Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Freitag - 11.12.2020 xpb
Red Bull 2004
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Red Bull wacht zu spät auf: Ungereimtheiten im Windkanal

Red Bull wacht zu spät auf Ungereimtheiten im Windkanal

Es ist seit 2017 immer das gleiche Spiel. Mercedes legt vor, Red Bull zieht nach. Mal schafft Red Bull den Anschluss früher, mal später, aber nie rechtzeitig genug. Sportchef Helmut Marko ist optimistisch, dass sich das 2021 ändert.

Der Knoten platzte zu spät. Ab dem Grand Prix der Toskana hatte Red Bull sein Problem mit dem Frontflügel im Griff. Ab dem Rennen in der Türkei hatten die Ingenieure auf dieser Basis so viel Abtrieb gefunden, dass Max Verstappen die Mercedes herausfordern konnte. Erst beim Finale in Abu Dhabi zahlte es sich mit einem Sieg gegen die Mercedes im offenen Kampf aus. "Wir hätten mit etwas mehr Glück auch in Mugello, der Türkei oder dem zweiten Bahrain-Rennen gewinnen können", hakt Sportdirektor Helmut Marko nach.

Red Bulls Aufholjagden seit 2017

In Mugello geriet Verstappen in eine Massenkollision. In der Türkei verschenkte der Herausforderer einen Sieg durch viele individuelle Fehler. Ungeduld bei den Fahrern, schlechtes Reifenmanagement, ein falsch verstellter Frontflügel, ein Boxenstopp zu viel. Bei zweiten Bahrain Grand Prix war Verstappen schon nach vier Kurven Zuschauer. Marko grummelt: "Ein vorsichtiger Verstappen funktioniert nicht. Er hat drei Mal beim Start in Bahrain nachgegeben. Das macht er sonst nicht. Aber er hat gewusst, dass wir dort schon ein Auto hatten, das ähnlich überlegen gewesen wäre, wie in Abu Dhabi."

Es ist in den letzten Jahren zur Routine geworden. Mercedes steigt mit einem technischen Vorsprung in die Saison ein, und Red Bull hechelt hinterher. Bis die Truppe aus Milton Keynes den Rückstand aufgeholt hat, sind Mercedes und Lewis Hamilton meistens schon Weltmeister, oder sie stehen zumindest kurz davor. Das geht nun schon seit 2017 so. "Wir haben immer zu spät aufgeschlossen", bedauert Marko.

Im ersten Jahr der breiten Autos hatte Red Bull seinen Gegner beim GP Malaysia, dem 15. von 20 Rennen eingeholt. Ein Jahr später in Singapur. Das war Nummer 15 von 21 Grand Prix. 2019 machte Red Bull schon zur Saisonhälfte den großen Sprung Richtung Mercedes. Doch nach dem Sieg beim Heimspiel in Österreich zog der Erzrivale mit einer Technikoffensive erst einmal wieder davon. Der endgültige Zusammenschluss fand dann erst vier Rennen vor Schluss in Mexiko statt.

Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2020 - Rennen
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Red Bulls neuer Heckflügel brachte den letzten Schritt hin zu Mercedes.

Strömungsabriss vom Frontflügel aus

Auch diesmal begann Red Bull mit Rückstand. Der RB16 nervte seine Fahrer mit einem unberechenbaren Fahrverhalten. Laut Marko ging alles Übel vom Frontflügel aus. "Er bestimmt das Zusammenspiel der Aerodynamik. Es gab Strömungsabriss. Als das endlich aussortiert war, konnten wir am Auto weiter nach hinten gehen. So ab Mugello hatten wir das im Griff. Dann haben auch die Änderungen weiter hinten was gebracht. Es waren sukzessive Fortschritte, mal mehr, mal weniger."

Je einfacher das Auto zu fahren war, umso besser kam auch Alexander Albon in Schuss. Als dann ein letztes Aerodynamik-Paket für die Rennen im Mittleren Osten auch noch die aerodynamische Effizienz verbesserte, hatte Red Bull den Speed, die Mercedes in die Enge zu treiben. Da musste sich der Weltmeister nur einmal im Setup vergreifen, und schon waren Hamilton und Bottas chancenlos gegen Verstappen und hatte Albon im Rückspiegel.

Red Bull glaubt mittlerweile, den Grund für den Jojo-Effekt gefunden zu haben. "Die Ungereimtheiten sind dadurch entstanden, dass unser Windkanal, der ja ein älteres Modell ist, mit dem breiteren Auto falsche Informationen vermittelt hat. Das ist zwischenzeitlich erkannt und teilweise behoben", verrät Marko. Der Grazer ist deshalb vorsichtig optimistisch, dass Red Bull 2021 nicht wieder mit Rückstand in Melbourne antritt. Obwohl Mercedes seine Entwicklung am 2020er Auto schon im Juli eingestellt hat, Red Bull dagegen gezwungen war, seine Entwicklungs-Ressourcen bis zum bitteren Ende hauptsächlich für den aktuellen RB16 zu verwenden.

Wen trifft Unterboden-Cut mehr?

Was normalerweise ein Vorteil für Mercedes wäre, soll sich nach Ansicht von Helmut Marko und Teamchef Christian Horner diesmal nicht so stark auswirken. 60 Prozent der Autos werden wegen der Homologation übernommen. Deshalb trägt der nächstjährige Red Bull auch die Modellbezeichnung RB16B. Auch Mercedes sitzt in dieser Falle. Frei ist praktisch nur die Aerodynamik. Marko glaubt: "Das nächstjährige Auto ist relativ ähnlich. Es ist die Frage, wie viel Punkte wir durch den Unterboden-Einschnitt verlieren. Aber da sind wir auch auf einem guten Weg. Das heißt, dass wir mit der Basis, die jetzt gut funktioniert, nächstes Jahr einsteigen werden."

Der Schlüssel für 2021 wird sein, wer den Abtriebsverlust durch die Eingriffe am Unterboden am besten auffängt. Dazu kommt die ganz normale Weiterentwicklung. "Da haben wir auch noch nicht das letzte Wort gesprochen", beteuert Marko. "Es kommt schon noch was Neues bis Melbourne. Das Ziel ist natürlich, endlich mal auf gleichem Stand mit Mercedes einzusteigen. Darum haben wir in dieser Saison auch bis zum Schluss entwickelt, weil wir eine Sicherheit haben wollten, dass wir mit den Entwicklungen richtig liegen."

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