Christian Horner & Helmut Marko - GP Brasilien 2021 xpb
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen 59 Bilder

Red Bull: Sorgen im WM-Endspurt

Red-Bull-Bammel vor WM-Endspurt Mercedes-Verschleiß als einzige Hoffnung?

Max Verstappen führt die WM mit 14 Punkten an. Trotzdem sieht Red Bull nach Brasilien seine Felle davonschwimmen. Mercedes rast den dunkelblauen Autos auf den Geraden davon. Beim Blick auf die letzten drei Strecken schwindet bei Red Bull der Optimismus

Am Samstag vor dem Sprintrennen in Sao Paulo waren die Red-Bull-Verantwortlichen noch bestens aufgelegt. Mercedes hatte die Schlacht am grünen Tisch verloren. Und Max Verstappen damit zwei Elfmeter auf dem Punkt. "Jetzt müssen wir die Ernte einfahren", forderte Sportchef Helmut Marko. Dem Grazer Doktor war aber da schon klar, dass mit einem Lewis Hamilton immer zu rechnen ist.

Allerdings ging vor dem Sprint im Lager von Red Bull keiner davon aus, dass der Weltmeister von ganz hinten sogar bis auf Platz fünf sprintet. Trotz Strafversetzung wurde Hamilton im Hauptrennen zu einem Gegner. Und obwohl Max Verstappen den Red-Bull-Plan, Valtteri Bottas direkt am Start zu überholen, perfekt umsetzte, raste der Titelverteidiger zum Sieg. So wandelte sich die gute Laune nur 24 Stunden später in Pessimismus.

Red-Bull-Honda rätselt

Hamiltons zwei Aufholjagden in Brasilien waren eigentlich mehr wert als ein Sieg und 25 WM-Punkte. Eigentlich waren es drei Siege. Plötzlich hat Mercedes wieder Oberwasser, und Hamilton praktisch nichts mehr zu verlieren. In Brasilien wurde der Seriensieger mit zwei Strafen und einer Disqualifikation endgültig zum Underdog, und der Druck verlagerte sich ins Lager des Herausforderers.

Hamilton - Bottas - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Wilhelm
Hamilton hatte nichts zu verlieren und gewann am Ende alles.

Mercedes hat die Devise ausgegeben: "Wir gehen voll ins Risiko. Ohne gewinnen wir die Weltmeisterschaft nicht." Verstappen und Red Bull haben mehr zu verlieren. Zwei Mal lag der Niederländer in dieser Saison schon weit vor Hamilton. Wieder ist der Weltmeister dabei, den Rückstand wettzumachen. Das Momentum ist auf seiner Seite. Er hat schon sieben Titel auf der Habenseite. Da lässt sich befreiter fahren, als wenn man dem ersten hinterherläuft.

Wenn es nur das wäre. Red Bull umtreiben nach der Vorstellung von Brasilien große Sorgen. "Wenn Hamilton seinen Vorteil beibehält, sind wir in den letzten Rennen praktisch chancenlos", fürchtet Marko. "Der Hamilton sitzt in einer Rakete. So einen Motor haben wir noch nie gesehen."

Mit dem fünften Antrieb der Saison, so der Red-Bull-Sportchef, sei Mercedes ein signifikanter Zuwachs gelungen. "Bei uns bringt ein neuer Motor zwischen vier und sieben PS. Bei Mercedes sind es circa 20." Ein Rätsel für Red Bull-Honda.

Mercedes-Motor mit Kilometer-Problem

Der Herausforderer machte die Rechnung auf. In Brasilien habe man auf den Geraden rund zwei Zehntel auf Valtteri Bottas und 0,4 Sekunden auf Hamilton verloren. Aus dem Mercedes-Lager kommen andere Zahlen. Die Differenz auf den Geraden sei zwischen Hamilton und Verstappen vielleicht halb so groß gewesen.

Mit dem neuen Motor habe der Weltmeister im Vergleich zu Bottas rund eine Zehntelsekunde gewonnen. Das Triebwerk des Finnen hat auch noch nicht besonders viele Kilometer auf dem Buckel. In der Speedmessung auf dem Zielstrich betrug die Differenz zwischen den Mercedes im Rennen 2,3 km/h (330,3 km/h Hamilton, 328 km/h Bottas).

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Brasilien 2021
xpb
Auf den Geraden hatten die Red Bull keine Chance.

