Alexander Albon - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Alexander Albon - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Lance Stroll - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen 18 Bilder

Deshalb hat Red Bull den GP Türkei 2020 verloren

Deshalb hat Red Bull verloren Es fehlte Routine und Gelassenheit

Red Bull hätte den Grand Prix der Türkei gewinnen können, vielleicht sogar müssen. Am Ende ist der WM-Zweite über individuelle Fehler, zu wenig Routine und Gelassenheit gestolpert. Sportchef Helmut Marko blickt auf einen hergeschenkten Sieg zurück.

Red Bull hatte das schnellste Auto im Istanbul Park. Max Verstappen führte alle freien Trainingssitzungen zum GP Türkei an, auch das Q1 und Q2. Teilweise mit einem Vorsprung von mehreren Sekunden. Ausgerechnet im entscheidenden Q3 war der Holländer nur zweiter Sieger. Das wiederholte sich im Rennen. Es gab Phasen in der Regenschlacht, da hätte jeder sein Geld auf Max Verstappen, ja sogar Alexander Albon gesetzt. Am Ende nahm Red Bull 14 Punkte für die Plätze 6 und 7 mit nach Hause. Reichlich wenig für ein Rennen, das man gewinnen hätte können. Manche würden sagen, gewinnen hätte müssen.

Sportchef Helmut Marko spart bei seinem Rückblick nicht mit Selbstkritik. Nach der Analyse, was alles schiefgelaufen ist, kam der Grazer zum dem Schluss: "Uns fehlte Routine und Gelassenheit." Fangen wir mit der Qualifikation an. Bis zur Halbzeit im Q3 wäre alles andere als die Pole Position für Verstappen eine Überraschung gewesen. Doch dann ließen sich Team und Fahrer zu einem Wechsel von Regenreifen auf Intermediates verleiten. Überflüssig, wie man später einsah.

Max Verstappen - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying
xpb
In der Qualifikation schenkte Max Verstappen eine sicher geglaubte Pole Position her.

Fehler ab der Qualifikation

"Der Perez ist im Q3 nach einem Drittel der Zeit mit Intermediates rausgefahren und hat im ersten Sektor sofort Bestzeit geholt. Wir haben uns davon irritieren lassen. Der Max hat sofort gesagt, dass er dann auch Intermediates will. Zu der Zeit hatte er selbst auf den Regenreifen zwei Bestwerte in den Sektoren und wäre auf die gleiche Zeit gekommen, die er später mit den Intermediates gefahren ist. Wäre er auf den Regenreifen draußen geblieben, hätte er seinen Rhythmus behalten und Bestzeit fahren können", zählt Marko auf.

Der Ex-Rennfahrer glaubt nicht, dass der Intermediate per se ein schlechterer Reifen für Red Bull war. "Es war alles eine Frage des Aufwärmens. Der Intermediate hat im dritten Training für uns gut funktioniert. Dann kam schon der nächste Fehler. Max hat zum Schluss im Q3 eineinhalb Runden lang versucht, den Kimi zu überholen, der im Regen leider recht schnell unterwegs war. Er hat geglaubt, dass er an dem Sauber wie üblich schnell vorbei kommt. Das war aber nicht der Fall. Dadurch hat er die Reifen nicht so aufwärmen können, wie er wollte, und hat am Ende nur noch eine freie Runde gehabt, in die er auch noch einen Fehler eingebaut hat, der ihn mehr gekostet hat als der Rückstand auf die Pole Position."

Falsche Frontflügeleinstellung im Rennen

Verstappen merkte man den Ärger über die Qualifikationsniederlage an. Und der fuhr am Sonntag das ganze Rennen lang mit. Nur so war zu erklären, dass der einzige Gegner für Mercedes 58 Runden lang mit dem Kopf durch die Wand wollte. Marko zeigt sogar noch ein bisschen Verständnis. Der zweite Startplatz bedeutete einen Start auf der inneren Spur. Alle bis auf Lewis Hamilton kamen dort schlecht weg. "Da kann man nach der Vorgeschichte verstehen, dass der Max sauer war. Er hat schon geahnt, dass er da nicht gut wegkommen wird."

