Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 3. Juli 2020 xpb
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Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
Alex Albon  - GP Österreich 2020
Max Verstappen  - GP Österreich 2020 22 Bilder

Red Bull sieht Chancen gegen Mercedes

Aero-Problem bremste zum Auftakt

Mercedes hat beim Saisonauftakt die Messlatte gelegt. Red Bull war beeindruckt, aber nicht geschockt. Der Herausforderer weiß, wo man in der Qualifikation die halbe Sekunde verloren hat. Wenn das Aero-Problem gelöst wird, könnte ein Großteil des Rückstands aufgeholt werden.

Auf dem Papier sieht es dramatisch aus. Mercedes fuhr beim Saisonauftakt der Formel 1 in einer eigenen Liga. 0,538 Sekunden Vorsprung auf Red Bull sind ein Wort. Noch dazu auf einer so kurzen Strecke wie dem Red Bull-Ring. Der Schock beim Herausforderer saß nur kurz. In der Zwischenzeit glaubt man zu wissen, warum der Abstand so eklatant ausgefallen ist. Das Problem kann gelöst werden. Die Frage ist nur, wie schnell. Erste Änderungen wird es bereits beim zweiten Rennen in Spielberg geben.

Red Bull hat drei Zehntel in den Kurven 7 bis 9 verloren. Das sind die drei schnellsten Kurven am Red Bull-Ring. Eigentlich die Spielwiese für Red Bull. Bei der Analyse hat sich herausgestellt, dass sich einige Aerodynamikbausteine unter der hohen Querbeschleunigung zu stark verwunden haben. Zum Beispiel der Unterboden.

Das führte zu Strömungsabriss. Die Fahrer verloren Vertrauen in ihr Auto. "Das hat auch die Dreher von Max im Training verursacht", berichtet Sportdirektor Helmut Marko. Um das Auto in den schnellen Ecken berechenbarer zu machen, erhöhte Red Bull den Abtrieb. "Das hat uns dann auf den Geraden noch mal Zeit gekostet."

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
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Red Bull muss gewisse Aerodynamikteile stabiler bauen, um konstanter anliegenden Anpressdruck zu generieren.

Honda noch zu konservativ

Marko nimmt aber auch Honda in die Pflicht. "Mercedes hat mit dem Motor unzweifelhaft einen tollen Schritt gemacht. Im Qualifikationsmodus haben die richtig viel Power. Honda ist mit den Motoreinstellungen noch zu konservativ. Unser Ansatz ist da ein anderer. Lieber brauchen wir in der Saison einen Motor mehr und können dafür angreifen. Wenn du die Strafe auf die richtige Strecke legen kannst, ist der Schaden nicht groß."

Noch nicht geklärt ist, mit welchem Frontflügel Red Bull beim zweiten Rennen antreten wird. Von der Rundenzeit her gibt es keinen großen Unterschied. "Der liegt in der Charakteristik des Flügels und im Zusammenspiel mit dem Unterboden. Das war auch der Grund, warum Alexander Albon so spät in Schwung gekommen ist. Er hat durch den Frontflügelwechsel ein bisschen den Faden verloren. Es war vorher abgesprochen, dass Max ihn kriegt, wenn es nur ein Exemplar gibt. Als Albon auf den alten Flügel wechseln musste, hat es anfangs mit dem Unterboden nicht mehr so richtig zusammengepasst. Und er war noch ein bisschen eingerostet. Je länger es gedauert hat, umso besser ist er in Schwung gekommen."

Marko glaubt, dass der RB16 gute Gene hat. Das habe sich im Rennen gezeigt. "Da ist unser Aerodynamikproblem weniger ins Gewicht gefallen, weil du in den besagten Kurven mit vollen Tanks 15 bis 18 km/h langsamer bist. Wir müssen jetzt einfach schauen, dass wir die Teile steifer hinkriegen."

In den langsamen und mittelschnellen Kurven gewinnt man sogar Zeit auf die Mercedes. Dazu kommt, dass Red Bull von der Höhenlage der Strecke 670 Meter über dem Meer nicht mehr so profitiert wie in den Jahren zuvor. Mercedes hat an seiner Schwachstelle erfolgreich nachgebessert. Honda fährt in diesem Jahr mit neuen Turboladern und gibt seinen Vorteil in dünnerer Luft auf. Dafür hofft man, beim großen Rest besser dazustehen.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
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In der Quali ist die Lücke zu Mercedes laut Red Bull größer als im Rennen.

DAS-Einsatz noch nicht geklärt

Um den Titelverteidiger zu schlagen, muss man erst einmal ins Ziel kommen. Red Bull schrieb beim Auftakt eine Nullrunde, die bei einer kurzen Saison mehr schmerzt als bei 22 Rennen. Die Defekte waren auch zwei Tage nach dem Rennen nicht ganz geklärt. Sie traten im Umfeld des Motors auf. "Honda hat die Motoren Mittwoch früh in Japan auf dem Prüfstand laufen lassen, um die Schäden nachzustellen. Es waren nicht zwei identische Probleme. Der eine liegt wahrscheinlich im Bereich der Elektrik, der andere könnte mit den Vibrationen zusammenhängen", verrät Marko.

"Die Randsteine sind aggressiver als anderswo. In den Kurven 6 bis 9 bist du ständig unter hoher Querbeschleunigung auf den Kerbs. Das ist ein irrsinnig langer Bereich. Da hast du dann irgendwo einen Sensor im Auto, der verrückt spielt, und dann funktioniert das ganze Auto nicht mehr. So etwas gab es früher nicht. Der Antriebsstrang und das Getriebe sind einfach überkompliziert." Mercedes geht es nicht viel besser. Einziger Unterschied: Der Titelverteidiger brachte beide Autos ins Ziel.

Die Frage, ob man die aktive Spurverstellung von Mercedes kopieren soll, ist noch nicht geklärt. Teamchef Christian Horner war da mit seinen Ansagen etwas zu optimistisch. Bei Helmut Marko hört sich das differenzierter an: "Wir müssen jetzt genau überlegen, was wir machen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Mercedes setzt das System hauptsächlich vor den heißen Quali-Runden und vor den Re-Starts im Rennen ein. Dadurch können sie die Reifen besser aufwärmen. Der Nachteil sind zwei Kilogramm Extragewicht. Wenn wir DAS schon nachbauen, sollten wir es besser machen. Das dauert aber zwei Monate. Bei der kurzen Saison mit offenem Ausgang stellt sich die Frage, ob es nicht mehr Sinn macht, seine Energien für andere Sachen einzusetzen. Diese Berechnungen laufen gerade."

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