Red Bull sucht Motoren

Ist Renault die letzte Rettung?

Red Bull - GP Russland - Sochi - Freitag - 9.10.2015 Foto: ams 61 Bilder

Im Motorenproblem von Red Bull herrscht Stillstand. Alle warten auf ein Wunder. Viele glauben, dass ein Zurück zu Renault die einzige Lösung ist. Doch wie realistisch ist so ein Szenario? Renault weiß noch nicht einmal, ob es überhaupt weitergeht.

Das ist der Status Quo. Mercedes will Red Bull keine Motoren geben. Das Kontingent ist voll. Acht Autos sind laut Mercedes das Maximum. Das ist mit Williams, Force India, Neuzugang Manor und dem Werksteam erfüllt. Ferrari lehnt ebenfalls ab. Maranello hat jetzt herausgefunden, dass man nicht fünf Teams beliefern kann, ohne sich selbst zu schaden. Noch nicht einmal mit alten Motoren. Auch Honda sagte Red Bull ab. McLaren-Chef Ron Dennis legte sein Veto ein.

Red Bull stolpert über seinen Ruf als bester Chassisproduzent im Feld. Jeder hat heute GPS-Messungen und kann sich ausrechnen, wie gut ein Red Bull mit Mercedes- oder Ferrari-Motor wäre. "Wenn wir ToroRosso wären, würden wir überall einen Motor kriegen", klagt Teamchef Christian Horner. "Wir sind einfach zu stark. Alle haben Angst vor uns." Das Problem von Red Bull ist aber auch das Problem von ToroRosso. Mitgefangen, mitgehangen. Ferrari kann schlecht das Team aus Faenza akzeptieren und Red Bull gleichzeitig absagen. Das wäre zu offensichtlich.

Red Bull und Renault: Geht das überhaupt noch?

Welche Hoffnung hat Red Bull noch, auch 2016 in der Formel 1 zu fahren? Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt werden den Autobossen von Fiat, Mercedes und Honda ins Gewissen reden, um die größte Blamage für den Sport noch abzuwenden. Selbst Niki Lauda muss zugeben: "Es wäre eine Katastrophe für den Sport, wenn zwei Teams verschwinden."

BBC-Reporter David Coulthard brachte die These auf, dass Red Bull sich in der Not mit Renault zusammenraufen könnte und den Vertrag doch noch erfüllt. Das würde der Truppe aus Milton Keynes ein Jahr Zeit geben, eine Alternativlösung zu finden. 2017 wird es einfacher an Motoren zu kommen. Dann will die FIA eine Regel einführen, wonach jeder Hersteller eine Mindestzahl an Teams versorgen muss. Abhängig von der Zahl der Teams und Motorenlieferanten.

Red Bull und Renault. Geht das überhaupt? Nach all der schmutzigen Wäsche, die da gewaschen wurde? Vertraglich vermutlich schon. Gerüchten zufolge ist die Scheidung juristisch noch nicht hundertprozentig vollzogen. Für Renault würde eine Fortführung des Liefervertrages bekömmliche 50 Millionen Euro in die Kasse spülen. Und man hätte trotzdem die Sponsoren Total und Infinit für das eigene Werksteam.

Dietrich Mateschitz und Renault-Konzernchef Carlos Ghosn müssten über den eigenen Schatten springen. Und Red Bull müsste eine weitere Saison ohne echte Siegchancen akzeptieren. Einer der Gründe für die Trennung war, dass es bei Renault technisch keine Perspektiven gab. Messungen in Montreal haben ergeben: Der diesjährige Motor ist schlechter als die Version von 2014. Auf Mercedes fehlen zwischen 60 und 80 PS. Er verbraucht mehr Sprit und geht häufiger kaputt.

12 Token, und noch keiner wurde eingelöst

Es ist auch noch gar nicht sicher, ob Renault überhaupt in der Formel 1 bleibt. Im Konzern geht die Angst um, dass die Ingenieure das Motorproblem in absehbarer Zeit nicht lösen können. Die Achillesferse sind der Verbrennungsmotor und der Turbloader. Der elektrische Teil ist im Griff. Doch bei der Hybridtechnologie muss alles zusammen funktionieren. Das ist kein Puzzle, indem man einfach so einen Baustein austauscht.

Renault hatte in dieser Saison 12 Entwicklungs-Token in der Hinterhand. Kein einziger wurde bis jetzt eingelöst. Die Ausbaustufe, die in Sochi debütieren sollte, wurde zunächst verschoben und jetzt offenbar ganz gestrichen. Vier Token waren eingeplant. Man hört, dass es viele Schäden am Prüfstand gab und die Antriebseinheit weit davon entfernt war, die geforderte Laufleistung zu erreichen.

Jetzt überlegt Renault eine abgespeckte Evolution beim GP Brasilien an den Start zu bringen. Dafür sollen zwei Token eingesetzt werden. Der Zeitgewinn wird auf eineinhalb Zehntel prognostiziert. Ein Renault-Ingenieur hatte schon Mitte des Jahres gesagt: „Unser Problem sind nicht die Token, sondern die Lösungen.“

Sollte Renault seinen Laden doch noch zusperren, kommen neue Spannungen auf die Formel 1 zu. Dann müsste Lotus zurück zu Mercedes. Der neue Lotus E24 wurde ursprünglich für den Mercedes-Motor konzipiert. Die Pläne dafür bleiben für alle Fälle in der Schublade liegen. Renault hat bis jetzt nur eine Absichtserklärung unterschrieben. Tritt dieser Fall ein, wird Mercedes in Erklärungsnot geraten. Dann müssen doch ein neuntes und zehntes Auto ausgerüstet werden. Wenn Lotus die Rechnungen vollständig begleicht, gibt es keine Handhabe sie abzuschießen.

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