Red Bull - GP Ungarn 2020 xpb
Red Bull RB16 - F1-Auto für 2020 - Shakedown Silverstone
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Red Bull RB16 - F1-Auto 2020
Red Bull RB16 - F1-Auto für 2020 26 Bilder

Red Bull hat Problem analysiert

Einen Aero-Schritt rückwärts

Red Bull kaut schwer an der Niederlage von Budapest. Jetzt wird intensiv untersucht, wo es hakt. Im Blickpunkt steht die Aerodynamik. Die Ingenieure wollen einen Schritt rückwärts gehen, bevor es wieder vorwärts geht.

Das Rätselraten war groß. Red Bulls Niederlage gegen Mercedes in Spielberg ließ sich noch erklären. Der Red Bull-Ring ist eine Motorenstrecke. Folglich musste auf dem Hungaroring bei 13 Prozent weniger Volllastanteil der Abstand schrumpfen. Doch er wurde größer. Viel größer. Satte 1,402 Sekunden in der Qualifikation. 8,7 Sekunden im Rennergebnis, allerdings mit einem Boxenstopp weniger.

Dass Radsturz, Spur und Nachlauf nach dem Ausrutscher von Max Verstappen auf der Fahrt zum Startplatz während des Rennens nicht mehr im Originalzustand waren, erklärt nicht den eklatanten Zeitverlust. Dieser Red Bull war am Hungaroring außer Form.

Was Max Verstappen und Alexander Albon in Ungarn bremste, war in der Hektik des Wochenendes nicht zu klären. Der Totalumbau der Autos von Freitag auf Samstag und der Rückgriff auf die Aerodynamik-Spezifikation von Budapest sollte den Ingenieuren eine Vergleichsbasis bieten, um nach ihrer Rückkehr anhand von Daten die wahren Gründe für die Unpässlichkeit des Autos herauszufinden.

Beide Fahrer sprachen von einem unberechenbaren Fahrverhalten, das je nach Position in der Kurve zwischen Untersteuern und Übersteuern schwankte. Das schafft natürlich kein Vertrauen. Red Bull verzichtete mit dem älteren Aero-Paket zwar massiv auf Anpressdruck, doch das Auto war wenigstens wieder etwas einfacher zu fahren.

Red Bull - GP Ungarn 2020
Wilhelm
Der Red Bull zeigte sich in Budapest schwer zu fahren.

Wo kommt der Strömungsabriss her?

Bei diesen Symptomen liegt ein Grund meistens auf der Hand. Die Aerodynamik ist nicht stabil genug. Der Abtrieb schwankt je nach Fahrsituation, weil es in dem komplexen aerodynamischen Gebilde zu Strömungsabriss kommt. Je länger die Kurvenfahrt, desto größer das Problem. Der Hungaroring hat zwar viele langsame Kurven, aber die weisen lange Radien auf.

In Österreich hatte Red Bull noch Verbiegungen im Unterboden im Verdacht. Doch das ist laut Sportdirektor Helmut Marko nur ein Teil der Wahrheit. "Nach allen Untersuchungen können wir sagen. Der Hund liegt in der Aerodynamik. Irgendwas mit der Anströmung passt nicht. Verbiegen der Teile ist sicher ein Punkt, aber der Luftstrom reißt auch aus anderen Gründen ab. Zum Beispiel weil die kopierte Mercedes-Nase schlecht kopiert wurde."

Stardesigner Adrian Newey glaubt die Ursache für die Misere zu kennen. "Wir wissen jetzt, was funktioniert und was nicht", bestätigt Marko. "Von dieser Basis aus entwickeln wir weiter. Die Fehler versuchen wir so schnell wie möglich zu korrigieren. Deshalb kommen jetzt auch nicht mehr alle neuen Teile am Stück ans Auto, sondern eins nach dem anderen, damit wir sehen, ob sich da irgendwo ein Fehler eingeschlichen hat."

Max Verstappen - Red Bull - GP Ungarn 2020
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Verstappen war besser als sein Auto. Er rettete den zweiten Platz vor Bottas ins Ziel.

Beim Motor sind Red Bull und Honda die Hände gebunden. Der Spielraum, mehr Leistung zu finden ist begrenzt. Inzwischen haben alle gemerkt, welchen Supermotor Mercedes da gebaut hat. Red Bull rechnet den Leistungsvorteil von Mercedes in eine Rundenzeit von vier Zehnteln um. GPS-Messungen zeigen, dass Mercedes über den Winter massiv an Leistung zulegen konnte, Renault hat im Qualifikationstrim etwas mehr als Honda, während Ferrari grandios abgestürzt ist.

Im Rennen steht Honda dann etwas besser da als Renault. Was auch kein Trostpflaster ist angesichts dessen, was Mercedes an Power auspackt. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas versuchen die Konkurrenz schon zu Beginn des Rennens an die Wand zu fahren. "Bis zum ersten Stopp fahren sie den Motor in einer schärferen Version. Dann gehen sie zurück", weiß Marko.

Der Sieg der Mechaniker

Es geht jetzt bei Red Bull nicht nur um eine schnelle Reaktion. Die nächste Station ist Silverstone. Da steht zu befürchten, dass man noch mehr Prügel einsteckt. Wenn es eine Strecke gibt, die auf die Silberpfeile zugeschnitten ist, dann Silverstone.

Da muss Red Bull nach eigener Aussage auch die Racing Point fürchten. Die Kopie des Vorjahresautos baut ja auf den gleichen Genen auf. Über die Saison betrachtet macht sich Marko keine Sorgen. "Da sollten wir stärker sein. Sie können im Rennen den Speed aus der Qualifikation nicht umsetzen. Und von der Strategie her sind sie auch noch nicht so weit."

Red Bull - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - 18. Juli 2020
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In Budapest verzettelte sich Red Bull mit den Upgrades.

Das Ziel muss aus Sicht von Red Bull weiter Mercedes heißen. Deshalb gehen in Milton Keynes gerade die Lichter nicht mehr aus. "Wir untersuchen und prüfen in alle Richtung, wie wir an Mercedes rankommen können", bestätigt Marko.

Man will sich dabei nicht mit kleinen Projekten verzetteln, sondern prüfen, was im Rahmen der eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten überhaupt noch geht. "DAS ist jetzt erst einmal vom Tisch. Wir müssen erst einmal unsere Fahrwerksprobleme aussortieren."

Was Marko wundert: "Warum demonstriert Mercedes so offen ihre Überlegenheit? Wir haben in unseren guten Jahren nicht versucht, jedes Rennen so krass vorne weg zu fahren. Da hätten uns der Mosley und der Bernie sofort eingebremst. Was trotzdem oft genug passiert ist."

Im Moment feiert Red Bull die kleinen Siege. Zum Beispiel die Meisterleistung der Mechaniker-Crew, auf dem Startplatz in zwölf Minuten eine Lenkstange und eine Druckstrebe an Verstappens Auto zu tauschen. Im ersten Moment glaubte auch Marko nicht mehr an das Wunder.

"Dann hat mir der zuständige Mann versichert, dass es sich ausgeht. Die Jungs haben mit einer unglaublichen Präzision und Geschwindigkeit gearbeitet. Jeder Handgriff hat gepasst. Wir mussten ja noch Zugangspässe unter den Mechanikern tauschen, weil nicht alle die Berechtigung für die Startaufstellung hatten. Zum Beispiel der Spezialist, der mit einem Scanner die Karbonteile auf Schäden untersucht. Was da geleistet wurde, war unglaublich. Es sind halt doch noch Stärken in unserem Team."

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