Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Aserbaidschan - Formel 1 - 29. April 2018 sutton-images.com
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Super-GAU bei Red Bull

„Beide Fahrer müssen sich entschuldigen“

Red Bull hat beim GP Aserbaidschan mindestens 22 Punkte weggeworfen. Max Verstappen und Daniel Ricciardo waren schon drei Mal an einer Kollision vorbeigeschrammt, als es in der 40. Runde krachte. Man gab beiden Fahrern gleich viel Schuld.

Red Bull war nach dem GP Aserbaidschan ein gebrochenes Team. Die Sieger des GP China liefen wie geprügelte Hunde aus dem Fahrerlager von Baku. Red Bull passierte das schlimmste, was einem Team passieren kann. Die beiden Fahrer warfen sich aus dem Rennen. Erinnerungen an den Crash zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber beim GP Türkei 2010 wurden wach. Es war ein Crash mit Ansage. Schon in den Runden 12, 27 und 35 hätte es zwischen den Kurven 1 und 2 um ein Haar gekracht. Ein Mal berührten sich Max Verstappen und Daniel Ricciardo sogar schon mit den Rädern. Ricciardo fand im dritten Anlauf endlich den Weg an Verstappen vorbei. Der Australier war zu dem Zeitpunkt um einen Hauch schneller.

Red Bull griff trotz des Duells, dass sich immer mehr erhitzte, nicht ein. „Wir lassen unsere Fahrer Rennen fahren. Die Duelle waren am Limit, hart, aber fair“, urteilte Motorsportchef Helmut Marko. An einen Taktik-Split, um die beiden Streithähne auseinanderzubringen, dachte man am Kommandostand von Red Bull nicht. „Dabei wird einer deiner beiden Fahrer benachteiligt. Unsere Philosophie war immer, beiden Fahrern die bestmögliche Strategie zu geben“, wehrte Teamchef Christian Horner ab.

Team warnte Fahrer vor einem Crash

Red Bull betete wie Mercedes um ein Safety Car. Es hätte für Verstappen und Ricciardo einen gratis Boxenstopp bedeutet und sie bei 23 Sekunden Rückstand wieder ins Spiel zurückgebracht. „Wir hatten den Speed wie die Spitzenreiter“, beteuerte Horner. Doch irgendwann mussten die Strategen die Reißleine ziehen, wenn sie am Ende des Rennens mit Ultrasoft-Reifen wenigstens noch Lewis Hamilton auf seinen Soft-Gummis einholen wollten. In Runde 37 bekam Ricciardo als der besser platzierte Fahrer den Befehl zum Reifenwechsel. Eine Runde später war Verstappen dran. Horner bitter: „Wir haben auf ein Safety Car gewartet und es selbst zum Nutzen anderer provoziert.“

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan - 29. April 2018
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Daniel Ricciardo ließ nach dem Zusammenstoß den Kopf hängen.

Für Ricciardo erwies sich der frühere Boxenstopp als Nachteil. Die Ultrasoft-Reifen wollten sich nicht so schnell aufheizen wie erwartet, und Verstappen seinerseits profitierte von einem Windschatten auf der Zielgeraden. Damit lag Ricciardo erneut hinter seinem Stallrivalen. Mit jeder Menge Adrenalin im Blut. 35 Runden Arbeit, am anderen Red Bull vorbeizukommen, war umsonst gewesen. Doch der Australier hatte jetzt wieder den Vorteil des Windschatten und von DRS. Der war gut 25 km/h wert. „Du konntest dich bei fast gleich schnellen Rundenzeiten fast nicht wehren“, klagte Verstappen.

Diesmal ging Ricciardos Angriff schon in der Bremszone zur ersten Kurve schief. Verstappen blockierte die Innenspur, zog zuerst leicht nach rechts, dann nach links. Für Ricciardo wurde der Platz auf der Innenseite der Zielgerade immer enger. Direkt an der Boxenmauer lag jede Menge Staub, was den Bremsweg dramatisch verlängerte. So landete der eine Red Bull mit Karacho im anderen. Verstappen hat seine Spur vielleicht ein bisschen zu aggressiv verteidigt, und Ricciardo hätte wissen müssen, dass man auf der Innenspur nicht auf letzter Rille bremsen und dabei noch lenken kann. Christian Horner raufte sich die Haare: „Wir haben vor dem Rennen mit Max und Daniel solche Szenarien durchgespielt und sie ermahnt, nicht das gleiche zu machen wie Perez und Ocon im letzten Jahr. Offenbar haben sie nicht gut genug zugehört.“

Wer trägt die Schuld?

