Bald keine Regenrennen mehr?

"Bei jedem Re-Start gebetet"

Nico Hülkenberg - GP Abu Dhabi 2016 Foto: sutton-images.com 65 Bilder

Das Regenrennen von Sao Paulo geht den Fahrern immer noch durch den Kopf. Zu viel Aquaplaning, null Sicht. Sind Regenrennen in der Formel 1 bald Geschichte? Nico Hülkenberg und Fernando Alonso sagen nein.

Die Geschichten hören sich an wie Kriegsberichte. Die Regenschlacht von Brasilien geht vielen Fahrern noch im Kopf herum. Weil der GP Brasilien eines der gefährlichsten Rennen der letzten Jahre war. Mit einem Beinahe-Zusammenstoß zwischen Kimi Räikkönen und Esteban Ocon. Da hatten zwei Fahrer den Tod vor Augen.

Kimi Räikkönen tat den Vorfall damit ab, dass er sich nicht über Dinge Gedanken machen wolle, die nicht passiert sind. Er gab aber immerhin zu, dass es einer der gefährlicheren Momente seiner Karriere war. Ocon ging schon mehr ins Detail: „Das war echt knapp und unglaublich gefährlich. Ich habe den Ferrari erst im letzten Augenblick gesehen. Ich glaube, wenn du der Gefahr so ins Auge blickst, dann reagierst du besser.“

„Ich hörte vom Unfall am Funk. Aber willst du da bremsen?“

Nico Hülkenberg räumte ein, dass er nichts gesehen habe. „Ich habe schemenhaft erkannt, dass vor mir ein Auto quer stand. Dann bin ich schon über Trümmerteile gefahren. Das war ein echter Blindflug. Ich habe versucht, so nah wie möglich am Vordermann zu bleiben, um vielleicht noch sein Rücklicht zu erkennen. Aber nicht mal das ging. Es war ein echter Ritt auf der Rasierklinge, und ich habe bei jedem Re-Start gebetet, dass keiner vor mir abfliegt.“

Felipe Massa erzählt das gleiche: „Du bist in eine weiße Wand gefahren. Von Kimis Unfall habe ich nur gewusst, weil mein Renningenieur 'Unfall, Unfall‘ in den Funk gebrüllt hat. Ich bin kurz vom Gas, aber gleich wieder drauf, weil ich Angst hatte, dass mir hinten einer draufbrummt. Kimis Auto? Habe ich gar nicht gesehen.“

Das mit der Sicht gilt nicht nur nach vorne. Hülkenberg erzählt, dass er auch nach hinten nichts gesehen hat. „Ich habe Ocon in Kurve 3 einmal neben die Strecke gedrängt. Ehrlich, ich habe ihn erst bemerkt, als er neben mir lag.“

Ex-Pilot Martin Brundle gibt einen guten Vergleich, wie man sich die Fahrt im Regen in einem modernen Formel 1-Auto vorstellen muss: „Das ist so, als würdest du bei starkem Regen auf der Autobahn einen Lastwagen überholen und einen Schwall Wasser auf die Windschutzscheibe bekommen, wenn du neben ihm bist. Mir haben Fahrer in Sao Paulo erzählt, dass sie nicht mal ihr eigenes Lenkrad erkennen konnte. Weil das Visier ihre Windschutzscheibe ist.“

„Auf Intermediates? Hey Junge, fahr das Auto selbst“

Die Fahrer hatten in Brasilien mit 2 Problemen zu kämpfen. Fernando Alonso fasst zusammen: „Aquaplaning und schlechte Sicht. Das war zwar schon immer bei Regen ein Problem, aber noch nie so schlimm.“

Hülkenberg meint: „Mit den 2010er Bridgestone-Reifen hätten wir im Regen kein Problem gehabt.“ Der Force India-Fahrer kann deshalb auch nicht verstehen, dass einige Fahrer auf Intermediates gegangen sind. „Wenn das mein Renningenieur vorgeschlagen hätte, hätte ich ihm gesagt: Hey Junge, fahr das Auto selbst. Die Nummer war schon auf den Regenreifen ein Eiertanz.“

Müssen wir deshalb auf Regenrennen in der Zukunft verzichten? Nicht unbedingt, meint Hülkenberg: „Wir brauchen einfach bessere Reifen, die mehr Wasser verdrängen.“ Auch Alonso nimmt Pirelli in die Pflicht.

Schwieriger dagegen ist das Problem mit der Sicht. Weil die von den Hinterreifen aufgewirbelte Gischt von der Strömung hinter dem Diffusor nach oben gezogen wird, genau in das Sichtfeld des darauffolgenden Fahrers. „Vielleicht sollten wir es mit einer Abdeckung hinter den Hinterreifen versuchen oder mit moderner Technik, die dem Fahrer sagt, wo Hindernisse stehen“, meint Alonso. In Straßenautos gibt es so etwas schon. Sensoren, die vor Objekten auf der Straße oder Fußgängern am Straßenrand warnen.

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