Ist Red Bull ein WM-Kandidat?

RB14-Rennpace in eigener Liga

Daniel Ricciardo - GP China 2018 Foto: Wilhelm 65 Bilder

Diese Formel 1-WM ist ein Dreikampf. Red Bull bestätigte in China, was man vorher zwar angekündigt hatte, aber nie beweisen konnte. Der RB14 ist das schnellste Auto im Rennen. Trotzdem braucht man günstige Umstände zum Gewinnen.

Die ersten drei Grands Prix des Jahres stehen in vollem Kontrast zu den Winter-Testfahrten. Ferrari hat zwei Rennen gewonnen, Red Bull eines und der große Favorit Mercedes noch gar keines. Die Neuauflage des Duells Mercedes gegen Ferrari bahnte sich bereits in Australien und Bahrain an. Red Bull hielt sich vom Podium fern und stürzte sich mit einem Doppelausfall in Bahrain ins Elend. Trotzdem wurden die Chefs Helmut Marko und Christian Horner nicht müde zu predigen, dass man unter Rennbedingungen mit Ferrari und Mercedes mithalten kann. Allein, es fehlte der Beweis.

Der wurde beim CP China nachgereicht. Red Bull feierte mit Daniel Ricciardo seinen ersten Sieg. Es hätte sogar ein Doppelschlag werden können, hätte Max Verstappen seine Ungeduld gezügelt. Red Bull macht jetzt aus dem Duell um den Titel einen Dreikampf. Mehr noch. Die Analyseabteilung von Mercedes hat herausgefunden: „Red Bull hat das schnellste Auto im Rennen. Ihr erster Stint auf den Ultrasoft-Reifen war unglaublich. In Bezug auf die Länge und die Rundenzeiten.“

Je länger das Rennen lief, desto beeindruckter zeigte sich die Konkurrenz zeigte: „Auch auf den Medium-Reifen waren sie drei bis vier Zehntel schneller als wir, zwei Zehntel als die Ferrari. Ricciardos Zeiten am Ende auf den Soft-Gummis lassen sich wegen des Spritunterschiedes zum Rennbeginn mit uns schwer vergleichen. Aber wer mit 24 Runden alten Reifen eine 1.35er Runde schafft, hat ein verdammt gutes Auto.“

Hätte Red Bull auch mit einem Stopp gewonnen?

Max Verstappen - GP China 2018 Foto: Red Bull
Wie wäre das Rennen ausgegangen, wenn es den zweiten Stopp nicht gegeben hätte?

Das Problem für Red Bull sind die Startplätze. Auch diesmal bauten sich wieder zwei Mercedes und zwei Ferrari vor ihnen auf. Je nach Strecke verlieren die dunkelblauen Autos auf eine Runde 0,3 bis 0,7 Zehntel. Wenn die Red Bull-Fahrer gewinnen wollen, müssen sie erst einmal an ihren Gegnern vorbei.

Es gibt aber nicht jedes Rennen Gegner, die einem eine Trumpfkarte zuspielen, weil sie taktisch zu konservativ agieren. Red Bull profitierte in der zweiten Halbzeit des Rennens davon, dass Ricciardo und Verstappen auf Soft-Reifen fuhren, die obendrein elf Runden frischer waren als die Medium-Gummis der Konkurrenz.

Marko merkt jedoch an: „Unser Speed war auch auf den Medium-Reifen gut. Wir haben uns aber zurückgehalten, damit wir am Ende noch mal zuschlagen hätten können. Auch ohne dass Safety-Car wäre es für Bottas keine sichere Sache gewesen. Wir wären dann mit einem Stopp durchgefahren, aber mit relativ gut konservierten Reifen.“

Ob diese Nummer aufgegangen wäre, ist allerdings fraglich. Zum Überholen in Shanghai brauchte man ein Delta von einer Sekunde. Red Bull hat nicht das schnellste Auto auf der Geraden. Ohne Windschatten war man wieder 10 km/h langsamer als Ferrari und Mercedes. Mit einer Reifenstufe weicher fiel das Überholen schon leichter. Sie brachte auf dem Papier 0,5 Sekunden. Der Altersunterschied des Gummis zwei bis drei Zehntel. Den Rest erledigten das Auto und die Fahrer.

