Verstappen und Ricciardo saufen ab

Red Bull rätselt über die Reifen

Max Verstappen - Red Bull - GP Ungarn 2018 - Qualifying Foto: sutton-images.com 42 Bilder

Regen und eine Strecke voller Kurven: Es hätte der Tag von Red Bull werden können. Stattdessen scheiterte Daniel Ricciardo im zweiten Quali-Abschnitt und Max Verstappen kam nicht über Rang sieben hinaus. Selbst Toro Rosso war schneller. Red Bull klagt über kalte Reifen.

Red Bulls Motorsportdirektor Helmut Marko ist ein Mann klarer Worte. Der Doktor fasste das Qualifying-Ergebnis in einem Wort zusammen: „Peinlichst“. Red Bull ging im entscheidenden Zeittraining unter. Obwohl die Bedingungen für die dunkelblauen Autos sprachen. Eine verwinkelte Strecke, ein klatschnasser Asphalt: Da glaubte das Fahrerlager, dass die Red Bull plötzlich allen um die Ohren fahren würde.

Falsch gedacht. Max Verstappen schaffte nur die siebtschnellste Rundenzeit. Es fehlten über 2,3 Sekunden auf die Pole-Position von Lewis Hamilton. Dreimal so viel wie auf trockener Strecke im dritten Training. Und 1,8 Sekunden auf den schnelleren der beiden Ferrari. Verstappen klagte sein Leid: „Kein Grip, keine Traktion, ich bin nur gerutscht.“ Das sah man ganz besonders im allerletzten Run. Da blieb Verstappen über 1,3 Sekunden hinter seiner Bestmarke zurück. „Obwohl er die beste Position auf der Strecke hatte“, sagen die Mercedes-Ingenieure. Verstappen hatte freie Sicht, konnte die firschen Regenreifen aber nicht nutzen.

Die Niederlage in der Qualifikation schmerzt besonders. Red Bull reiste im Glauben nach Ungarn, am Hungaroring aus eigener Kraft gewinnen zu können. Der Trainingsfreitag hatte das Team bestärkt. Sowohl auf eine Runde als auch in den Longruns war Red Bull vorne dabei. Einen Tag später sind praktisch alle Sieghoffnungen dahin. Die Trendwende zum Negativen zeichnete sich bereits im dritten Training ab. Ähnlich wie 2017. Die Autos von Verstappen und Daniel Ricciardo waren wie verwandelt. „Irgendeiner hat unsere Autos gereizt“, scherzte der Australier. Red Bull fiel weit hinter Ferrari und sogar hinter Mercedes zurück. Man verzockte sich mit dem Setup und baute vor der Qualifikation wieder auf den Freitagsstand zurück.

Selbst im Trockenen nur Fünfter

Im ersten Quali-Durchgang reihte es zur zweitschnellsten Zeit. Da war es noch überwiegend trocken. Trotzdem hielt Verstappen fest: „Selbst wenn es so geblieben wäre, wären wir Fünfter geworden.“ Auf den Geraden büßt Red Bull zu viel Zeit ein. Der erste Sektor mit der Zielgerade und nur drei Kurven ist die Schwachstelle des RB14. Sieben Zehntelsekunden Verlust sind im kurvigen Teil nicht mehr aufzuholen. Doch im Regen von Budapest, der in Q2 stärker einsetzte, zählte Red Bull zu den Favoriten. Sie erinnern sich bestimmt an Verstappens Fahrt beim GP Brasilien 2016, als er im Regen um die Gegner tanzte. Nichts davon war am Hungaroring zu sehen. Schon auf den Intermediate-Reifen tat sich Red Bull schwer. Der Chassis-Vorteil, den Red Bull glaubt zu haben, war wie weggeblasen.

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Ungarn 2018 - Qualifying Foto: sutton-images.com
Für Daniel Ricciardo war schon in Q2 Schluss.

Statt des Renault-Motors waren dieses Mal die Reifen im Fokus. Red Bull quälte sich mit zu niedrigen Reifentemperaturen. Auf den Intermediates noch weniger als im dritten Quali-Durchgang auf den Vollregenreifen. „Wir konnten sie nicht anzünden“, konstatierte Marko. „Wir hatten 50 Grad kalte Reifen und wissen nicht warum.“ Üblicherweise muss der Vollregenreifen 80 Grad heiß sein, um gut zu haften. Mit zu kalten Reifen schlitterte Red Bull in eine Blamage. Sogar Pierre Gasly im Toro Rosso düpierte den großen Bruder. Der Franzose wurde Sechster. „In Bahrain kam das gute Resultat aus dem Nichts. Heute kam es mehr oder weniger aus dem Nichts. Ich wusste, der Regen spielt uns eine Chance zu. Wir haben sie genutzt“, freute sich Gasly, der sich für den morgigen Rennsonntag wieder eine nasse Piste wünscht. „Normalerweise überrundet uns Red Bull. Aber der Regen würzt das Rennen. Da kannst du unterschiedliche Linien ausprobieren, riskieren und als Fahrer einen Unterschied erwirken.“

Platz fünf und sechs als Maximum für Red Bull

Red Bull hingegen wünscht sich eine trockene Strecke. „Bitte kein Regen“, betet Ricciardo, der im Schlussdurchgang schon zuschauen musste. Was einem Mix aus einer zunächst falschen Reifenwahl, einem daraus resultierenden falschen Timing und Pech geschuldet war. „Nur Vettel hatte in Q2 den richtigen Riecher mit den Ultrasofts. Wir mussten umstecken und hatten Pech. Auf meiner ersten Runde drehte sich Stroll vor mir. Im zweiten Versuch war es schon zu nass für die Intermediates. Ich habe es hinten heraus mit den Vollregenreifen probiert. Man weiß ja nie, ob doch noch irgendein Wunder passiert.“ Es blieb aus. „Irgendwie klebt mir seit Monaco das Pech an den Haken. Ich brauche jetzt die Sommerpause, um runter zu kommen. In letzter Zeit ist es schon frustrierend.“

Für das Rennen hofft Ricciardo, „ein bisschen was von der Magie abzubekommen, die Hamilton in Hockenheim umgab“. Der Hungaroring ist die drittüberholfeindlichste Strecke im Kalender. Man muss schon 1,5 Sekunden schneller sein, um zu überholen. „Ich hoffe auf einen guten Start und gute Bremsen in der ersten Kurve“, sagt Ricciardo. Vom 12. Startplatz dürfte es bei einem normalen Rennverlauf maximal zu Platz sechs reichen. Verstappen sieht sein Maximum in einem fünften Platz. Wenigstens gab es an diesem Qualifying-Samstag eine gute Nachricht für Red Bull. Verstappen darf seinen siebten Startplatz behalten. Die Stewards verzichteten auf eine Strafe. Man hatte untersucht, ob Verstappen im Q3 Grosjean blockiert habe. Die Richter ließen Gnade walten bei schwierigsten Sichtverhältnissen.

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