Williams - Pirelli - GP England 2019 xpb

Reifenkrimi in England?

Erhöhter Abrieb durch neuen Asphalt

Der GP England könnte durch Reifenmanagement bestimmt werden. Der neue Asphalt hat das Gefälle in einigen Kurven verändert. Dadurch nutzen sich die Reifen auf der Innenschulter stärker ab. Wer bekommt den Verschleiß am besten in den Griff?

Silverstone strapaziert durch sein Layout mit den vielen Highspeed-Passagen die Reifen ohnehin schon stark. Es wirken in den Kurven hohe Querkräfte auf die Gummis. Und das laugt sie über die Distanz aus. In diesem Jahr kommt eine neue Komponente hinzu, die den Reifen zusetzt: der neue Asphalt.

Es ist nicht nur der Belag an sich, der Probleme bereitet. Sondern eine Kombination aus mehreren Dingen. Der Asphalt ist glatter als 2018, und es gibt weniger Bodenwellen. Der neue Untergrund bot anfangs noch weniger Grip. Das erklärt die vielen Ausritte. Im ersten Training war das Gripniveau noch geringer als im zweiten. Da näherte man sich dem Vorjahresniveau an. Doch was noch stärker zum Tragen kommt, ist, dass durch das Auftragen des neuen Belags manche Kurven ihren Charakter geändert haben. Manche sind nun überhöht wie eine Steilkurve. Andere fallen von innen nach außen ab.

Das Gefälle sorgt dafür, dass die Reifen auf der Innenschulter stärker strapaziert werden. Vor allem auf der linken Fahrzeugseite. „Bei manchen Autos betrifft es die Vorderreifen. Bei anderen sind es die Hinterreifen“, berichtet Pirellis Rennleiter Mario Isola. Das hängt vom Fahrzeugcharakter und dem Setup ab.

Sebastian Vettel - GP England 2019
Motorsport Images
Sebastian Vettel rutschte wie viele andere Piloten auf dem glatten Asphalt aus.

Verschleiß wird Strategie diktieren

Auf der Innenseite bilden sich Spuren. Was aussieht wie Graining, ist in Wahrheit das Ergebnis von erhöhtem Verschleiß. „Wir haben so etwas schon einmal erlebt“, führt der Italiener aus. „2017 bei den Testfahrten in Barcelona verhielt es sich mit dem neuen Asphalt ähnlich.“ Auch dort stellte Pirelli tiefschwarze Verfärbungen auf den Reifen fest.

Pirelli wird seine Daten auswerten, und womöglich Gegenmaßnahmen ergreifen. Isola schließt nicht aus, dass der Reifendruck angepasst wird. Am Trainingsfreitag schrieb der Reifenlieferant einen Mindestdruck von 24 PSI vorne und 21 PSI hinten vor. Die Vorgaben für den Radsturz wird Pirelli nicht ändern. „Das haben wir noch nie getan während eines Rennwochenendes.“ Der negative Sturz darf an der Vorderachse maximal 2,75 Grad betragen. Hinten sind es 1,75 Grad.

Der Verschleiß wird die Strategie im Rennen diktieren. Nicht der Reifenabbau – im Englischen degradation. Aus dem Trainingsfreitag will Isola nicht schlussfolgern, dass es auf eine Zweistoppstratege hinausläuft. „Die Teams haben Möglichkeiten, auf die Reifenabnutzung zu reagieren.“ Zum Beispiel, indem sie mit Sturz und Reifendruck im Rahmen des erlaubten spielen.Oder mit der Wärme, die von den Bremsen über die Felgen den Reifen zugeführt wird. Den Softreifen traut der Italiener derzeit maximal 15 Runden am Stück zu. Dem Medium ein bisschen mehr. Das Rennen geht über 52 Runden. Nach dem Freitag sagt Isola aber auch. „Wenn es so sein sollte wie heute, würde ein zusätzlicher Reifenwechsel schneller ins Ziel führen als Reifenmanagement.“

Delta von 0,7 Sekunden zwischen Reifen

Isola verweist ebenfalls darauf, dass sich die Strecke noch entwickeln wird. „Je mehr gefahren wird, desto mehr Grip wird es geben. Desto weniger rutschen die Autos.“ Es sei denn, Regen spült den Reifengummi vom Asphalt. „Das wäre wie ein Neustart.“ Immerhin soll durch den neuen Asphalt das Wasser besser ablaufen und versickern.

Die Rundenzeiten selbst sind vom Abrieb auf der Innenschulter nicht betroffen. Die Bestzeit von Valtteri Bottas in 1:26.732 Minuten lag rund acht Zehntel unter dem Bestwert von Sebastian Vettel im zweiten Training 2018. Zwischen den Mischungen hart, medium und soft liegen jeweils acht Zehntel. Bei den härteren Mischungen hatte man das Delta erwartet. „Zwischen Medium und Soft dachten wir, dass es größer ausfällt. Das kann aber auch mit der Streckenentwicklung zu tun machen.“ Den Softreifen zogen die Teams am Freitagnachmittag wie üblich später auf.

F1-Fotos GP England 2019: Die Bilder vom Trainingsfreitag

Romain Grosjean - HaasF1 - GP England - Silverstone - Freitag - 12.7.2019
Romain Grosjean - HaasF1 - GP England - Silverstone - Freitag - 12.7.2019 Romain Grosjean - HaasF1 - GP England - Silverstone - Freitag - 12.7.2019 Romain Grosjean - HaasF1 - GP England - Silverstone - Freitag - 12.7.2019 George Russell - Williams - GP England - Silverstone - Freitag - 12.7.2019 82 Bilder
Motorsport Aktuell Kevin Magnussen - GP Japan 2019 Haas wieder im Reifen-Dilemma „Hätten auf die Fahrer hören sollen“

In Suzuka kämpfte Haas wieder mit den Reifen. Dazu gab es internen Stunk.

Mehr zum Thema GP England (Formel 1)
Ferrari - Technik - Juli/August 2019
Aktuell
Verstappen vs. Leclerc - GP England 2019
Aktuell
Mercedes - Formel 1 - GP England 2019
Aktuell