Die Red Bull gewinnen ihre Zeit in schnellen Kurven, auf der Bremse, in der Traktion und beim Reifenschonen. Marko bestätigt: „Wir können länger schnell fahren als die anderen. Und wenn die Reifen schlechter werden, wird unser Traktionsvorteil noch größer. Haben Sie gesehen, wie leicht wir an einem Hamilton vorbeigekommen sind?“

Red Bull lästig wie Stechmücken

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Die Trainingsschwäche wird Red Bull noch länger verfolgen. Das liegt auch an der DNA des RB14 und seinem Renault V6-Turbo. Die Teamleitung und Technikchef Adrian Newey schreiben das Defizit allein dem Motor zu. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Gewiss, dem Renault-Antrieb fehlt in den entscheidenden Runden der Extra-Punch, den Mercedes und Ferrari per Knopfdruck aktivieren können. Doch der spielt sich nach GPS-Messungen höchstens im Bereich von 0,15 Sekunden ab. Red Bull verliert auf den Geraden auch, weil man sein Autos stark anstellt. Das treibt den Luftwiderstand nach oben. McLaren hat aus dem gleichen Grund das gleiche Problem.

Dazu kommt eine einfache Weisheit: Ein Auto, das seine Reifen schont, tut sich schwer sie auf Knopfdruck anzuzünden. Das kostet im Training und hilft im Rennen. Auch hier ist McLaren ein gutes Beispiel, wenn auch in einem viel bescheideneren Rahmen. Die Ergebnisse im Rennen passen nicht zu den Startplätzen.

Das Renault-Werksteam ist das Gegenteil. „Wir haben kein Problem mit Aufheizen der Reifen im Qualifying“, bestätigt Nico Hülkenberg. Dafür wird dann das Rennen für die Renault-Piloten zur Zitterpartie. Renault war in China das einzige Team, das von vornherein auf zwei Stopps gesetzt hat. So konnte man das ganze Rennen Attacke machen, ohne mit hoher Reifenabnutzung zu bezahlen.

Motoren-Strafen unvermeidlich

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP China - Shanghai - 14. April 2018 Foto: Jerry André
Ricciardo ist mit seinen Motorkomponenten am Limit. Ohne Strafen wird er es nicht über die Saison schaffen.

Renault bereitet Red Bull aber noch aus einem anderen Grund Sorgen. Daniel Ricciardo fährt bereits mit der zweiten von zwei Batterien. Und mit dem zweiten Antriebs-Kit (Motor, Turbolader, MGU-K, MGU-H) von drei. „Wir sind uns sicher, dass wir Startplatzstrafen kriegen. Nur müssen wir sie uns so einteilen, dass sie auf dem richtigen Kurs passieren“, fordert Marko.

Wäre es da nicht klüger von Renault, die Saison gleich auf vier oder fünf Motoren auszulegen, um mehr Entwicklungsspielraum zu haben? Ricciardo hat in der Theorie nur noch eine Ausbaustufe zu erwarten. Markos lakonische Antwort: „Da müssen Sie mit Herrn Abiteboul reden. Wir sind immer am Einfordern von Leistung. Für Renault sind wir lästig wie Stechmücken. Die französische Mentalität ist schon sehr gefordert.“

Die Fans können sich über den Dreikampf freuen. Er löst die statischen Rennverläufe an der Spitze auf. Vettel gegen Hamilton ist ja ganz nett, aber bei einem Aufeinandertreffen von zwei Fahrern verläuft das Rennen nach der Startrunde oft nach Schema F.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff freut sich beinahe darüber, dass jetzt ein drittes Team das Schachspiel am Kommandostand aufregender macht: „Bei drei Teams, die um den Sieg kämpfen gibt es mehr Optionen und Variablen, also mehr Gelegenheiten etwas falsch zu machen. Wir sind es gewohnt auf Ferrari zu achten und Ferrari auf uns. Deshalb haben wir in Shanghai beide Red Bull aus dem Auge verloren.“

Marko kann sich eine kleine Spitze in Richtung Gegner nicht verkneifen: „Zwei andere Teams hätten mehr Zeit für einen zweiten Boxenstopp gehabt und haben dumm geschaut. Wenn die nicht vorne liegen, verstehen sie die Welt nimmer.“

Neuester Kommentar

@Butter,
genau das war auch irgendwie von Australien an mein Gedanke. In der Vorsaison wurde so viel von "Wer nimmt bewusst ne Strafe in Kauf?" gesprochen, dass ich mir auch denke, ja warum nicht Ferrari. Gerade wenn man nach den Testfahrten vielleicht selbst etwas ratlos war, was die Lage zu Mercedes angeht, warum dann nicht die Alternative auspacken. RedBull ist ja für Strafen sowieso gesetzt, also da hätte man sich ja fast schon selbst angelogen, wenn man es nicht gedacht hätte, bei Ferrari hat man sicher was für die Zuverlässigkeit gemacht, was aber ja nicht bedeuten muss, dass man das auch wirklich ausloten will.

Pändabar 17. April 2018, 16:31 Uhr
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