Reifenkrieg

Bridgestone vor Michelin

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Renault ist überrascht über die Stärke der japanischen Gummis. Nach zwei Niederlagen in Folge sieht sich Michelin im Hintertreffen, kündigt aber bereits den Gegenschlag an.

"Es gibt keinen Zweifel, dass Bridgestone besser gearbeitet hat, als wir erwartet haben", gestand Renault-Chefingenieur Pat Symonds nach dem Rennen am Nürburgring. Was den Briten am meisten beeindruckte: Ferrari war nicht nur in der Lage, in der Qualifikation aus dem Stand sehr schnelle Runden zu fahren, die Gummis waren auch äußerst haltbar.

Ferrari verdankt diesen Umstand einer geänderten Hinterachskonstruktion und der neuen Vierer-Familie aus dem Bridgestone-Regal. Weil die Scuderia der Neukonstruktion nicht traute, verlor sie klar in Australien, doch seit Imola haben die Lobeshymnen der anderen Bridgestone-Partner auch Ferrari überzeugt. In Imola benutzten die Roten an der Hinterachse die neuen Karkassen, in der Eifel auch vorn. Toyota-Fahrer Ralf Schumacher sagt: "Bridgestone ist zur Zeit überlegen. Die Reifen kaschieren die Schwächen unseres Autos."

Hisao Suganuma: "Sehr zuversichtlich"

Der neue Reifen ist eine Allzweckwaffe, die dank geänderter Karkasse konstantere Rundenzeiten ermöglicht und in einem großen Temperaturfenster funktioniert. Genau daran hapert es bei der Konkurrenz. "Flavio Briatore klagt: "Michelin hat bei den letzten Rennen auf zu harte Reifen gesetzt."

Die Renault-Strategen und die Michelin-Ingenieure hoffen, dass sich mit weicheren Mischungen eine längere Niederlagen-Serie aufhalten lässt. Fernando Alonso gibt sich gelassen: "Michelin hat in Barcelona in den letzten zwei Jahren dominiert. Also bin ich optimistisch, dass ich hier gewinnen kann." "Wir sind sehr zuversichtlich", kontert Bridgestone-Technik-Chef Hisao Suganuma im Hinblick auf den Spanien-GP.

Pat Symonds glaubt nicht an eine eindeutige Überlegenheit eines Reifens: "Es wird von Strecke zu Strecke variieren." Ferrari-Kollege Ross Brawn sieht den Fall anders: "Wir haben nun eine Reifenfamilie, die in allen möglichen Bedingungen funktioniert. Wenn wir zur Jahresmitte zu den heißen Rennen kommen, werden wir kein Problem haben. Wir haben ein komplettes Sortiment für alle Rennen."

Ross Brawn: "Weiche Mischungen ohne schlechtere Haltbarkeit"

Brawn erklärt das Erfolgsgeheimnis: "Die neue Konstruktion erlaubt, mit deutlich niedrigerer Betriebstemperatur zu fahren. Das bedeutet, wir können mit deutlich weicheren Mischungen fahren, ohne dass die Haltbarkeit allzu sehr leidet."

Bei Michelin räumt Formel 1-Chef Nick Shorrock ein, dass die Reifenwahl in den vergangenen Rennen zu konservativ war. "Das kostete uns etwa eine halbe Sekunde pro Runde." Allerdings weiß bei Michelin niemand, ob weichere Pneus am Nürburgring durchgehalten hätten. Bei den Franzosen setzt man nun ebenfalls auf einen neuen Gummi: "Diese neuen Reifen sind ein Ergebnis von Analysen, die wir nach Imola gemacht haben", sagt Shorrock. Auch McLaren und Honda sollen so wieder näher an die Spitze heranrücken.

Im Bridgestone-Lager ist die Situation kurios: Obwohl Williams die neuen Reifen zuerst einsetzte, profitiert das Team nicht so sehr wie Ferrari. Der Mannschaft von Sam Michael gelingt es nicht, die Reifen für eine schnelle Quali-Runde auf Temperatur zu bringen. So verlieren Nico Rosberg und Mark Webber ihre Rennen schon durch schlechtere Startplätze. Die Ingenieure suchen jetzt nach Möglichkeiten, die Fahrwerksgeometrie des FW28 an die Eigenheiten des Reifens anzupassen.

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