Podium - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021 Wilhelm
Red Bull & Mercedes - Formel 1 - GP Niederlande - Zandvoort - 2021
Red Bull - Formel 1 - GP Niederlande - Zandvoort - 2021
Red Bull - Formel 1 - GP Niederlande - Zandvoort - 2021
Mercedes - Formel 1 - GP Niederlande - Zandvoort - 2021 19 Bilder

Mercedes vs. Red Bull: WM-Duell auf allen Ebenen

Kleinkrieg Mercedes vs. Red Bull WM-Duell auf allen Ebenen

Red Bull und Mercedes bekämpfen sich nicht nur auf der Strecke. Das Duell geht auf allen Ebenen weiter, vom Fahrermarkt bis zu Technik. Ziel ist es, den Gegner irgendwie aus dem Konzept zu bringen.

Eigentlich wäre diese Story etwas für die nächste folge Netflix-Dokumentation "Drive to survive". Das Thema liegt auf der Hand: Max Verstappen gegen Lewis Hamilton, Red Bull gegen Mercedes. Doch der Titelkampf bietet nicht nur vordergründig Stoff für eine Seifenoper. Auf der Rennstrecke hat es schon ein paar Mal fast und ein Mal richtig geknallt. Auch hinter den Kulissen bekämpfen sich die beiden Hauptdarsteller mit Zähnen und Klauen. Und das hat durchaus Unterhaltungswert.

Rad an Rad hat sich das Verhältnis zwischen Verstappen und Hamilton nach den Unfall-Rennen in Silverstone und Budapest wieder etwas beruhigt. Außerhalb der Strecke wird es mit unverminderter Härte weitergeführt. Die Teamchefs Toto Wolff und Christian Horner sind da ausnahmsweise mal einer Meinung. Es gehört zur DNA der Formel 1, dass man dem Gegner auf keiner Ebene etwas gönnt und dass es Teil des Spiels ist, in allen Bereichen die Nase vorne zu haben.

So geht der Kleinkrieg eben munter weiter. Zum Beispiel bei der Technik. Mal schießt Mercedes, mal Red Bull. Aktuell hat Red Bull den Motor von Mercedes im Visier. Man hat bei der FIA die Anfrage gestellt, ob alles mit rechten Dingen zugeht, wie Mercedes im Beschleunigungsprozess die Luft im Plenum kühl hält. Überläufer von Mercedes zu Red Bulls neuem Powertrain-Ableger haben offenbar geplaudert. Die FIA, so hört man, untersucht den Fall. Ausgang offen.

Man darf Red Bulls Vorstoß durchaus als Retourkutsche gegen die Technischen Direktiven zum Heckflügel und zu den Boxenstopps sehen, die im Sommer über die Formel 1 hereingebrochen waren. Damals hatte Mercedes die Frage gestellt, ob sich die Heckflügel gewisser Autos unter Last im erlaubten Rahmen verbiegen und ob bei den Boxenstopps gewisser Teams nicht ein verbotener Automatismus in den Abläufen zu erkennen sei. Die FIA reagierte mit Klarstellungen. Red Bull musste beide Male reagieren. So wird es auch Mercedes gehen, sollte bei der Motorensache irgendetwas herauskommen.

Nyck de Vries - Frederic Vasseur - GP Niederlande 2021
Wilhelm
Mercedes will seinen Formel-E-Fahrer Nyck de Vries bei Alfa unterbringen, damit Albon dort keinen Platz findet.

De Vries als Spielball

Auch auf dem Fahrermarkt sind die beiden Streithähne Gegner. Das erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Es geht dabei gar nicht um einen Fahrer, den beide für ihre eigenen Teams im Visier hätten. Es geht vielmehr um die Besetzung der zweiten Cockpits von Williams und Alfa Romeo. Red Bull wollte dort Alexander Albon platzieren, Mercedes favorisiert seinen Formel-E-Meister Nyck de Vries. Albons Wunschteam war Williams, bei dem er schließlich auch gelandet ist.