Fakt ist, dass Mercedes auf den Geraden inzwischen wieder klar die Oberhand hat, und sich die Autos in den Kurven auf Augenhöhe bewegen. "Ihr Speed auf den Geraden macht uns Sorgen", sagt Red Bull Teamchef Christian Horner.

Fakt ist auch, dass der Mercedes-Motor in dieser Saison mit starkem Verschleiß zu kämpfen hat. Je mehr Kilometer das Triebwerk drauf hat, desto mehr PS verliert es. Das ist normal, in dieser Saison aber überproportional hoch im Vergleich zu Vorjahren. "Wir haben einen beträchtlichen Leistungsabfall", gibt Teamchef Toto Wolff zu.

Restprogramm pro Mercedes?

Das ist der eine Grund, warum der fünfte Motor ins Auto des Weltmeisters geschraubt wurde. Um in den letzten Saisonrennen nicht mit einem schwachbrüstigen Aggregat auskommen zu müssen. Der andere ist, dass die Zuverlässigkeit noch immer Sorgen bereitet. Auch wenn es Besserung zu vermelden gibt. Aus verschiedenen Richtungen war von Problemen mit dem Ventiltrieb zu hören. Manche sprechen vom Wassersystem, und von Schwierigkeiten rund um die Periphere des Motors.

Vielleicht ist es auch so, dass Mercedes früher den Luxus hatte, die Verkleidung zugunsten der Kühlung ein bisschen mehr zu öffnen. Wer so überlegen ist, konnte es sich erlauben, bei der Aerodynamik ein oder zwei Zehntel zu verschenken. Das geht in dieser Saison nicht mehr, nachdem Red Bull aufgeschlossen hat. Ein Ausfall würde im Meisterschaftskampf das Aus bedeuten. Mit dem bestehenden Motoren-Pool soll es für Mercedes bis Saisonende gehen.

Verstappens Vorsprung von 14 Punkten auf Hamilton sieht man bei Red Bull als nicht ausreichend an, wenn es so weitergeht. Im Gegenteil. Der Herausforderer sieht nach Brasilien den Erzrivalen auf dem Fahrersitz Richtung WM-Titel. Weil mit Katar, Jeddah und Abu Dhabi noch drei Strecken im Programm stehen, die ein paar lange Geraden im Layout haben.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist dagegen optimistisch gestimmt. "Katar ist schwer einzuschätzen. Das könnte uns beiden liegen. In Saudi-Arabien sprechen die langen Geraden für uns. Und in Abu Dhabi gibt es auch ein paar davon."

Katar - Losail International Circuit - Formel 1
F1
Schlägt das Pendel in Katar, Saudi-Arabien und Abu Dhabi noch einmal zu Gunsten von Red Bull um?

Red Bull muss auf sich konzentrieren

Red Bull muss hoffen, dass der Motorenverschleiß bei Mercedes so hoch ist, dass der PS-Nachteil zusammenschmilzt. Die Motorleistung ist aber nur die eine Seite der Medaille. Mit dem Absenken des Hecks gewinnt Mercedes ebenfalls auf den Geraden.

Red Bull fiel in Brasilien auf. "Das Hinterteil senkte sich auf der Zielgerade schon vor dem Punkt für die DRS-Aktivierung weit ab." Dieser befand sich 160 Meter vor Kurve 15, also spät nach Kurve 12, die eigentlich die letzte "echte" Ecke am Ende der Runde ist.

Mit seinem Konzept der hohen Anstellung im Heck kann Red Bull diesen Trick nicht kopieren. Das hohe Hinterteil ist auf den Geraden auch ein gewisser Nachteil, weil dadurch mehr Angriffsfläche entsteht. Der Luftwiderstand steigt. Im Verdacht steht auch noch der Mercedes-Heckflügel. Vor einem Protest dagegen hat der Titelverteidiger keine Angst. Red Bull wäre besser beraten, sich darauf nicht zu versteifen.

Am besten würde Red Bull wohl damit fahren, sich nicht verrückt machen zu lassen. Der RB16B ist ein starkes Auto, der Honda-Motor ein guter Motor. Klar kann man bei der FIA weiter vorstellig werden, wenn man stichhaltige Beweise vorbringt. Der Fokus sollte allerdings auf sich selbst liegen. "Wir müssen uns auf uns konzentrieren", sagt der Teamchef. "Es sind noch drei Rennen, in denen die Weltmeisterschaft ausgespielt wird."

Formel 1 Aktuell Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien 2021 - Rennen Power Ranking GP Saudi-Arabien Red Bull schlägt sich selbst

Der Herausforderer leistete sich in Jeddah zu viele Fehler.

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