Toto Wolff - Christian Horner - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021 xpb
Esteban Ocon - Alpine - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Daniel Ricciardo - McLaren - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021 42 Bilder

Red Bull macht sich vor WM-Finale klein

Horner schwärmt von Verstappen Red Bull macht sich klein

GP Abu Dhabi 2021

Max Verstappen hat alle Chancen, in Abu Dhabi erstmals Weltmeister zu werden. Und doch macht sich Red Bull in gewisser Weise klein. Da trete ein Dosenhersteller gegen einen Großkonzern an, der alles unternehme, um Druck aufzubauen und den Niederländer schlecht zu machen. Zudem sitze Verstappen im schlechteren Auto.

Die Fahrer hatten sich am Donnerstag vor dem Showdown kaum eines Blickes gewürdigt. Ihre Teamchefs machten es anders. Toto Wolff und Christian Horner reichten sich gleich zwei Mal die Hand. Man wünschte sich gegenseitig viel Glück für das letzte Rennwochenende – ob jetzt wirklich so gemeint oder nicht. Es möge der bessere gewinnen.

Der erste Schlagabtausch am Trainingsfreitag brachte die Erkenntnis, dass Mercedes auf eine Runde das bessere Auto hat, Red Bull dafür im Longrun schneller ist. Beide müssen noch einmal in Klausur. Der eine muss für den Samstag zulegen, der andere für den Sonntag. Keiner scheint den optimalen Kompromiss für den umgebauten Yas Marina Circuit gefunden zu haben.

Wettbewerb auf höchstem Niveau

Punktgleich gegen Max Verstappen und Lewis Hamilton ins Finale. "Das ist wahrscheinlich die größte Sportveranstaltung des Jahres", sagt Red Bull-Teamchef Christian Horner angesichts der spannenden Ausgangslage. Wer gewinnt, holt automatisch den Weltmeistertitel. Die Autos waren über die Saison hinweg praktisch gleichwertig. Die Fahrer drehen ihre Runden ohnehin auf einem anderen Stern.

Da begegnen sich zwei Teams und zwei Fahrer auf Augenhöhe. Zwei Sportmannschaften, die Woche für Woche am Limit operieren, und den jeweils kleinsten Fehler des anderen bestrafen. Das ist Wettbewerb auf höchsten Niveau – technisch wie operativ. Und doch gewann man am Freitag den Eindruck, dass Red Bull sich kleiner macht, als man eigentlich ist.

"Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir hier stehen und eine Außenseiterchance auf den Titel haben?" Gemeint war vordergründig der Pokal für den besten Konstrukteur. Da hat Red Bull mit einem Rückstand von 28 Punkten in der Tat geringe Aussichten. "Wir sind diesbezüglich in einer starken Position, aber wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, kann sich das Blatt schnell wenden", sagt sein Gegenüber Toto Wolff.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Motorsport Images
Max Verstappen fehlte viel auf eine Runde. Dafür war er im Longrun schnell.

Die Maschine Mercedes

Vielmehr aber machen Horners Aussagen zum Auto und vor allem zum Vergleich Mercedes als Auto-Konzern gegen Red Bull als Brausehersteller stutzig. Er lobt zwar seine Mannschaft für "ein phänomenales Jahr". Für den Spagat aus Entwicklung 2021 und Vorbereitung für die Regelrevolution 2022. Andererseits verweist er auf ein Ungleichgewicht, was seiner Ansicht nach bestehe. "Es steht bei Mercedes der Mutterkonzern mit seiner ganzen Power dahinter. Mercedes als einer der größten Autohersteller der Welt fühlt sich sicher nicht wohl, wenn man gegen einen Hersteller von Energy Drinks verliert."

Dieser Weltkonzern könne alle Kanäle bespielen – und tue das auch im Zusammenspiel mit dem erfolgreichsten Fahrer der Formel 1. "Was Lewis sagt, hat Gewicht. Er ist ein siebenfacher Weltmeister. Er hat alles gemacht, um Druck auf Max auszuüben – unterstützt von der Mercedes-Medien-Maschine." Horner bezieht sich zum Beispiel auf den Funkspruch von Hamilton in der 37. Runde des GP Saudi-Arabien. Der Weltmeister sprach nach einem Manöver Verstappens davon, dass der Niederländer verrückt sei.

"Manchmal wehte ihm ein eisiger Wind ins Gesicht. Es ist ein Narrativ entstanden, das Gerede von Mad Max, mit dem man bewusst Druck auf ihn ausüben möchte." Indirekt lässt der Engländer durchklingen, dass die Aussagen auch ihre Wirkung auf die FIA und die Sportkommissare habe. Weil dadurch auf andere Weise Druck aufgebaut wird. "Jeder sieht es immer durch eine Brille. Red Bull durch ihre, wir durch unsere. Die Stewards haben die schwierige Aufgabe, ein Urteil zu fällen. Sie müssen beurteilen. Einer wird da immer Unverständnis zeigen", sagt Wolff. Auch Mercedes war ja in dieser Saison über die eine oder andere Entscheidung unglücklich. 

