Christian Horner - Red Bull - GP England 2021 - Silverstone xpb
Lewis Hamilton - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Lewis Hamilton - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Charles Leclerc - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Tom Cruise - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021 46 Bilder

Red Bull prüft Optionen: Unfall kostet 1,8 Mio. $

Red Bull prüft alle Optionen Verstappen-Unfall kostet 1,8 Millionen

Die Red-Bull-Bosse sind aufgebracht. Teamchef Christian Horner sieht die Schuld für den Unfall zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton weiter ausschließlich beim Weltmeister. Den Schaden beziffert er auf 1,8 Millionen US-Dollar. Red Bull erwägt, gegen das Urteil der Sportkommissare vorzugehen.

Es ist das zweite Millionengrab der Topteams in dieser Saison. Der Zusammenprall von Valtteri Bottas in Imola mit Williams-Pilot George Russell kostete Mercedes geschätzt 1,4 Millionen US-Dollar. Bei Red Bull sind es sogar noch 400.000 Dollar mehr. Teamchef Christian Horner spricht nach der Kollision seines Schützlings mit Lewis Hamilton in Silverstone von einer Summe von 1,8 Millionen US-Dollar. Das sind derzeit umgerechnet 1,53 Millionen Euro.

Das verlorene Rennen ist das eine. Die Nachwirkungen werden noch später im Jahr zu spüren sein. "Dieser Unfall hat massive Auswirkungen in der Budget-Cap-Ära", klagt Horner. Seit dieser Saison sind den Teams Grenzen gesetzt. Sie dürfen nicht mehr ausgeben, was der Geldbeutel hergibt, sondern maximal 149,8 Millionen US-Dollar – exklusive einiger Ausnahme wie die Motoren.

Zwar reserviert jedes Team eine gewisse Summe aus dem Topf für anfallende Reparaturen und Ersatzteile – basierend auf den Erfahrungswerten der Vorjahre –, doch ein solcher Crash zwingt insbesondere die Topmannschaften zur Umschichtung von Budgets. Und weil ihre Arbeit unter dem Budgetdeckel ohnehin auf Kante genäht ist, schmerzt jeder Eingriff umso mehr. Es muss an irgendeiner anderen Stelle gespart werden.

Vor diesem Hintergrund ist Red Bull die 10-Sekunden-Strafe gegen Hamilton zu milde ausgefallen. Zumal der Mercedes-Star trotzdem gewann. Deshalb erwägt die Teamführung weitere Schritte. "Angesichts der Schwere des Unfalls und der nachsichtigen Strafe schauen wir alle Daten an. Wir haben das Recht, um eine Überprüfung des Falls zu bitten. Wir schauen deshalb nach Beweisen und ziehen all unsere sportlichen Optionen in Betracht." Die Erfolgsaussichten tendieren Stand heute jedoch gegen null. Die Schiedsrichter fällten eine Tatsachenentscheidung.

Max Verstappen - Red Bull - GP England 2021 - Silverstone
Motorsport Images
Red Bull ist weiter sauer: Der Unfallwagen kostet 1,8 Millionen US-Dollar.

Verstappen nie verfehlen können

Red Bull ist auch Tage nach dem einschneidenden Silverstone-Rennen aufgebracht. Der große Schaden. Die Sorgen um die Gesundheit des Piloten. Das Urteil der Sportkommissare. Der Auftritt des Erzrivalen. Der exzessive Jubel nach dem Grand Prix. Der Stachel sitzt tief. Vor allem, weil Red Bull seinen Starfahrer bereits auf dem Weg zum Sieg sah. Ein Erfolg beim Heimspiel des Gegners. "Wäre Max durch Copse Corner gekommen, glaube ich nicht, dass ihn Hamilton an diesem Nachmittag noch einmal gesehen hätte", meint der Teamchef.

Wer die Schuld am Unfall trägt, darüber gibt es bei Red Bull keine zwei Meinungen. "Hamilton hat spät gebremst und wäre über die Kurve hinausgeschossen. Mit seiner Geschwindigkeit hätte er nie den Kurvenscheitel bekommen, und auf seiner Flugbahn durch Copse hätte er Max nie verfehlen können. Selbst mit Verzögern nach dem Unfall ist er zu weit raus gegangen." Horner stellt klar, dass aus seiner Sicht am Rennsonntag von Silverstone nicht sein Fahrer, sondern der Weltmeister der Unnachgiebige gewesen sei. Der enorme Druck auf den Schultern des Titelverteidigers habe zu erhöhtem Risiko geführt.

Ihm stößt das Narrativ der Medien und insbesondere von Mercedes auf. "Ich hatte das Gefühl, dass die Beschreibung, Max sei zu aggressiv gewesen, nicht gerechtfertigt ist. Max hat keine Strafpunkte in seiner Akte. Er wurde seit Jahren nicht für eine Fehleinschätzung auf der Strecke schuldig gesprochen. Der aggressive, 17 Jahre alte Rookie, auf den sich Hamilton bezieht, ist nicht der Max Verstappen von heute. Genauso wenig wie der damalige Lewis Hamilton nicht der heutige ist." Horner kommt zu dem Schluss: "Die Realität ist, dass Hamilton sein Gegenstück in einem jetzt konkurrenzfähigen Auto gefunden hat. Ich stimme zu, dass beide Fahrer sich mit Respekt begegnen sollten, aber Hamilton war der Aggressor am Sonntag."

Hamilton & Verstappen - Formel 1 - GP England 2021
xpb
Hamilton und Verstappen duellieren sich mit dem Messer zwischen den Zähnen um den WM-Titel.

Horner mit Kritik an Wolff

Red Bulls Teamchef erneuerte zudem seinen Vorwurf, dass Mercedes-Teamchef Toto Wolff nicht hätte zu den Sportkommissaren gehen dürfen. "Das habe ich in meinen über 16 Jahren als Teamchef während eines Rennens nie gemacht. Es ist in etwa so, als wolle man die Jury beeinflussen, bevor sie ihr Urteil spricht. Nachdem ich das gehört habe, bin ich selbst zu den Kommissaren, um den Punkt aufzubringen, dass keiner von uns hier sein sollte." Die FIA hat inzwischen klargestellt, dass man ein solches Verhalten in Zukunft nicht mehr tolerieren wird – egal von welchem Team.

Das wichtigste ist, dass es dem Unfallfahrer selbst verhältnismäßig gut geht, und er sich keine schwere Verletzung zuzog. Der Einschlag mit einer Verzögerung von 51g im Reifenstapel hatte den WM-Führenden benommen geschlagen, ihm Prellungen und blaue Flecken zugefügt. Doch keine inneren Verletzungen oder eine Gehirnerschütterung. Der Sitz brach. "Das Auto hätte sich durch die Wucht des Einschlags auch leicht überschlagen können. Zum Glück ist das nicht passiert. Zum Glück sind die Sicherheitsstandards so hoch und die Barrieren so gut." Am Sonntagabend nach dem Rennen gegen 22 Uhr durfte Verstappen bereits das Krankenhaus verlassen. Nach einer Nacht im Hotel ging es auf die Heimreise nach Monaco.

Der Unfall ist noch nicht abgehakt. Doch Red Bull will daraus auch neue Motivation ziehen. "Max ist fest entschlossen, den schwersten Crash seiner Karriere hinter sich zu lassen und ihn als zusätzliche Motivationsspritze zu verstehen – genauso wie wir als Team."

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