Bei Verstappen kam erschwerend hinzu, dass der Motor beim Anfahren in sein Anti-Stallprogramm ging. "Damit hing er hinter Vettel fest. Wie schnell wir wirklich waren, hat man gesehen, als Vettel an die Box gegangen ist. Dann kam der Boxenstopp, der leider länger gedauert hat als sonst üblich", bedauert Marko. Warum die schnellste Boxencrew der Formel 1 derzeit keine Rekorde mehr aufstellt, verrät der Doktor auch: "Wir haben wie andere Teams auch Corona bedingt einige Ausfälle. Das verlangte eine Umstellung der Mannschaft."

Weil der Reifenwechsel und das Abreißen des Klebebandes rechts vorne am Bremsschacht länger dauerte, rutschte Sergio Perez wieder durch. Was Verstappen sieben Runden später zu einer Harakiri-Aktion hinreißen ließ. "Es war eine totale Fehleinschätzung von Max am schnellsten Punkt der Strecke so dicht auf Perez aufzufahren, so dass ihm der Abtrieb verloren geht. Dadurch waren die Reifen platt, was ihn in den nächsten Boxenstopp reingezwungen hat."

Da passierte gleich der nächste Lapsus, wie der frühere Le Mans-Sieger anmerkt: "Beim neuen Frontflügel dreht man bei der Verstellfunktion der Flaps in die andere Richtung als vorher. Anstatt ihm mehr Abtrieb zu geben, hat man ihm auf der rechten Seite weniger gegeben als links." Das führt zu einer schnelleren Abnutzung des rechten Vorderreifen.

Alexander Albon - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
xpb
Auch Alexander Albon hatte Chancen auf den Sieg, ließ sich aber vom Körnen der Reifen verrückt machen.

Körnen der Reifen macht Albon nervös

Es wäre trotzdem noch nicht alles verloren gewesen. "Der rechte Vorderreifen hat zwar stark gelitten, aber wir hätten trotzdem weiterfahren sollen, bis alle vier Reifen zum Slick runtergefahren waren." Da zieht Marko seinen Hut vor Hamilton: "Als Max den Perez angegriffen hat, war DRS noch nicht erlaubt. Da war der Hamilton sensationell. Er hat abgewartet, bis DRS aktiviert werden durfte, und dann hat er mit Leichtigkeit überholt. Und wie er den Intermediate in einen Slick verwandelt und sein Tempo eingeteilt hat, zeigte seine ganze Erfahrung."

Alexander Albon sah in der Phase, als er Hamilton und Vettel überholte, wie ein möglicher Sieger aus. Auch der Thailänder warf ein besseres Ergebnis durch fehlende Routine und Geduld weg. "Auch Albon hat durch einen Dreher Plätze und Zeit verloren. Er ist aber hauptsächlich nervös geworden, weil die Reifen gekörnt haben. Da hätten wir wie die Routiniers wie Hamilton oder Perez draußen bleiben müssen. Die Reifen hätten sich ja irgendwann wieder erholt. Da hat der Albon in seiner angespannten Situation die Nerven verloren." Trotzdem gibt es noch ein kleines Lob vom Chef in der Red Bull-Garage: "Zum Schluss war er gut unterwegs, sogar schneller als der Max."

Der GP Türkei hat Red Bull zumindest gezeigt, dass Mercedes unter diesen Bedingungen schlagbar wäre. Wenn man alles richtig macht. Das sah zu Beginn der Saison im Regentraining zum GP Steiermark noch nicht so aus. Marko differenziert: "Österreich kann man als Vergleich nicht hernehmen. Da hat sich der Max in der Qualifikation gedreht. Sonst wäre er viel näher am Hamilton dran gewesen. Zu dem Zeitpunkt war unser Auto aber bei weitem nicht so ausbalanciert wie heute. Ich glaube, dass wir im Regen stark sind. Letztlich waren wir mit beiden Reifentypen schnell. Wenn wir jetzt das Rennen in der Türkei mal weglassen, dann waren wir beim Reifenaufwärmen und beim Reifenschonen eine Spur besser als Mercedes. Im Rennen spielte halt auch der Fahrer eine Rolle. Da hat einer die Reifen und die Strecke perfekt gelesen und sein Tempo auf das eingestellt, und andere haben die Geduld verloren."

Mehr zum Thema Red Bull Racing
Bottas - Vettel - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Aktuell
Daniel Ricciardo - Renault - GP Bahrain 2020 - Sakhir
Aktuell
Mick Schumacher - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Formel 2
Aktuell