Red Bull fühlt sich vor allem in Zweikämpfen ungerecht behandelt. Die Regelauslegung sei nicht konstant. Zum Beispiel stoßen die vielen Strafen gegen Verstappen auf, wohingegen Hamilton oft davonkommt. Aber es ist wohl unbestritten, dass der Weltmeister auch einfach öfter zurücksteckt. Und dass er sich mit seiner Erfahrung vielleicht  geschickter anstellt, wenn er mal selbst die Ellbogen ausfährt. Bei Hamilton sieht es selten so aus, als fahre er mit dem Messer zwischen den Zähnen.

"Was ist Unterschied zu Silverstone"

Horner lobt seine Mannschaft, aber noch mehr seinen Starfahrer. "Niemand kam in den letzten Jahren überhaupt nah, Mercedes in einem Finale herauszufordern. Ich bin stolz auf mein Team. Und ich bin unglaublich stolz auf Max." Und weiter: "Ihm wird ständig auf die Finger geschaut. Es wird Druck gemacht. Aber er zeigt eine unglaubliche mentale Stärke. Da fährt ein 24-Jähriger gegen den statistisch erfolgreichsten Rennfahrer der Geschichte."

Und das in einem technisch unterlegenen Auto – meint Red Bulls Teamchef. "Er sitzt seit der Sommerpause nicht im schnellsten Auto. Max hat uns im Titelkampf gehalten." Irgendwie klingt das so, als ob da jemand einer drohenden Niederlage schon mal vorbeugt. Dabei gibt es eigentlich keinen Grund dafür. Red Bull hat ein starkes Paket, hat es in den letzten Wochen nur zu selten ausgequetscht.

Verstappen stelle sich mit Mut, mit Leidenschaft, mit seinen Fähigkeiten und seiner Entschlossenheit dem siebenfachen Weltmeister entgegen. Red Bull wolle gar nicht, dass sich der 24-Jährige ändere. Dass er anders fahre. "Seine Fahrweise hat der Formel 1 viele neue Fans beschert." Auch das ist nicht abzustreiten. Was wäre diese Saison ohne den aufmüpfigen Herausforderer gewesen, der den ewigen Dominator vor seine größte Herausforderung stellt?

Ohne die Unfälle von Aserbaidschan, England und Ungarn würde der Niederländer den WM-Pokal bereits in den Händen halten. Ja, auch das stimmt. In Baku (Reifenschaden) und Budapest (Startunfall) war er unschuldig. Doch in Silverstone hätte ihm beim damaligen Vorsprung auch ein zweiter Platz gereicht. Er musste nicht auf Biegen und Brechen vor Hamilton durch Copse Corner jagen. Einsicht gibt es bei Red Bull in diesem Fall nicht.

Auf die Frage, wonach Rennleiter Michael Masi vor dem Rennwochenende an die Fairness appellierte, und auf den Internationalen Sport-Kodex verweist, applaudiert Wolff. "Gut, dass Michael und die FIA daran erinnern. Dass nicht nur das Ergebnis zählt, sondern auch die Art und Weise, wie man fährt." Horner entgegnet: "Das ist eines von 22 Rennen. Was ist der Unterschied zu Silverstone und Ungarn?" Ein Verweis auf die Unfälle mit Hamilton und Valtteri Bottas.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 10. Dezember 2021
Motorsport Images
Ist Verstappen im WM-Finale nur der Underdog gegen das große Mercedes?

Mercedes mit Leichtigkeit

Zwischen Mercedes und Red Bull flogen nicht nur auf, sondern auch abseits der Rennstrecke die Fetzen. Wie soll es auch anders sein, wenn es um die größten Trophäen der Formel 1 geht. Beide beteuern, unterschiedlich zu sein, aber nach den gleichen Zielen zu streben. Da könne es eben krachen. Der gegenseitige Respekt vor den Leistungen des jeweils anderen Rennstalls sei aber zu jeden Zeit gegeben.

Wolff lobt Red Bull. "Die Jahre gegen Ferrari waren auch brutal. Mit dem Unterschied, dass wir jetzt die ganze Saison gefordert werden." Mercedes hat Rückenwind. Die letzten drei Siege beflügeln. "Nach Brasilien ist die Leichtigkeit im Team zurück." Und woher rührt die Stärke allgemein? Seit Silverstone ist der Mercedes ein anderes Auto. "Wir verstehen unser Auto einfach viel besser. Wir wissen, welche Anstellung es braucht. Welche Aero-Balance notwendig ist. Wie viel Flügel wir fahren müssen. Und dazu kam der frische Motor. Es sind viele kleine Dinge, die zusammenkommen."

Bei Red Bull ist man überzeugt, dass der Rivale aber technisch etwas habe zurückrüsten müssen. Und zwar beim Heckflügel. "Wir glauben, dass sie Anpassungen vorgenommen haben." Am Ende des Freitagstrainings zog die FIA gleich mal beide Autos raus – sowohl den Mercedes von Hamilton als auch den Red Bull von Verstappen. Beide sollen gleich behandelt werden.

Formel 1 Aktuell Alpha Tauri - Launch Ankündigung 2022 Termine F1-Autos 2022 Alpha Tauri launcht am Valentinstag

Die ersten F1-Teams haben ihre Präsentationstermine bekanntgegeben.

Mehr zum Thema GP Abu Dhabi (Formel 1)
Safety-Car - GP Abu Dhabi 2021
Aktuell
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2021 - Rennen
Aktuell
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2021
Aktuell
Mehr anzeigen