Red Bull rutscht im Qualifying zum GP Deutschland ab

Unstimmigkeiten mit Renault

Max Verstappen - Red Bull - GP Deutschland 2018 - Hockenheim Foto: xpb 48 Bilder

Max Verstappen fehlten über sechs Zehntel auf die Pole-Position. Die meiste Zeit verliert Red Bull im Mittelabschnitt. Da ist der Renault-V6 nicht kraftvoll genug. Mit dem Motorenpartner gibt es mal wieder eine leichte Verstimmung, die Renault nicht nachvollziehen kann.

Der Freitag gehörte Red Bull. Das haben wir in der Vergangenheit schon ein paar Mal gesehen. Doch ab Samstag, wenn es um eine schnelle Runde geht, in der die maximale Motorleistung abgerufen wird, fallen die dunkelblauen Autos zurück und die roten und silbernen trumpfen auf. So auch am Hockenheimring. „Eigentlich konnten wir nur in Monaco unseren Vorsprung aus dem Freitagstraining konservieren“, hält Daniel Ricciardo fest.

Max Verstappen erzielte die viertbeste Rundenzeit der Qualifikation in Hockenheim. Sein Teamkollege hingegen kletterte schon nach den ersten 18 Minuten aus dem Auto. Da Ricciardo durch eine Motorenstrafe vom letzten Platz ohnehin startet, sparte sich Red Bull lieber Reifen auf, um es am Sonntag mit einer alternativen Strategie zu versuchen. „Ich werde sicher nicht auf den Ultrasoftreifen wie die Top 10 starten“, verrät der siebenfache Grand Prix-Sieger. Im Kampf um die besten Startpositionen war Red Bull am Samstagnachmittag von Hockenheim ein Einmann-Team.

Red Bull und der Verlust auf Geraden

Gegen Ferrari und Mercedes war Red Bull einmal mehr chancenlos. Sind Sie überrascht vom großen Rückstand, Herr Verstappen. „Nein.“ Warum? „Wir haben weniger Motorleistung. Daran liegt es. Das ist offensichtlich.“ Die Sektorzeiten verdeutlichen Red Bulls großes Problem auf dem 4,574 Kilometer langen Kurs. 0,551 der 0,610 Sekunden verlor Verstappen im zweiten Abschnitt mit zwei Vollgasstücken von Kurve 2 bis 6 und Kurve 6 bis 8. „Dabei gewinnen wir in der Haarnadel durch unsere gute Traktion sogar noch Zeit. Und trotzdem sind wir in diesem Sektor so weit entfernt“, schüttelt Red Bulls Motorsportdirektor Helmut Marko den Kopf.

Im Mittelabschnitt, wo Motorleistung besonders ausschlägt, fuhr Verstappen nur die sechstschnellste Zwischenzeit. Nicht nur die beiden Ferrari von Sebastian Vettel sowie Kimi Räikkönen und der Mercedes von Valtteri Bottas waren schneller, sondern auch Charles Leclerc im Sauber und Kevin Magnussen im HaasF1. Der Ferrari-Motor ist zum Klassenprimus aufgestiegen. „Es ist offensichtlich. Auf allen Powerstrecken sind Ferrari, Haas und Sauber stark“, urteilt Verstappen.

Die Zwischenzeiten (GP Deutschland Quali)

Sektor 1 Sektor 2 Sektor 3 Topspeed
Vettel 15,279 s (P1) 34,159 s (P1) 21,743 s (P4) 322,6 km/h
Bottas 15,419 s (P3) 34,472 s (P3) 21,525 s (P1) 320,8 km/h
Räikkönen 15,461 s (P4) 34,289 s (P2) 21,728 s (P2) 324,7 km/h
Verstappen 15,355 s (P2) 34,733 s (P6) 21,734 s (P3) 312,2 km/h

Die GPS-Daten verraten, so die Red Bull-Ingenieure, dass man auf allen Geraden zusammengerechnet acht Zehntelsekunden auf Ferrari und zwischen sechs und sieben Zehntel auf Mercedes verliert. Verstappens Red Bull kroch auf der Parabolika mit 312,2 km/h durch die Lichtschranke. Das war der drittschlechteste Wert. Zum Vergleich: Die Ferrari sind zehn, respektive 12 km/h schneller.

In den Kurven sieht sich Red Bull bestens aufgestellt. „In praktisch allen sind wir schneller als Ferrari und ein bisschen besser als Mercedes“, behaupten die Ingenieure. Im kurvenreichen Motodrom jedoch gelang Verstappen nur die drittschnellste Sektorzeit. Auf den schnellsten Bottas büßte er über zwei Zehntel ein. Verstappens Erklärung: „Ich lief auf Grosjean auf, der seine Runde abgebrochen hatte. Deshalb geriet ich in seine Turbulenzen und konnte nicht wie eigentlich geplant mit durchgedrücktem Gaspedal durchziehen. Ich musste zwei bis drei Prozent liften.“

Kein neuer Motor für Ricciardo

Den schnellen Rechtsknick der Nordkurve nahm der fliegende Holländer, ohne mit dem Gasfuß zu zucken. „Ich glaube, kein anderer Fahrer ist da mit Vollgas durch.“ Im Rennen sieht sich Red Bull näher dran an Ferrari und Mercedes. „Sie können nur begrenzte Zeit in ihrem Power-Modus fahren. Das sollte uns näher bringen.“ Gerne wäre das Team aus Milton Keynes mit Verstappen strategisch gegen den Strom geschwommen. Im ersten Run von Q2 bestückten die Mechaniker das Auto mit der Startnummer 33 deshalb mit den weichen Reifen. Doch die Unterbrechung, ausgelöst durch den Dreher von Marcus Ericsson, durchkreuzte die Pläne. Red Bull steckte in den letzten Minuten von Q2 lieber auf die weichste Mischung um. Weil Verstappens Runde auf den Softreifen nur zum zwischenzeitlich neunten Platz gereicht hatte. Grund war Verkehr.

Verstappen sieht wie der Teamkollege gute Überholstellen. „In Kurve 6 und 8 kann man die Gegner ausbremsen.“ Ricciardo hat ein langes Rennen vor sich. Der Australier hat seinen Red Bull auf weniger Anpressdruck trimmen lassen, um mit höheren Topspeeds leichter überholen können. „Wir haben mit dem Setup nichts Verrücktes gemacht, aber es sollte helfen.“ Bei einem normalen Rennverlauf rechnet das Strategieprogramm eine Verbesserung auf den sechsten Platz aus. „Das ist ein realistisches Ziel, wenn alle ankommen. Trotzdem wäre ich mit diesem Ergebnis enttäuscht“, sagt der Mann aus Perth.

Zur Überraschung hat es Red Bull beim Austausch von MGU-K, Batterie und Steuereinheit belassen. Warum gibt es für Ricciardo keinen neuen Motor, um das Kontingent an Antriebsteilen aufzustocken? „Fragt bei Renault. Die wollen keinen Motor rausrücken“, heißt es bei Red Bull. Gesagt, getan. Renault-Sportchef Cyril Abiteboul erklärt: „Es gibt auch keine Grund, einen neuen einzubauen. Wir verfolgen eine klare Strategie. Es gibt in dieser Saison einen A-, B- und C-Spec. Derzeit sind wir bei der B-Spezifikation. Der Motor hat noch genügend Reserven bei der Laufleistung. Wir arbeiten daran, in Spa die C-Spezifikation zu haben. Dann gibt es frische Motoren.“

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