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Reifen-Wahl am Nürburgring

Welche Taktik ist besser?

Hat Ferrari den Joker gezogen? Oder stellt das erwartete Hitzerennen am Nürburgring allen Propheten ein Bein? McLaren glaubt, dass hinter den Ferrari alle Piloten auf den harten Reifen starten. Ross Brawn würde das nicht unterschreiben.

Für Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Mark Webber, Kimi Räikkönen, Romain Grosjean und Daniel Ricciardo ist der Fall klar. Sie müssen mit weichen Reifen starten, die bereits drei Runden auf der Lauffläche haben. Felipe Massa und Fernando Alonso starten auf der harten Mischung. Sie haben noch drei frische Satz Reifen in der Hinterhand. Und das könnte ein Indiz für Ferraris Taktik sein. "Wer sagt denn, dass dieser Grand Prix nicht ein Dreistopprennen wird?", fragt einer aus dem roten Lager.

Die Ausgangslage ist so: Mit ihren gebrauchten weichen Reifen können Red Bull, Mercedes und Lotus drei bis vier Runden lang Tempo machen. Dann gleicht sich der Grip-Vorteil aus. Nach sechs Runden müssen die Fahrer an der Spitze spätestens an den ersten Boxenstopp denken. Damit fallen sie tief ins Feld. Und zwar mit der gleichen Reifenmischung, die der Großteil der Fahrer beim Start aufziehen lässt. Nämlich medium. "Ich gehe davon aus, dass alle hinter den Ferrari auf hart starten", glaubt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Button denkt im Qualifying ans Rennen

Soweit die graue Theorie. Doch was passiert dann? Jenson Button hat schon im Abschlusstraining Erfahrungen gesammelt, und er glaubt, dass die erwartete Hitze am Renntag und die von Pirelli vorgeschriebenen höheren Reifendrücke die Probleme noch verschärfen werden. "Die harten Reifen werden überhitzen, die weichen werden körnen. Ich bin deshalb überrascht, dass Ferrari beide Autos auf die gleiche Taktik setzt, statt sie zu splitten."

Felipe Massa winkt ab: "Ich wäre mit weichen Reifen bestenfalls auf Platz 4 gefahren. Da stehe ich lieber mit harten Reifen auf Startplatz 7" Button machte es ähnlich: "Mein Herz sagte, fahr raus und hole dir Platz 6. Der Kopf dagegen hat gesagt, dass es besser ist, die Runde abzubrechen. Jetzt kann ich mit frischen Reifen starten. Das gibt mir beim Losfahren einen Vorteil, und sie halten drei Runden länger."

Mercedes-Teamchef Ross Brawn glaubt nicht, dass die Rechnung so einfach aufgeht: "Wir gehen alle vom Freitag-Training aus. Aber da war es bedeutend kühler. Das kann am Sonntag bei Hitze alles ganz anders ausgehen."

Für Sauber-Teammanager Beat Zehnder ist der Fall einfach. Nico Hülkenberg wird mit harten Reifen in die 60-Runden-Schlacht gehen. "Unser Gegner ist Ricciardo. Wenn wir vor ihm ins Ziel kommen, dann haben wir richtig entschieden, Nicos Runde abzubrechen, damit er auf frischen Reifen losfahren kann."

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