Red Bull unter Druck

McLaren hat einen Reifenjoker

Button presst sich beim GP England an Massa vorbei Foto: Reinhard, Wilhelm 35 Bilder

Red Bull ist eingeholt. Nicht nach Punkten, aber beim Speed. Das lässt im Fahrerlager alle rätseln. Wie konnten McLaren und Ferrari so stark aufholen. Während Ferrari das Auto stark umbaute, setzt McLaren auf einen Reifenjoker.

Im Training kann Red Bull die Angriffe von McLaren und Ferrari noch abwehren. Aber da muss Sebastian Vettel schon zaubern. Im Rennen hat sich die Hackordnung verschoben. Da sind McLaren und Ferrari an Red Bull vorbeigezogen. Die Titelverteidiger haben von den letzten fünf Rennen nur eines gewonnen. Das kann kein Zufall sein. "Keiner der Siege wurde unseren Gegnern geschenkt", gibt Mark Webber zu.

Ferrari mit Red Bull-Kopie

Seitdem rätselt Red Bull, wo der Vorsprung verloren ging. Oder was McLaren und Ferrari anders machen als zuvor. Bei Ferrari ist die Frage einfacher zu beantworten. Man hat schrittweise das ganze Auto umgekrempelt, quasi eine bessere Red Bull-Kopie gebaut. Besser, weil der Ferrari mit den Reifen länger haushält. Das konnte er schon immer. Jetzt hat man aber auch das Problem des Aufwärmens besser im Griff. Nicht so gut wie McLaren, aber gut genug, um auch bei drei Mal kühlen Bedingungen nicht abzustürzen.

McLaren hat sich nach zwei Durchhängern in Valencia und Silverstone aufgerappelt. Dabei wurde der MP4-26 seit Silverstone nur noch in Nuancen verändert. Der größte Hoffnungsträger wanderte am Freitag abend immer in den Transporter. Erst in Spa wird der neue Heckflügel debütieren, der in DRS-Stellung zehn km/h mehr Topspeed bringt als der alte. Ansonsten wurden die Heckflügelendplatten verfeinert, hinten die Bremsbelüftungen modifiziert und der Auspuff anders positioniert. Mit freiem Auge kaum erkennbar.

McLaren versteht die Reifen besser

Trotzdem geht der McLaren seit zwei Rennen wie die Feuerwehr. Und das hat nicht nur mit dem kalten Wetter am Nürburgring und in Budapest zu tun. Wie auto motor und sport in seiner neuesten Ausgabe (18/2011) berichtet, liegt der größte Fortschritt im besseren Verständnis der Reifen. Sie kommen jetzt nicht nur schnell auf Temperatur, sie halten auch länger als bei Red Bull.
Das Geheimnis hat einen Namen. Hiroshi Imai war bis 2009 Chefingenieur bei Bridgestone. Er kennt das Reifen-Einmaleins. Es hat ein bisschen gedauert, bis er die Pirelli-Walzen entschlüsselt hat, aber dafür scheint jetzt ein Durchbruch gelungen zu sein. So wurde auch das Rätsel der hohen Reifentemperaturen in Valencia gelöst. Die Bremsen waren schuld. Sie wurden zu heiß, und die Hitze übertrug sich auf die Reifen. Seither hat McLaren viel Detailarbeit in die hinteren Belüftungsschächte der Bremsen gesteckt.

Reifenexperten sind gefragt. Wer die Gummiwalzen richtig nutzt, gewinnt mehr als mit einer neuen Frontflügelendplatte. Aus dem gleichen Grund sind auch die Force India seit einigen Rennen aus dem Stand schnell ohne dass sie später im Rennen mit hohem Verschleiß bezahlen. Sportdirektor Otmar Szafnauer heuerte über den Winter Imais Nachfolger Jun Matsuzaki an. "Wir kriegen immer mehr Sicherheit, wie wir den Pirelli-Reifen behandeln müssen, damit er sofort Grip liefert, aber trotzdem nicht zu schnell abbaut. Es sieht so aus, als hätten wir das Problem mit den Hinterreifen im Griff." Schlechte Nachrichten für Renault, Sauber, Williams und ToroRosso.

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