Reifen-Affäre aufgeklärt - FIA plant neue Reifen-Regel

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Die Michelin-Probleme in Indianapolis sind geklärt. Neben Vertikalkräften von 750 Kilogramm und Querbeschleunigungen bis zum Dreifachen der Erdbeschleunigung traten zusätzliche dynamische Kräfte auf. Die Reifen gerieten in hochfrequente laterale Schwingungen.

Diese waren so stark, dass die Michelin-Fahnder sie als sogenannte "stehende Wellen" sogar auf Fotos erkennen konnten. All zu sehr war man bei Michelin nicht darauf erpicht, rückhaltlose Aufklärung über die Ursache der Reifenschäden von Indianapolis zu betreiben. Erstens war das Debakel ohnehin nicht mehr zu verhindern, zweitens wollte man möglichst wenig über die Konstruktion der eigenen Gummis preisgeben.

Achillesferse Stahlband

Da Michelin im Gegensatz zu Bridgestone Reifen mit einer weichen Flanke, dafür aber mit einer schwereren Lauffläche verwendet, ist zur Stabilisierung der Schulter ein Stahlband eingearbeitet. Dieses löste sich unter den Schwingungen, die Schulter brach auf. Je härter die Hinterachse des betreffenden Autos abgestimmt war (wie bei Toyota), desto schlimmer die Probleme. Die weicher abgestimmten Williams war dagegen nicht betroffen.

Die eigenwillige Michelin-Konstruktion erklärt auch, warum die Michelin-Reifen so empfindlich bei Bremsplatten sind. Bei Unwuchten verformt sich der Reifen stärker als bei der Konkurrenz.

FIA plant neue Regel - Michelin sauer

Dass FIA-Präsident Max Mosley Michelin vorhält, sie hätten fahrlässig nur eine Konstruktion nach Indianapolis gebracht, und damit den Skandal ausgelöst, stößt bei den Franzosen auf heftige Gegenwehr. "Wir brauchen Max nicht, um zu wissen, was zu tun ist", wetterte Rennchef Pierre Dupasquier. Es gab einen heftigen Brief an die Sportbehörde. Man wirft der FIA vor, Betriebsgeheimnisse über Michelin an die Öffentlichkeit gegeben zu haben.

Mosley plant nach dem Auslaufen des Concorde-Abkommens Ende 2007 eine Regeländerung, um Pannen wie in Indy zu vermeiden. Als Notlösung soll jeder Reifenhersteller einen dritten Gummi in der Hinterhand parat haben. Bisher sind nur zwei Reifentypen pro Grand Prix erlaubt. Reifenhersteller und Teams halten den Ansatz für wenig praktikabel.

Die FIA forderte von Michelin die komplette Dokumentation aller Reifenschäden in den letzten Jahren. Dupasquier äzte zurück, man solle doch mal bei Bridgestone fragen. "Die hatten viel mehr Reifenschäden als wir." Die beiden Bridgestone-Pannen auf den Minardi in Magny Cours waren schnell geklärt. Die Mechaniker hatten bei den Boxenstopps nach der Luftdruckanpassung vergessen, die Ventilkappen aufzuschrauben.

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