Red Bull RB9 im Detail

Die 10 Red Bull-Geheimnisse (Folge 2)

Red Bull RB9 Wirbel Foto: Piola 38 Bilder

Sebastian Vettel saß im besten Auto des Feldes. Adrian Neweys RB9 birgt nicht ein, sondern zehn Geheimnisse in sich. In fünf Folgen verraten wir Ihnen, wie viel Technik in diesem Red Bull steckt.

Seit vier Jahren dominiert Red Bull. Auch weil man das beste Auto im Feld hat. Urvater der Weltmeister-Autos von 2010, 2011, 2012 und 2013 ist der RB5 aus der Saison 2009. Das einzige Familienmitglied, das nicht den Titel holte. Aber auch das Auto, auf das Designer Adrian Newey am meisten stolz ist. Der scheidende Red Bull-Pilot Mark Webber führt das Erfolgsgeheimnis auf die Person Adrian Newey zurück: "Ein Rennauto ist immer ein Kompromiss. Adrian hat die Fähigkeit zu sehen, worauf es ankommt, an welcher Stelle er etwas wegnehmen muss, um anderswo umso mehr dafür zu bekommen. Das ist sein Erfolgsgeheimnis."

Ein Auto mit zehn Geheimnissen

Der Red Bull RB9 zeigt wie sein 54-jähriger Chefkonstrukteur tickt. Newey ist ein Extremist. Herausgekommen ist eine Komposition, die so überlegen war, wie selten ein Rennauto zuvor. Sebastian Vettel hat die Gabe, Neweys Technik-Geschenke in Perfektion umzusetzen. Am Anfang verwässerten die unberechenbaren Pirelli-Reifen das Siegerkonzept. Darum betrieb Red Bull eifrig Lobby-Arbeit für die Rückkehr der 2012er Konstruktionen. Was ab dem GP Ungarn passierte. Zusammen mit einer gewaltigen Aufrüstung zur Saisonmitte wurden Vettel und sein Red Bull nach der Sommerpause unschlagbar. Wir erklären Ihnen zehn Geheimnisse eines der besten Formel 1-Autos aller Zeiten. Heute die Y-250-Wirbel und die Kufe.

3. Die Y-250 Wirbel

Sie heißen Y-250-Wirbel und entstehen jeweils 250 Millimeter links und rechts der Fahrzeugmitte. Der Mittelteil des Frontflügels ist vorgeschrieben und erzeugt null Abtrieb. Die daran anschließenden Flügelelemente sehr viel. Der Druckunterschied am Übergang produziert Wirbelschleppen, die sich nach hinten fortpflanzen.

Wer schlecht ist wie Ferrari, dem driften diese Wirbel hinter der Vorderachse im 45 Grad-Winkel nach außen. Wer gut ist, drückt sie nach unten und schafft so im Diffusor zusätzlichen Abtrieb. Wer sehr gut ist wie Red Bull, teilt die Y-250-Wirbel auf. Ein Teil unter das Auto und von dort in den Diffusor, den anderen um die Seitenkästen herum, so dass sie zusammen mit dem Auspuffstrahl auf die Diffusorspalte treffen. Das verstärkt die seitliche Abdichtung und gibt mehr Abtrieb im Heck.

Das Prinzip dabei: Wirbel leiten Wirbel. Man kann es bei hoher Luftfeuchtigkeit an den TV-Bildern gut erkennen. Ferrari produziert wild rotierende Turbulenzen. Red Bull einen schönen Strahl. Und der wird hinter den vorderen Leitblechen wie von Geisterhand Richtung Seitenkasten umgelenkt. Ohne dass er auf irgendein Teil vom Auto trifft.

Force India-Technikchef Andy Green erklärt, wie das geht: "Die Leitbleche im Frontflügel, unter der Nase und vor den Seitenkästen produzieren gewollt Wirbel, die andere Wirbel in gewünschte Bahnen lenken. Newey kommt mir vor wie einer, der die Strömung sehen kann." 

4. Die Kufe

Um die vordere Lippe des Unterbodens, im Fachjargon T-Tray genannt, rankt sich das größte Geheimnis. Was verbirgt sich unter der Beule auf dieser Platte? Die Konkurrenz will auf Fotos Zuleitungen und elektrische Anschlüsse erkannt haben. Zum einen soll ein Ölausgleichbehälter darin untergebracht sein. Macht Sinn, denn das würde den Schwerpunkt senken.

Zum anderen ist darin eine Komposition von Materialen in Bumerang-Form versteckt, die sich während der Fahrt ab einem bestimmten Anpressdruck verbiegen. Der Verdacht, es habe etwas mit der Erwärmung der Kufe beim Aufsetzen auf der Straße zu tun, erhärtete sich nicht. Die FIA-Kontrolleure haben den T-Tray auf 300 Grad erhitzt und keine regelwidrige Verformung festgestellt.

Ob dabei elektrisch über den Piezo-Effekt nachgeholfen, kann nicht bewiesen werden. Komisch sind in dem Zusammenhang zwei Dinge. Auf Fotos sieht man, dass ein Kabel in diesen Bereich der Kufe führt. Das kann aber auch eine Zuleitung für einen Sensor sein. Doch dann klingt uns noch die Aussage eines Renault-Ingenieurs zu der Lichtmaschinen-Misere im Ohr. Der behauptete, dass der Red Bull einen erhöhten Strombedarf habe als alle anderen Kunden. Wir fragen: Wozu?

Die kontrollierte Verbiegung der Kufe ist wichtig, denn so kann man sich einen größeren Anstellwinkel leisten. Wäre die Kufe starr, würde sie sich beim Aufsetzen auf der Straße über das erlaubte Maß abnutzen.

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