Niki Lauda gab Verstappen zu 70 Prozent die Schuld. Horner und Marko wiegelten ab. „Beide tragen gleich viel Verantwortung. Da kann man keinem mehr oder weniger Schuld geben. Die beiden sollten wissen, dass da 800 Leute für sie an den zwei Rennautos arbeiten. Und dann machen die so etwas.“ Ricciardo und Verstappen gaben sich kleinlaut. Keiner wollte den Unfall aus seiner Sicht kommentieren. „Es war ein chaotisches Rennen, und wir haben den Großteil dazu beigetragen. Wir beide müssen sorry sagen. Das Team lässt uns gegeneinander fahren, und dafür sollten wir dankbar sein. Wir haben versucht, sauber zu kämpfen und uns Platz zu lassen, und haben es auch eine Weile geschafft. Ich werde den Unfall nicht im Detail erklären. Es war unser Worstcase-Szenario. Das bricht mir das Herz“, leistete Riccirado Abbitte.

Auch Verstappen zog sich das Büßerkleid an: „Wir haben unnötig viele Punkte verschenkt. Wir müssen hier keine Schuld verteilen. Daniel und ich fahren für ein Team und vertreten viele Leute. Wenn so etwas passiert, dann ist das nicht gut von und für uns beide. Wir werden daraus lernen und dafür sorgen, dass es nicht mehr passiert.“

Max Verstappen - Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan - 29. April 2018
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Das Chaos nach dem Desaster bei Red Bull.

Der Vorfall in der 40.Runde wird noch ein Nachspiel haben. „Unsere Fahrer werden sich bei allen unseren Mitarbeitern entschuldigen müssen“, ordnete Horner an. Ob es Konsequenzen gibt, ist noch nicht entschieden. „Das müssen wir uns überlegen“, schüttelte Marko enttäuscht den Kopf. Horner baute schon einmal vor: „Kämpfen ja, aber mit einem Sicherheitsabstand.“

Red Bull findet sich plötzlich in der gleichen Situation wieder, in der Mercedes mit der Paarung Hamilton-Rosberg drei Mal steckte. Dort gab seinerzeit es eine klare Warnung an die Fahrer, dass sie im Wiederholungsfall mit Konsequenzen zu rechnen hätten. Bis hin zu Gehaltsabzug und einem Rennen auf der Strafbank. Auch für Ricciardo und Verstappen war es übrigens nicht das erste Mal. Beim GP Ungarn stießen beide in der Startrunde zusammen. Damals lag der Fehler bei Verstappen.

Ärger mit der Energierückgewinnung

Der GP Aserbaidschan stand für Red Bull von Anfang an unter einem schlechten Stern. Im ersten Renndrittel streikte das Energierückgewinnungssystem. Die Batterie gab nicht genug Leistung ab. Der Red Bull-Express verlor die Spitze schnell aus den Augen. „Das Rennen war wegen der Probleme mit der Elektro-Power von Beginn an schwierig. Wir waren langsam und dabei sind die Reifentemperaturen in den Keller. Als das System nach 12 Runden wieder funktioniert hat, hat man gleich gesehen, dass wir doch schnell waren“, erzählte Marko.

Zu dem Zeitpunkt war das Rennen eigentlich schon verloren. Verstappen und Ricciardo hatten die beiden Werks-Renault vor der Nase. Die Spitze lag bereits 25 Sekunden weit weg. Nur ein Safety Car hätte die Red Bull noch retten kommen. Welche Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die Red Bull-Piloten dem Grand Prix in Baku noch eine dramatische Wende gaben. Marko grummelte: „Von der Strategie her mit dem späten Wechsel auf die Ultrasoft-Reifen haben wir alles richtig gemacht, aber wenn die Fahrer nicht die nötige Verantwortung zeigen, was willst du da machen?“ Der 75-jährige Grazer hätte sich ein anderes Geburtstagsgeschenk gewünscht.

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