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Red Bull verzweifelt an Mercedes

Verstappen-Fehler kostet erste Startreihe

Max Verstappen - Red Bull - GP Australien 2018 - Melbourne - Qualifying Foto: sutton-images.com 41 Bilder

Red Bull ist mit seinen Fortschritten gegenüber 2017 zufrieden. Trotzdem liegt man über sieben Zehntelsekunden hinter Mercedes. Grund sei der Power-Modus der Silberpfeile. Mit einer fehlerfreien Runde hätte Max Verstappen zumindest die Ferrari schlagen können.

24.03.2018 Andreas Haupt

Daniel Ricciardo spricht zuerst von einem Schlag in den Magen. Dann streckt der Australier beide Hände nach oben und klappt jeweils den mittleren Finger aus. Ricciardo grinst und flappst. „Was Mercedes mit uns allen heute gemacht hat, war in etwa das, was ich hier gerade mache.“ Um es jugendfrei auszudrücken: Ricciardo meint, Mercedes habe die Konkurrenz im Qualifying vorgeführt. Nach Belieben. Im ersten und zweiten Qualifying-Teil war es noch eng gewesen. Auch in der ersten Runde im entscheidenden Abschnitt lagen Mercedes, Red Bull und Ferrari dicht zusammen. Bis Lewis Hamilton den Hammer auspackte.

Renault-Quali-Modus macht 2 Hundertstel aus

Oder wie Red Bull meint: Bis Mercedes die Motorleistung hochfuhr und der Konkurrenz um die Ohren fuhr. „Es war gut, dass sie ihren Power-Modus benutzt haben. Das öffnet den Leuten endlich die Augen“, sagt Red Bulls Motorsportkoordinator Helmut Marko. Für den Doktor und seine Mannschaft ist der Power-Modus der Silberpfeile schon seit Jahren ein Ärgernis. „Alles Blödsinn. Alle haben einen Power-Modus. Die langsamen schieben es nur auf den Motor, dass sie hinter uns liegen“, echauffiert sich Mercedes-Außenminister Niki Lauda. „Das Auto, der Motor und Lewis haben heute den Unterschied gemacht. Mit so einem großen Vorsprung habe ich zwar nicht gerechnet, aber es beruhigt mich ungemein.“ Marko spottet: „Wir können die Leistung hochfahren, ja. Das macht zwei Hundertstel aus.“

Red Bull ist überzeugt, mit seinem Chassis mindestens auf Mercedes-Niveau zu sein. Wenn nicht sogar besser. „Man muss nur mal die Runden übereinander legen. Dann erkennt man sofort, dass wir alles auf den Geraden verlieren. In allen Kurven sind wir mindestens gleich schnell“, sagt der Le Mans-Sieger von 1971. Bei der Messung des Topspeeds 170 Meter vor Kurve eins sind die Red Bulls rund sechs km/h langsamer als die Mercedes. „Mit ihrer Leistung können sie ganz andere Einstellung fahren und größere Flügel draufpacken. Wenn wir so fahren würden, würden wir auf den Geraden noch mehr einbüßen.“

Mercedes schiebt es auf die Reifen

Hamilton steigerte sich in seinem zweiten Run in Q3 um fast neun Zehntelsekunden. Red Bull und Ferrari nur um zwei bis drei Zehntel. Mercedes schiebt den Zeitgewinn nicht auf eine höhere Leistungsausbeute des V6-Turbos, sondern auf die Reifen. Hamilton musste aufgrund der roten Flagge, ausgelöst durch den Unfall von Teamkollege Valtteri Bottas, seinen ersten Run auf halber Wegstrecke abbrechen. Für den zweiten Versuch gaben ihm die Mechaniker den angefahrenen Ultrasoft-Satz wieder mit auf den Weg. „Die Reifen haben einfach überhitzt. Die frischen Reifen im zweiten Versuch konnte Lewis so managen, wie er es wollte. Das hat den Unterschied gemacht“, sagt Lauda.

