Reifenchaos wegen Kälte?

Wetterprognose lässt Pirelli zittern

Formel 1 Test Nico Rosberg 2013 Reifen Foto: xpb 26 Bilder

An der Reifenfront droht Chaos in Melbourne: Wird es zu heiß, droht der Supersoft-Gummi schnell einzugehen. Wird es zu kalt, könnte wie bei den Testfahrten Graining für Probleme sorgen. Aktuell sieht die Wetterprognose eher nach Letzterem aus.

Reifensorgen sind auch 2013 wieder das bestimmende Thema in der Formel 1. Bei kühlen Temperaturen flogen schon bei den Wintertests im wahrsten Sinne des Worten die Fetzen. Nach nur einer schnellen Runde rubbelte sich die Lauffläche der Pirellis ab. Die ungewollte Rutschpartie verhagelte sowohl den Piloten als auch den Ingenieuren die Laune.

In Melbourne werde bei wärmeren Temperaturen alles besser, lautete die Durchhalte-Parole der Reifenexperten. "Wir erwarten hier eine ganz andere Geschichte mit zwei bis drei Boxenstopps pro Auto", gab sich Pirelli-Sportchef Paul Hembery zuversichtlich. Doch da hatte der Gummi-Guru wohl noch nicht die Wettervorhersage für das Wochenende gelesen.

Temperatursturz rechtzeitig zum Rennen

Von 36°C zum Start der Woche soll es sich bis zum Rennen immer weiter abkühlen. Für den Sonntag sind gerade einmal noch 19°C prognostiziert. Da der Start erst für 17 Uhr angesetzt ist, wenn die Sonne längst nicht mehr mit voller Stärke auf den Asphalt scheint, sollte es eher noch kühler werden. Es ist fraglich, ob sich die Sonne überhaupt blicken lässt. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt für die beiden Tage des Wochenendes jeweils über 50 Prozent.
 
Nässe können die Teams im Albert Park gar nicht gebrauchen. Die Strecke wird im Rest des Jahres als öffentliche Straße genutzt und ist somit in den ersten Trainings noch sehr rutschig. Normalerweise kommt mit jeder Trainingsrunde mehr Gummi auf die Bahn, was nicht nur in Sachen Grip sondern auch in Sachen Verschleiß hilft. Doch bei Nässe wird die Strecke schnell wieder grün.

Die Ingenieure hatten in den letzten Wochen so sehr auf konstante Bedingungen gehofft, um endlich verwertbare Daten zu den neuen Autos zu sammeln. Nun droht am Sonntag erneut eine Fahrt ins Ungewisse. Die Fans können sich freuen. In der Australien-Lotterie können auch Kandidaten das große Los ziehen, von denen man es jetzt vielleicht noch gar nicht erwartet.

Graining-Gefahr auf kaltem Asphalt

Statt der Kälte hatte man eigentlich eher befürchtet, dass die Kombination aus Hitze und den sehr weichen Reifen zu einem Problem in Melbourne werden würde. Zum ersten Mal bringt Pirelli den Supersoft-Gummi mit in den Albert Park. Doch nun droht mit beiden Reifen-Mischungen die Gefahr von Graining.

Sergio Perez kündigte bei den Testfahrten in Barcelona bereits an: "Wenn es so wie hier auch in Melbourne wird, dann erleben wir acht Boxenstopps pro Auto." Einen Unterschied zum Circuit de Catalunya gibt es allerdings: Der Asphalt in Down Under ist nicht so rau und aggressiv wie in Spanien. Das könnte helfen.

Das statistisch größte Reifenchaos aller Zeiten erlebte die Formel 1 übrigens beim GP Ungarn 2011: Damals gab es insgesamt 88 Besuche in der Box - allerdings mit 24 Startern.

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