Red Bull-Urteil am Dienstag

Mercedes fordert härtere Bestrafung

Daniel Ricciardo - GP Australien 2014 Foto: xpb 11 Bilder

Das Urteil im Red Bull-Berufungsverfahren zur Disqualifikation von Daniel Ricciardo wird erst für Dienstag (15.4.2014) erwartet. Red Bull plädiert anhand neuer Beweise für Freispruch, die FIA für eine Beibehaltung der Disqualifikation. Nur Mercedes fordert eine härtere Strafe.

Es war ein Sitzungsmarathon über sechs Stunden und fünf Minuten. Am Ende sind wir so schlau wie vorher. Die FIA wirft Red Bull weiter vor, nach Gutsherrenart die Regeln auszulegen. Es sei eindeutig, dass Ricciardo beim GP Australien sowohl nach der unkorrigierten Red Bull-Messung als auch der Red Bull-Auslegung mit FIA-Korrekturfaktor deutlich über dem Limit von 100 kg/h gelegen sei, wenn man die Messwerte des FIA-Sensors zugrundegelegt.

Red Bull zweifelt diese Werte an, weil ihrer Meinung nach der Sensor zwei Mal ohne Vorwarnung und ohne Änderungen der Motordaten eine höhere Durchflussmenge angezeigt habe. Einmal bei der letzten Ausfahrt des ersten Melbourne-Trainings gleich um 1,2 Prozent, und ein zweites Mal in Runde 37 des Rennens um weitere 1,3 Prozent. Das habe einen Wettbewerbsnachteil von 0,4 Sekunden pro Runde ergeben.
 
Sensorenmeldungen im Auspufftrakt würden mit der angeblich erhöhten Durchflussmenge nicht korrespondieren, was ein zusätzlicher Beweis für die Fehlfunktion von Sensor FF73 sei. Für beide Unregelmäßigkeiten habe die FIA keine schlüssige Erklärung. Motorenexperte Fabrice Lom flüchte sich entweder in Spekulationen, oder er ignoriere die Fakten, hieß es bei Red Bull.

FIA verlangt Beweise von Red Bull

Die FIA kehrt die Beweislast um. Sie habe genügend Indizien dafür, dass im Fall von Red Bull die Sensoren korrekt und verlässlich angezeigt hätten. Es sei die Aufgabe von Red Bull, Fakten zu liefern, dass dies nicht der Fall gewesen sei. Nur dann könnten sie sich über die Anweisungen der Rennleitung hinwegsetzen, die in der fünften Runde in Person vom Motorenmann Lom das Team aufforderte, die Durchflussmenge um den vorher ausgewiesenen Korrekturfaktor nach unten zu korrigieren.

Red Bull war auch nicht in der Lage schlüssig zu erklären, warum der fünfte Sensor, der im Ersatzchassis eingebaut war, während des Wochenende samt der Karbonröhre zur Inspektion nach England zurückgeschickt wurde, ohne ihn je auszuprobieren.

Ist eine Technische Direktive eine Regel?

Red Bull-Anwalt Ali Malek bestreitet, eine Regel gebrochen zu haben. Die Einlassung der FIA, dass der Gill-Sensor im Tank das einzig zulässige Messinstrument sei und man nur mit ausdrücklicher Genehmigung auf die eigenen Werte zurückgreifen könne, wird von den Red Bull-Rechtsgelehrten vom Tisch gewischt.

Genauso wie das Argument, dass die Werte der Teams nicht das Resultat einer Messung, sondern einer Hochrechnung von Daten sind und damit bestenfalls eine Annäherung an die Wirklichkeit. "Wir konnten zeigen, dass unsere Messungen genauer sind als die der FIA", führten die Red Bull-Advokaten aus.
 
Zum Streitpunkt der Verbindlichkeit von technischen Direktiven behaupten die Justitiare des Angeklagten: "Die Forderung nach Erlaubnis der FIA für die Ersatzmessung ist nirgendwo im Reglement zu finden. Es lässt eindeutig zwei Messverfahren zu. Die Ersatzlösung ist anwendbar, wenn berechtigte Zweifel an der korrekten Funktion des ersten Messgeräts bestehen. Dass wir dafür die Erlaubnis der FIA brauchen, steht nur in einer technischen Direktive. Wie wir wissen, handelt es sich dabei um eine Interpretation der Regeln und nicht einen verbindlichen Paragrafen."
 
FIA-Anwalt Sebastien Bernard belehrte seinen Red Bull-Kollegen Michael Lazarus: "Red Bull hat sich heute in seiner Dokumentation auf mehrere Technische Direktiven berufen. Warum erkennen sie die eine Direktive an, die andere nicht? Sie können sich nicht nur die Kirschen herauspicken, wie es ihnen passt."

Mercedes stellt Red Bull an die Wand

Zum Schluss mischte sich auch noch Mercedes ein. Während Williams, McLaren, Force India lediglich als Beobachter nach Paris gereist waren und ihre Statements vorher schriftlich abgaben, warf sich Mercedes-Anwalt Paul Harris mächtig ins Zeug. Der Engländer ist als Bulldogge bekannt.

Seine Ausführungen zeigten, dass Mercedes mit Red Bull noch eine Rechnung offen hat. Vor einem Jahr forderte Red Bull eine drastische Bestrafung von Mercedes im Reifentest-Skandal. Man schlug 180 WM-Punkte Abzug vor. Das hat man in Brackley nicht vergessen.

Harris profilierte sich im Verlauf der Verhandlung als besserer Vertreter der Anklage als der Anwalt der FIA. Er warf Red Bull Selbstgerechtigkeit vor bezichtigte das Team, gleich mehrere Regeln gebrochen zu haben.

In einer Art Retourkutsche nahm er Bezug auf die Bestrafung von BAR nach dem Tankbetrug 2005. Das englische Team wurde damals für drei Rennen gesperrt. Die Sperre wurde auf Bewährung auf ein weiteres halbes Jahr ausgeweitet.

Harris schätzte den Fall Red Bull als noch gravierender als die Causa BAR ein. Weil man absichtlich die Anweisungen der Rennleitung ignoriert habe und dies zu verschleiern versuche. Harris schlägt dem Gericht deshalb eine Ausweitung der bestehenden Strafe vor.

Sollte Red Bull ein weiteres Mal absichtlich die Regeln breche, müsse man über eine bedingte Strafe als Abschreckung nachdenken. "Nur das würde verhindern, dass Red Bull das gleiche wie in Melbourne noch einmal macht."

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