Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - Testfahrten - Bahrain 2021 xpb
Red Bull RB16B - Studio - F1  - 2021
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Red Bull RB16B - Studio - F1  - 2021 13 Bilder

Red Bull neuer Favorit? Marko bremst Erwartungen

Red Bull der neue Favorit? „Mercedes ist ein fantastisches Team“

Red Bull erlebte drei fast reibungslose Testtage. Der RB16B erfüllt die Erwartungen. Mercedes hingegen strauchelte. Trotzdem lehnt Red Bull die Favoritenrolle ab. Ein Team wie Mercedes könne seine Probleme schnell beheben, glaubt man in Milton Keynes.

Lewis Hamilton spricht beim neuen Red Bull von einem anderen Kaliber als im letzten Jahr. "Sie waren am Saisonende 2020 schon vorne. Vielleicht sind sie es jetzt auch beim Saisonstart." Valtteri Bottas hat das Gefühl, dass es eng werden wird in diesem Jahr. Red Bull hat mit seiner Leistung bei den dreitägigen Testfahrten in Bahrain Eindruck hinterlassen. So sehr, dass viele im Fahrerlager den Herausforderer der letzten Jahre sogar als den Favoriten für die anstehende Saison sehen.

Red Bull lehnt diese Favoritenrolle allerdings ab. Das sei nach 369 fast reibungslosen Runden und der Wochenbestzeit kein Tiefstapeln, sondern "eine realistische Einschätzung". Die Aussagen decken sich mit denen über den Winter. In Milton Keynes ist man weiter selbstbewusst, doch die Politik ist eine andere geworden. Klare und hohe Ziele, ja. Doch statt forscher Ansage übt man sich nun in Zurückhaltung.

Max Verstappen - Red Bull - Test - Formel 1 - Bahrain - 12. März 2021
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Red Bull drehte bei den Testfahrten insgesamt 369 Runden - 65 mehr als Mercedes.

Klarer Favorit weiter Mercedes

Das Team, das seit 2014 in beiden Weltmeisterschaften unbesiegt ist, sei der Gejagte. Wie soll es auch anders sein? "Mercedes ist ein fantastisches Team. Wir gehen nicht davon aus, dass die Saison schon zu unseren Gunsten ausschlagen wird, nur weil bei ihnen die Tests nicht optimal gelaufen sind", sagt Red Bulls Sportchef Helmut Marko.

Ja, auch der große Herausforderer hat vernommen, dass Mercedes diesmal nicht die gewohnte Form auf den Asphalt brachte. Dass Lewis Hamilton einmal von der Strecke ins Kiesbett kreiselte, und einmal um die eigene Achse. Dass dieser Mercedes W12 ein nervöses Heck hat, und der Red Bull dagegen auf dem Untergrund zu kleben scheint. Und trotzdem will Red Bull nicht zu viel in die Testfahrten interpretieren.

Stattdessen verweist der WM-Zweite der Vorsaison auf die Klasse des Titelverteidigers. "Dass sie gewisse Probleme haben, sah man. Aber ein Team, das in den letzten sieben Jahren die WM gewinnt, kann so etwas in kurzer Zeit beheben. Aber wir glauben, dass wir deutlich näher gekommen sind. Trotzdem bleibt Mercedes ganz klar Favorit."

Red Bull mit weniger Benzin

Dass Red Bull den Rivalen bei den Tests um über eine Sekunde abgehängt hat, sei mit verschiedenen Programmen erklärbar. Das wahre Kräfteverhältnis werde man erst an den Grand-Prix-Wochenenden sehen. "Das lässt sich nicht einschätzen, weil Mercedes sicher mit mehr Benzin gefahren ist als wir."

Und noch was. Nie waren die Ergebnisse eines Tests so schwierig zu lesen und zu interpretieren. In Bahrain testeten die Teams bei Tag und in der Dunkelheit am Abend, unter stark wechselnden Streckentemperaturen und verschieden starken Winden. Jeder ging anders heran an die Aufgabe, ein Programm für nur noch drei Testtage zu schreiben, um maximalen Profit aus 24 Stunden zu ziehen.

Auch Red Bull ist noch nicht aussortiert. "Man versteht so ein Auto nie ganz. Hier ist es entscheidend, das Auto an die jeweilige Temperatur-Situation anzupassen. Da ändert sich das Fahrverhalten drastisch – auch weil der Asphalt hier so speziell ist." Dann schiebt der Grazer Doktor nach: "Wir sind guter Dinge. Die Aufgabe bis zum Rennen ist es jetzt, die Daten optimal auszuwerten." Um für wahrscheinlich wieder andere Verhältnisse gewappnet zu sein.

Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
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Der RB16B war unter allen Bedingungen schnell.

Ruhige Straßenlage im Lastenheft

Red Bulls Teamführung erlebte den besten Wintertest der Teamgeschichte. Der Rennstall mit vier Weltmeisterschaften im Steckbrief ist gut aus den Startblöcken gekommen. Dieser Punkt ist im Lastenheft abgehakt. "Wir sind endlich einmal so angetreten, wie man es muss. Das war einer der Verbesserungspunkte. Wenn man eine Weltmeisterschaft gewinnen will, dann muss man beim ersten Test da sein. Das hat geklappt. Wir sind mit einem Auto gekommen, bei dem es keine nennenswerten Schwierigkeiten gegeben hat", erzählt der Le Mans-Sieger von 1971.

Zum gleichen Zeitpunkt 2020 kämpfte Red Bull mit einem widerspenstigen Heck. Es wurde mit vielen Updates über die Saison hinweg bereits beruhigt. Mit dem RB16B sind die Ingenieure einen weiteren Schritt in Richtung einer ruhigen Straßenlage gegangen. Starfahrer Max Verstappen giert nach mehr. "Das Heck kann nie stabil genug sein." Ein Lob gibt es trotzdem für die eigene Mannschaft. "Das war ein guter Start. Bislang ist nichts verkehrt."

Die Auftritt der beiden WM-Rivalen hätten unterschiedlicher nicht sein können. "Unser Auto ist konstanter. Wir hatten das im Lastenheft stehen. Ein Auto, das auf allen Strecken schnell ist und das keine Zicken macht. Das hat jetzt Mercedes. Das Auto sieht sehr nervös aus", urteilt Sportchef Marko. Mercedes hat sich auf Ursachenforschung begeben. Erste Lösungsansätze verspricht sich der Dauerweltmeister von einem Filmtag am Dienstag (16.3.2021).

Die Laufleistung ist dort allerdings auf 100 Kilometer begrenzt. Das entspricht auf der GP-Variante des Bahrain International Circuit nur 18 Runden, die dazu auch noch auf Demo-Reifen gefahren werden müssen. Trotzdem kann Mercedes beim Filmtag Fortschritte machen, ist Marko überzeugt. "Man kann sicher einiges lernen. Aber natürlich nicht so viel wie in einem normalen Test."

Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
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Helmut Marko glaubt, dass Neuzugang Sergio Perez ab dem ersten Rennen bei der Musik ist.

Honda auf Mercedes-Niveau?

Mit dem RB16B hat Red Bull eine stabilere Aerodynamikplattform gefunden. Das sah man allein schon daran, dass das Auto auch dem teils starken Wind trotzte. Die Windanfälligkeit war in der Vergangenheit eine der Schwächen. Das neue Auto machte unter allen Bedingungen eine gute Figur. "Das Auto reagiert auf Setupveränderungen, wie wir es erwarten", lobt Verstappen.

Und auch der Motorenpartner hat geliefert. Helmut Marko ist zufrieden mit den Fortschritten, die Honda über den Winter gemacht hat. Wie bei Mercedes ist der Sechszylinder-Turbo eine komplette Neuentwicklung. "Es ist ein Fortschritt, sowohl in der Leistung als auch bei der Fahrbarkeit." Doch auch hier lässt sich der Doktor nicht zu einer Kampfansage hinreißen – im Wissen um die Stärke des Erzrivalen.

Hat Honda mit Mercedes beim Motor gleichgezogen? "Wenn Mercedes Stillstand gewahrt hätte, dann ja. Aber davon gehen wir nicht aus. Ich glaube aber, dass der Rückstand nicht so krass ist wie im Vorjahr, wo Mercedes ja auf die verwunderliche Ferrari-PS-Vermehrung reagiert hat, und selbst einen gewaltigen Schub gemacht hat."

Marko stärkt Perez

Zum Schluss gibt es noch ein Lob für den Neuling im Team. Sergio Perez erfüllt die in ihn gesteckten Erwartungen."Sein Longrun war der schnellste, soweit ich das gesehen habe. Da ist er seinem Ruf als Reifenspezialist und gleichzeitig Schnellfahrer komplett gerecht geworden."

Der Mexikaner selbst hat sich eine Schonfrist von fünf Rennen eingeräumt. So lange dauere es vermutlich, bis er bei 100 Prozent mit dem Auto sei. Das klang so, als würde da einer Niederlagen schon einmal vorbeugen. Marko sieht es anders. "Ich glaube nicht, dass er so lange braucht. Vielleicht für eine Qualifying-Runde. Aber im Rennen geht das sicher gleich vom ersten Grand Prix weg."

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