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Reifen-Probleme in Montreal

Die große Angst vor dem Körnen

Der GP Kanada könnte in ein Reifendrama ausarten. Beide Mischungen, die Bridgestone nach Montreal brachte, sind zu weich. Die Sorge um die Reifen könnte die Renntaktik beeinflussen. Am Sonntag gewinnt möglicherweise nicht der Schnellste, sondern der Cleverste.

Bis jetzt bewies Bridgestone ein gutes Händchen bei der Auswahl der Gummimischungen. In den ersten sieben Rennen gab es keinen Grand Prix, bei dem der Reifen eine entscheidende Rolle gespielt hätte. Extremes Körnen oder ein starker Gripabfall sind bis jetzt noch nicht aufgetreten. Das könnte sich mit dem GP Kanada ändern.

Regen am Samstag vergrößert Reifenprobleme

Die ersten beiden Trainingssitzungen am Freitag haben angedeutet, dass die Reifen den Ausgang des Rennens entscheiden könnten. Beide Reifentypen körnen. "Die härtere Mischung wird bis Sonntag im grünen Bereich sein, wenn mehr Gummi auf die Bahn kommt", schätzt Williams-Technikchef Sam Michael. Er schränkt aber ein: "Aber selbst dieser Reifen ist weit davon entfernt, eine ganze Renndistanz zu überstehen." Das heißt: "Möglicherweise sehen wir am Renntag erstmals mehr als einen geplanten Boxenstopp."

Echte Sorgen bereitet Fahrern und Ingenieuren die Marke "supersoft". "Sie ist definitiv zu weich für diese Rennstrecke", urteilt Michael. Nach zwei schnellen Runden im Bereich von 1.21 und 1.22 Minuten brach der weiche Gummi spätestens ab der dritten Runde dramatisch ein. Bis zu fünf Sekunden blieben dann auf dem Asphalt liegen.

Körnen ist hinten schlimmer als vorne

Vorder- und Hinterreifen verlieren Grip wegen starken Körnens. Hinten schlimmer als vorne. Einmal kräftig durchdrehende Hinterräder beim Beschleunigen, und schon bildeten sich die gefürchteten Gummikügelchen auf der Lauffläche der Reifen. Sind diese einmal da, fährt man rundenlang wie auf Eis. Erst nach sechs, sieben Runden erholt sich der Reifen wieder.

Die Hoffnung, dass mehr Gummi auf der Ideallinie die Problematik des Körnens lindert, könnte dem Wetter zum Opfer fallen. In der Nacht zum Samstag regnete es über dem Circuit Gilles Villeneuve. "Danach ist die Strecke wieder grün", erklärt Mercedes-Ersatzpilot Nick Heidfeld. Damit geht das Reifenproblem von vorne los.

Spannende Reifenwahl im Top-Ten-Quali

Somit könnte der Reifenwahl vor dem Top Ten-Finale der Qualifikation eine rennentscheidende Rolle zukommen. Die ersten Zehn müssen auf dem Gummi ins Rennen gehen, auf dem die schnellste Zeit in der Quali erzielt wurde. Der weiche Reifen ist zwar in der ersten Runde vier Zehntel schneller, aber er wird in der Anfangsphase des Grad Prix zur großen Last. Gut möglich, dass die schnellsten Autos auf dieser Mischung nicht den notwendigen Vorsprung herausfahren können, um sich einen frühen Boxenstopp zu leisten.

Sie würden dann Gefahr laufen, in das Feld derjenigen zu fallen, die mit harten Reifen ins Rennen gehen. Ab Platz elf haben die Fahrer freie Wahl. Nick Heidfeld prophezeit: "Ich kann mir zum ersten Mal vorstellen, dass auch unter den Top Ten der eine oder andere auf die harten Reifen setzt."

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