Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2017 - Training - Freitag - 23.6.2017 sutton-images.com
Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Aserbaidschan 2017 - Qualifying - Baku - Samstag - 24.6.2017
Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Aserbaidschan 2017 - Qualifying - Baku - Samstag - 24.6.2017
Hamilton - Bottas - Mercedes - GP Aserbaidschan 2017 - Qualifying - Baku - Samstag - 24.6.2017
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Aserbaidschan 2017 - Qualifying - Baku - Samstag - 24.6.2017 46 Bilder

Red Bulls schwarzer Samstag

Noch nicht reif für die erste Startreihe

Red Bull träumte heimlich von der ersten Startreihe. Doch am Ende müssen sich Max Verstappen und Daniel Ricciardo mit den Plätzen 5 und 10 begnügen. Das Auto funktionierte, der Mensch nicht.

So stark war Red Bull in dieser Saison noch nie. Die Sensation blieb trotzdem aus. Im Lager des WM-Dritten tröstet man sich damit, dass die Formkurve aufwärts zeigt. Nach zwei Bestzeiten am Freitag wurde Red Bull schon im dritten Training wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Mit der viertbesten Zeit von Daniel Ricciardo mochte das Team leben. Der Australier ist an diesem Wochenende nicht der Hoffnungsträger von Red Bull. „Daniel braucht vier Anläufe, um auf Zeit zu kommen. Verstappen macht es in einem.“

Doch Verstappen stand die letzten 15 Minuten am Streckenrand. Ein Hydraulikleck hatte das Auto mit der Startnummer 33 gestoppt. Die Mechaniker brachten den Red Bull rechtzeitig zum Qualifying wieder in Schuss. Und da wurde schnell klar, dass Mercedes noch eine Nummer so groß ist. „Sie fuhren außer Konkurrenz“, juxte Ricciardo. Teamberater Helmut Marko führte es darauf zurück, dass Mercedes in der Qualifikation wieder am Power-Rad drehte.

Verstappen stolpert über Kurve 7

Dafür lieferte sich Red Bull mit Ferrari ein enges Rennen. „Wir hätten vor ihnen stehen sollen“, meinte Max Verstappen grimmig. Ricciardo sah es als klares Zeichen des Fortschritts. Der Australier war am Ende des Q3 nur noch Zuschauer. Er hatte seinen Red Bull in Kurve 6 in die Mauer gelehnt. „Ich wollte mehr Speed mit durch die Kurve nehmen, doch dann kam das Heck herum. Nach dem Einschlag in die Mauer sah ich, dass die Felge beschädigt wurde.“

Noch stand Verstappen mit einer Zeit von 1.41,879 Minuten hinter den beiden Mercedes auf dem dritten Platz. Um für den letzten Versuch optimale Bedingungen zu haben, stellte ihn Red Bull 1:41 Minuten vor Ende der Unterbrechung bereits an die Boxenausfahrt. Nicht um sich zwei Aufwärmrunden zu genehmigen, wie viele vermuteten. „Das war nie der Plan.“ Theoretisch wäre es bei 3:33 Minuten Restzeit möglich gewesen, „Doch du hättest schon in der Out-Runde 1.46 Minuten fahren müssen. Das hätte die Reifen bei einer zweiten Vorbereitungsrunde zu sehr gestresst“, erklären die Strategen.

Verstappen sollte mit freier Sicht nach vorne seine Aufwärmrunde optimal timen. Und bis Kurve 7 ging die Strategie auch auf. „Ich lag schon dreieinhalb Zehntel unter meiner Zielzeit“. Die hatte Red Bull mit 1.41,5 Minuten berechnet. Dann blockierte beim Anbremsen ein Vorderrad, Verstappen kam zu tief in die Kurve hinein und zu hoch wieder heraus.

Später traf er hart einen Randstein, der das Getriebe entsynchronisierte. Die Folge: Das Getriebe schaltete nicht mehr sauber ohne Zugkraftunterbrechung hoch. „Das hat mich auf der langen Zielgeraden zwei Zehntel gekostet.“ Dazu kam noch ein weiteres Problem. Verstappen konnte den Renault-Motor ab dem Q2 nicht mehr voll ausdrehen. Weil man sonst in den Begrenzer gerasselt wäre. „Insgesamt habe ich aus technischen Gründen vier Zehntel liegengelassen.“

Selbst mit dem Fehler in Kurve 7 wäre das eine Runde von 1.41,6 Minuten geworden. „Mit einer perfekten Runde hätte Max die Ferrari geschlagen“, ist Teamchef Christian Horner überzeugt. Ärgerlich für Verstappen: Die roten Autos zogen im Finale des Q3 noch an ihm vorbei.

Renault findet PS im Gegenwert von zwei Zehnteln

Ausgerechnet auf einer Power-Strecke überraschte Red Bull mit einem Formanstieg. Das hat mit weiteren Modifikationen am Chassis, mit einer mutigen Wahl des Heckflügels und einer signifikanten Verbesserung des Renault-Motors zu tun. Marko verrät, dass Red Bull mit dem RB13 seit Saisonbeginn eine Sekunde gefunden hat. Dazu entschieden sich die Ingenieure für einen Monza-Flügel. Kein anderes Team wagte sich an einen so kleinen Flügel heran.

Der Topspeed dankte es. Ricciardo war mit 356,3 km/h der schnellste Mann am Ende der Zielgeraden. Auch etwas früher auf dem Zielstrich lag der Australier mit 328,6 km/h in den Top 4. Selbst wenn die Werte durch Windschatten begünstigt wurden, hat sich Red Bull auf der Geraden gesteigert. Verstappen lag an der Messstelle vor beiden Ferrari, fast zeitgleich mit Valtteri Bottas.

Renault brachte kein Upgrade mit nach Baku und fand trotzdem Power im zweistelligen Bereich. Auf der Uhr machten die Verbesserungen in der Motorsoftware im Bereich Zündung und Einspritzung zwei Zehntel aus. „Wir können damit näher an das Potenzial heran, das in diesem Motor steckt. Es sind weitere solcher stiller Schritte geplant“, kündigte Renault-Sportchef Cyril Abiteboul an.

Trotz des Schmalspur-Flügels im Heck schaffte Red Bull die zweitbeste Zweit im zweiten Sektor. Das ist die Passage rund um die Altstadt. „Die Abstimmung hat von Anfang an gepasst. Wir mussten kaum was am Auto ändern, nur dem besseren Grip von der Strecke hinterherlaufen. Unser Auto war gut ausbalanciert und ging exzellent über die Randsteine. Max und ich haben uns von der ersten Minute an im Auto wohlgefühlt“, berichtete Ricciardo. Der Unfall wird seinen Sonntag schwieriger gestalten als gedacht. Trotzdem gibt der Mann mit den dritten Plätzen in Folge nicht auf: „Wir sind gut unterwegs. Für uns könnte auch ein Overcut im Rennen funktionieren. So haben wir mehr strategische Optionen als die anderen.“

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Mercedes fuhr im Qualifying zum GP Aserbaidschan in einer anderen Liga.

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