Daniel Ricciardo - Red Bull - Qualifying - GP Australien 2018 - Melbourne Foto: sutton-images.com
Daniel Ricciardo wandert am Start um drei Positionen nach hinten.

Bei Red Bull rechnet man nicht damit, dass man am Rennsonntag nach den Sternen greifen kann. Obwohl man mit dem Supersoftreifen im ersten Teil des Rennens flexibler ist als Mercedes auf Ultrasoft. „Mit dem Supersoft am Start können wir eine Einstoppstrategie durchziehen“, erklärt Ricciardo. „Hoffentlich geraten die anderen in Schwierigkeiten und müssen auf zwei Boxenstopps umsatteln.“ Marko urteilt: „Nur wenn Mercedes in gravierende Reifenprobleme kommt, haben wir eine Chance“. Stattdessen visiert Red Bull Ferrari an.

Der Abonnement-Weltmeister von 2010 bis 2013 ist überzeugt, dass Verstappen beide Ferraris im Qualifying hätte knacken können, die mit einem halben Zehntel Vorsprung sich mehr als nur in Reichweite befanden. Hätte Verstappen es in Kurve 13 nicht übertrieben. „Ich habe den Scheitelpunkt verpasst und bin auf den Kunstrasen gekommen. Danach stand das Auto kurz quer. Die Reifen überhitzten. Das hat mich zwei Zehntelsekunden gekostet. Dann wäre ich vor Ferrari und auf eine halbe Sekunde an Lewis dran gewesen. Wenn ich die drei bis vier Zehntel für ihren Power-Modus herausrechne, haben wir einen wirklich guten Schritt über den Winter gemacht“, hält der 20-Jährige fest. Hätte Verstappen seine drei besten Sektoren in eine Runde gepackt, wäre er insgesamt um 0,104 Sekunden schneller gewesen. Das hätte für Ferrari gereicht. Aber: Auch Sebastian Vettel war nicht ganz zufrieden mit seiner Runde. „In Kurve 13 habe ich verschenkt.“

Melbourne keine Red Bull-Strecke

Verstappen sieht trotz Startplatz vier das Positive: „Melbourne ist sicher nicht unsere beste Strecke im Kalender. Trotzdem arbeitet das Auto gut.“ Verstappen bezieht sich auf den Vollgasanteil. Der liegt im Albert Park gesehen auf die Rundenzeit bei über 70 Prozent. Teamkollege Ricciardo ärgerte sich über seine Runde: „Ich verliere gegenüber Max einige Zeit auf der Bremse in Sektor eins. Und auch auf den Geraden. Da möchte ich aber nicht ins Detail gehen.“ Marko schüttelt mit dem Kopf. „Die Startplatzstrafe hat ihn moralisch gebrochen für dieses Wochenende.“

Im zweiten Training hatte der Australier unter der Rotphase nicht genügend verlangsamt. Die Stewards stufen ihn deshalb am Start um drei Ränge zurück. Eine lächerliche Strafe, findet man bei Red Bull. Ricciardo sieht es diplomatisch: „Ich suche keine Entschuldigungen. Die Richtlinien empfehlen den Kommissaren, eine Startplatzstrafe auszusprechen. Aber ich bin nicht mal an der Unfallstelle vorbeigekommen. Und es war ja nur ein loses Kabel, das auf der Zielgerade herum lag. Ich habe niemanden überholt. Man könnte in so einem Fall auch eine Verwarnung aussprechen oder mich mit Punkten für die Sünderkartei belegen. Dagegen hätten die anderen Fahrer sicher nichts dagegen gehabt.“

Neuester Kommentar

Red Bull muss ja nur noch ein Jahr warten, dann können sie die Honda-Motoren an ihr ach so überlegenes Chassis schrauben.

Das erste Rennen der Saison wurde noch nicht mal gestartet, schon geht es wieder los mit der alljährlichen Leier von Onkel Doktor.

Vanta 24. März 2018, 14:49 Uhr
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