gezwungen worden wäre, auf ältere Kennfelder zurückzugreifen. Im Reglement steht nämlich nirgendwo genau, um wie viel sich die Kennfelder von einem Grand Prix zum anderen unterscheiden dürfen. Red Bull hätte jeden Prozess vor einem Berufungsgericht locker gewonnen.

Die Konkurrenz forderte daraufhin, dass die Regeln schleunigst angepasst werden, um teure Entwicklungen in diesem Bereich zu verhindern. Sollte die FIA das Problem wirklich schon zu Ungarn mit einer neuen Technik-Direktive lösen, wird sich Red Bull wieder einmal unfair behandelt fühlen. Die Ingenieure um Adrian Newey haben in dieser Saison schon wegen strittiger Löcher im Unterboden und einer illegalen Luftführung in den Radnaben zurückrüsten müssen.

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