Eigentlich hätten sich die beiden Kandidaten die Plätze aufteilen können, doch erstens sind noch andere Namen im Spiel und zweitens ist das wieder so eine Spielwiese, auf der man dem Rivalen das Leben schwermachen kann. Die thailändischen Mehrheitseigner von Red Bull wünschen sich ihren Landsmann Alexander Albon zurück in der Formel 1. Weil bei den beiden Vertragsteams kein Platz ist, muss er woanders geparkt werden. Um dem Nachdruck zu verleihen, ist eine finanzielle Mitgift im Gepäck. Das zeigt: Der Wunsch ist in Wahrheit ein Befehl. Wenn Albon leer ausgegangen wäre, hätte das Binnenklima bei Red Bull belastet werden können. Und Mercedes wusste das natürlich.

Also machte man den Transfer so schwer wie möglich und bot selbst einen Mann aus dem eigenen Pool bei den Teams an, die noch Plätze offen hatten. De Vries ist nach Mercedes-Sprachregelung allerdings ein freier Agent. Und wenn Albon beim Mercedes-Kundenteam Williams fahren will, soll er möglichst seinen Red-Bull-Vertrag aussetzen, hieß es in Zandvoort bei Mercedes. "Wir wollen nicht, dass Geheimnisse unseres Motors an Red Bull gehen", begründete Wolff seine Forderung. Ein Schutz ist das nicht. Albon kann auch ohne vertragliche Bindung an Red Bull plaudern. Und man kann dem Thailänder auch nicht verbieten nach seiner Williams-Zeit wieder in die Familie zurückzukehren.

Toto Wolff & Christian Horner - GP Niederlande 2021
xpb

Rote Flaggen und Heizdecken

Das Katz- und Mausspiel der beiden Protagonisten beginnt immer schon am Freitag mit dem Start des Trainings. Jeder belauert den anderen und wartet nur darauf, dass er einen Fehler macht. Man könnte ja vielleicht einen Nutzen daraus ziehen. Als Max Verstappen im zweiten Training Lance Stroll trotz roter Flagge überholte, passierte erst einmal gar nichts. Man wunderte sich schon, dass der Vorfall nicht an die Sportkommissare gemeldet wurde, obwohl das Fernsehen eifrig darüber berichtete.

Erst Samstagfrüh kam Bewegung in die Sache. Aston Martin hatte die FIA um eine Untersuchung gebeten. Red Bull hat den Verdacht, dass Mercedes seinen Technikpartner angespitzt hat. Toto Wolff dementiert: "Aston Martin hat den Anfang gemacht. Dann haben sich alle anderen drangehängt." Die Sportkommissare schauten sich Verstappens Bordkamera genau an um zu sehen, wann bei ihm das Rotlicht auf dem Dashboard aufleuchtete. "Das war so spät, dass Max weniger als eine Sekunde Zeit hatte auf die rote Flagge zu reagieren. Und das bei einem Speedunterschied von 150 km/h zu Stroll", erklärte Sportkommissar Garry Connelly.

Genauso verlief sich eine Beschwerde von Red-Bull-Teammanager Jonathan Wheatley gegen Mercedes in der Qualifikation im Sande. Wheatley monierte, dass Mercedes vor dem Rausfahren aus der Garage zu lange die Heizdecken auf den Reifen ließ. Das ist gemäß einer neuen Direktive nicht mehr erlaubt. Mercedes verteidigte sich damit, dass man dazu gezwungen wurde, weil sich in Zandvoort die Unsitte breitmachte, dass viele Fahrer die Boxenausfahrt blockierten, um Platz zum Vordermann zu schaffen. Je weiter hinten man in der Schlange stand, desto stärker kühlten die Reifen aus. Da Mercedes die erste Box hatte, war der Nachteil am größten. Die FIA akzeptierte die Erklärung.

Mehr zum Thema Red Bull F1
Max Verstappen - Red Bull - GP Italien 2021 - Monza
Aktuell
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Italien - Monza - 10. September 2021
Aktuell
Red Bull vs. Mercedes - Formel 1 - GP Italien - Monza - 2021
Aktuell
Mehr anzeigen